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  #6 (permalink)  
Alt 11.06.2010, 09:59
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 26.03.2007
Beiträge: 8.489
Standard AW: Abmahnung wg Schmähschrift und Üble Nachrede.

Ich hab mich zwar irgendwo hier schon mal im Forum darüber ausgelassen, aber trotzdem:

Der Sinn des Rechts ist es nicht primär, Handlungen zuzulassen, die andere vor Schaden bewahren, sondern zu regeln, was passiert, wenn ein Schaden entstanden ist. Das Recht arbeitet deswegen hauptsächlich mit Verboten oder Forderungen - was an sich auch logisch ist, denn wenn Recht aufzählen wüprde, was erlaubt ist, wäre es dahin mit der "Freiheit".
In diesem Zusammenhang muss man auch das allseits verbreitete Streben nach "Schutz der Anderen" sehen.
Primär schützt das Recht erstmal denjenigen, dem etwas Falsches vorgeworfen wird (Schaden). Wäre dem nicht so, wäre es ziemlich schlecht, denn dann könnte jeder ungestraft Unwahrheiten unter dem Mantel der "Meinungsfreiheit" verbreiten und man hätte keine Chance, auch nur im Geringsten dagegen vorzugehen. Das ginge dann von persönlichen Kleinkriegen bis hin zu enormen Wirtschaftskämpfen. Und deswegen finde ich diese hauptsächliche Ausrichtung des bestehenden Rechts schon mal nicht schlecht.

Und als zweiter Faktor: Nicht jeder macht die gleichen Erfahrungen. Habe gerade auch so ein Problem, ein eBay Verkäufer mit 100% positiv (und das sind etliche) reagiert nicht auf Nachrichten wegen Mängeln an der gekauften Ware. Jetzt könnte man natürlich sofort reagieren, negativ beurteilen, schlecht bewerten, in Foren warnen - das ganze Programm. Und dabei ist er vielleicht nur krank, liegt im Krankenhaus, ist bei einer Messe oder macht einfach eine Woche Urlaub ... Wem hätte ich geholfen, wenn ich jetzt gleich über ihn herziehe? Sicherlich, vielleicht reagiert er ja, wenn kein objektiver Grund vorliegt, aber wenn doch, füge ich ihm mehr Schaden zu als nötig ist. Und das ist ein einzelner Mensch. Wenn es sich um große Firmen handelt, kann das schon schlimmer sein. Nur weil ein Mitarbeiter mal einen schlechten Tag hatte oder man an jemanden gerät, der am Morgen seine Kündigung wegen ewigem zu spät kommen erhalten hat - deswegen gleich die ganze Firma "verteufeln"?

Wichtig ist deswegen eins: Fundierte, nachprüfbare Aussagen die auf objektiven Tatsachen beruhen ist das einzige was Sinn macht. Alles andere nützt niemanden, weder dem Kritisierten, noch irgendwelchen Dritten, die dadurch vielleicht das "Schnäppchen" ihres Lebens verpassen und keine negativen Erfahrungen gemacht hätten.

Und natürlich, man kann ganz allgemein formulieren, nur solche Grundsätze wie "traue niemandem", "nichts gilt, was auch schriftlich festgehalten ist" mögen im Streitfall zwar stimmen, aber Streitfälle machen nur einen winzigen Teil der täglichen Kontakte zwischen Menschen aus - und dabei muss jeder immer sein Risiko tragen, mal ist es abschätzbar, mal nicht. Aber sich zum "Retter der Menschheit" zu erheben, mit ein paar klugen Sprüchen und nich nachvollziehbaren Kritiken - das sollte man eher den Politikern überlassen, die können das bekanntermaßen besser.

