Das Institut für Informatik der Universität Potsdam hat am 11.05.2007 in einer Pressemitteilung bekannt gegeben, dass eine Software zur besseren Erkennbarkeit unerwünschter Anrufe über VoIP entwickelt wurde. In der Zukunft wird Spam die Bürger nicht mehr nur über eMail erreichen, sondern verstärkt auch über Internet-Telefonverbindungen (VoIP = Voice over IP). Dazu heißt es in der Presseerklärung: "Je mehr Benutzer am neuen Telefonnetz teilnehmen, desto attraktiver wird es für Werbetreibende, unverlangte, unerwünschte Anrufe abzusetzen. Spam, das größte Problem der E-Mail-Kommunikation, wird auch die Internet-Telefonie erreichen. Insbesondere die Tatsache, dass Anrufe im Gegensatz zu E-Mails nicht gefiltert werden können, hat zur Folge, dass zu jeder Zeit unerwünschte Anrufe zugestellt werden."
Die Potsdamer Forscher haben im Rahmen der Analyse von mehreren Diplomarbeiten festgestellt, dass aktuell zu wenige Maßnahmen zum Schutz der VoIP-Nutzer ergriffen werden. Um dies zu ändern, wurde eine neue Software zum Schutz vor Spam-Anrufen programmiert. In der Mitteilung des Institut für Informatik heißt es dazu: "Mithilfe einer zusätzlichen Erweiterung sind die für den Verbindungsaufbau benötigten Telefonie-Anbieter in der Lage, eine Spam-Anruf-Prognose für anstehende Gespräche abzugeben, ohne dass es zu einer merklichen Verzögerung im Gesprächsaufbau kommt. Eine zweite Erweiterung ermöglicht es den Angerufenen zudem, Kosten für eingehende Gespräche anzufordern. Diese dienen der Abwehr unerwünschter Telefonate, da so zusätzliche Kosten für den Anrufer entstehen. Aktuell wird untersucht, wie sich anhand der angeforderten Kostenbeträge und der darauf folgenden Reaktionen der Anrufer ein Bild über die Seriosität des Anliegens gewinnen lässt. Dieses kann im Anschluss für zukünftige Gespräche für die Spam-Anruf-Erkennung weitergenutzt werden."
Darüber hinaus forschen die Mitarbeiter zur Zeit an einer besseren Nachweisbarkeit eingehender Telefonanrufe und einer weiter entwickelten Identitätsprüfung der Nutzer, beispielsweise durch den Einsatz von SmartCards. Damit ein massenhafter Einsatz der neuen Software gewährleistet ist, haben die Entwickler darauf geachtet, dass diese von unterschiedlichen Anbietern eingesetzt und angeboten werden kann. Die Anwendung ist nach Angaben in der Pressemitteilung schnell und einfach: "Um diese Funktionalität anzubieten, müssen Anbieter und Kunden lediglich ein Update der Software ihrer VoIP-Geräte (Telefone, Server) vornehmen; der Umtausch von Hardware ist nicht notwendig. Darüber hinaus sind die Erkenntnisse der Arbeit auch für alle kleineren Unternehmen interessant, die sich in naher Zukunft mit VoIP beschäftigen oder bereits die eigenen Telefonanlagen umstellen lassen."
Fazit:
In der Zukunft werden sehr viele herkömmliche Telefon-Anschlüsse nicht mehr wie bisher über normale Telefonkabel, sondern über die Breitband-Internetverbindung angeschlossen sein. Je stärker die Nutzung des neuen Systems desto interessanter wird es für unverlangte Werbung und Spam-Anrufe. Damit dieses Ärgernis frühzeitig in den Griff bekommen wird, ist die Potsdamer Software ein erster wichtiger Schritt.
Autor: Philipp Otto
Rechtsberatung Spam und unerlaubte Werbung: Rechtsanwalt Sören Siebert
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