Und jetzt nochmal zu ein paar Punkten deiner Frage:
Zitat:
Ich habe mir das mit diesem Absatz nochmal durch den Kopf gehen lassen, weil ich noch nicht so richtig verstanden hatte, warum er als üble Nachrede interpretiert werden könnte.
Weil er eben direkte Vorwürfe macht. Und zwar nicht unbedingt dem Verursacher (siehe oben, Firma vs. Mitarbeiter)
Zitat:
Mit gesteigerter Sensibilität könnte man herauslesen, dass man die Firma xyz der Lüge bezichtigt. Damit könnte man auch nachvollziehen, warum eine Firma xyz auf die Idee kommen könnte, mit gerichtlichen Schritten und einer Schadenersatzforderung in schwindelerregender Höhe zu drohen.
Genau das. Aber dazu braucht man keine "gesteigerte Sensibilität" sondern nur Augen zum Lesen
Zitat:
Wäre es also besser, etwas allgemeiner zu formulieren wie:
Eine interessante Erfahrung habe ich mit der Firma xxx (Ort der Fa. xxx) gemacht. Das ist die Firma, die die "xxx" anbietet.
Man sollte sich Verträge grundsätzlich sehr genau durchlesen, und sich nicht auf mündliche (und daher evtl. missverständliche) Aussagen verlassen.
Solche Globalaussagen gibt es meiner M einung nach genug, auch ändern sie nichts. Wer das Produkt kaufen will, kauft es trotzdem.
Zitat:
Kann man eigentlich gegen alles Strafanzeige stellen? Also auch gegen so eine allgemeine Aussage? Falls sich die Firma xxx also noch immer auf die Füße getreten fühlen würde, könnte sie das anzetteln, nur, um jemanden mundtot zu machen?
Prinzipiell kann man, wenn man glaubt, ein Straftatbestand liegt vor, immer Anzeige erstatten. Und kommt man über die erste Hürde (die Erstattung der Anzeige), wird erstmal ermittelt. Und sind die Ermittlungsbehörden dann immer noch der Meinung, eine Straftat liegt vor, dann wird es für den Angezeigten erst ernst. Ganz so eoinfach ist das also nicht, jemanden damit "fertig machen" zu wollen. Da muss er erst an einigen vorbei, deren Aufgabe ist, das Ganze objektiv zu beurteilen.
Etwas anderes ist es beim Zivilrecht (das wäre dann der Schadensersatz). Hier kann jeder sofort einen Anwalt einschalten - auch wenn er erstmal selbst für die Kosten aufkommen muss - gerade deswegen gibt es auch die Kostenpflicht. Um eben zu verhindern, dass jeder gleich grundlos oder weil ihm die Nase des anderen nicht passt einen Anwalt auf ihn hetzt. Und dann wäre es Aufgabe des Anwalts, die Chancen zu prüfen. Ein ehrlicher seriöser Anwalt prüft das auch. Aber wie in jedem Beruf gibt es auch hier welche, die nur das schnelle Geld sehen. Und ob Chancen bestehen ode rnicht, der Anwalt bekommt in jedem Fall sein Geld.
Und ist man dann ein betroffener udn bekommt irgendein Schreiben von irgendeinem Anwalt, kann amn sich überlegen was man tut. Man kann - gesunden Menschenverstand und grundlegende (Schul-)Kenntnisse des Rechts vorausgesetzt - meistens schon selbst die eigenen Chancen abwägen. Und wenn nicht, dann muss man eben selbst einen Anwalt konsultieren. Und wer die Kosten dann im Endeffekt übernimmt kommt darauf an, ob der andere im recht ist oder wie konsequent man ist oder ob man eher ein Feigling ist.
Zitat:
Oder einfach mal anders herum gefragt: wenn man starke Indizien dafür hat, dass eine Firma mit Methoden arbeitet, die man in der Nähe der Arbeitsweise von Drückern ansiedeln würde - hat man denn überhaupt eine Chance, andere potentielle Opfer davor zu warnen?
Nicht auf diese Art und Weise. Es gibt aber genügend staatliche Stellen oder Medien, die sich dafür interessieren. Und die haben auch Rechte und Möglichkeiten, die Indizien zu prüfen und zu bewerten. Und sollte da was nicht mit rechten Dingen zugehen, kommt das früher oder später heraus.
Zitat:
Man hat ja nicht immer gleich das Bedürfnis, einen Rechtsstreit anzufangen. Im Bekanntenkreis würde man dann halt sagen "hey, pass auf mit denen, da musste genau hinschauen was du unterschreibst".
Das kann man ja auch machen. Im Bekanntenkreis kennt man ja auch den Empfänger, der kann nachfragen, hat ein eigenes Urteil von dir und kann eine solche Aussage bewerten. Jemand, der dich nicht kennt und da seinfach nur irgendwo liest, hat da weniger Chancen, deinen subjektiven Eindruck objektiv zu bewerten.
Zitat:
Natürlich könnte man auch einfach die Klappe halten und sagen, ist mir doch egal - soll der Nächste eben auch sein Lehrgeld zahlen. Stressfreier wäre das (sofern man "frei" überhaupt steigern kann ;-) )
Man kann die Mittel nutzen, die man hat. Und das sind einige. Die Frage ist ja auch immer: Interessiert das überhaupt jemanden? Nur weill man selbst darauf rein fällt, müssen es die Anderen noch lange nicht ... Meiner Meinung nach "rettet" man damit niemanden vor irgendwas, im Gegenteil, man handelt sich selbst Ärger ein. Und natürlich ist sich jeder selbst der Nächste, sonst würde "Freiheit" auch nicht funktionieren. Die Nächstenliebe (ist zwar ein Begriff, den ich eigentlich nicht verwende, aber hier passt er im wörtlichen Sinne - also nicht im christlichen Sinne) sollte sich auch auf die Nächsten beschränken. Dann ist viel mehr geholfen, als dass man sich als der "große Beschützer" aufspielt. Denn "Superhelden" haben einen großen Mangel: sie existieren nicht in der Realität. Und die, die vorgeben einer zu sein, machen das was man eigentlich nicht will: sie lügen.
__________________
[SIZE="1"]Meine Beiträge sind immer (auch wenn es nicht ausdrücklich dabei steht) meine persönliche Meinung und müssen (und werden) nicht immer mit der aktuellen Rechtssprechung oder der Lehrmeinung im Jurastudium / anderen rechtswissenschaftlichen Studiengängen übereinstimmen. Sie sind lediglich meine Auslegung von mir bekannten Gesetzen und Urteilen.[/SIZE]
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  #7 (permalink)  
Alt 13.06.2010, 11:25
Neuer Benutzer
 
Registriert seit: 09.06.2010
Beiträge: 4
Standard AW: Abmahnung wg Schmähschrift und Üble Nachrede.

Hallo aaky,

ich möchte mich ganz herzlich bei Dir für Deine Mühe bedanken!

Was Du geschrieben hast, hat nun einiges sehr viel klarer für mich gemacht und ich kann das gar nicht hoch genug einschätzen.

Ich denke, so, wie man erst einen Blick für die Oberfläche und Bedienung eines komplexen Programmes entwickeln muss, so ist das mit den juristischen Sachverhalten auch. Als Laie schätzt man wohl manches anders ein, da einem der Bedeutungshintergrund fehlt.

So, wie Du das erklärt hast, kann ich das auch als Nichtjurist(in) gut nachvollziehen.

Ich danke Dir auch dafür, dass Du mir nicht gleich eins übergebügelt hast ;-) (wie das ja manchmal in anderen Foren der Fall ist).

Einen lieben Gruß und noch einen schönen Sonntag
schickt
Pik24
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