Seit acht Jahren haben alle Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) über den Springer-Verlag Zugriff auf weit über 1000 wissenschaftliche Zeitschriften. Nach einer internen Auswertung der Nutzungsstatistiken auch im Vergleich zu anderen Verlagen, hat die renommierte Gesellschaft festgestellt, dass im Rahmen der bisherigen vertraglichen Vereinbarungen etwa das Doppelte des Preises für dieses Angebot gezahlt werden musste, als für die Forscher akzeptabel sei.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen hat die Max-Planck-Gesellschaft den Lizenzvertrag nun gekündigt. Von der Kündigung nicht betroffen ist die Möglichkeit ältere Jahrgänge von Zeitschriften zu nutzen, da die Nutzungsrechte 1997 dauerhaft erworben wurden. Die Wissenschaftler und Forscher der Gesellschaft können ihre Recherchen nun nicht mehr mit der Oberfläche "SpringerLink" nutzen. Unklar ist bislang, wie ein Zugriff auf die notwendigen aktuellen Inhalte von Wissenschaftszeitschriften sicher gestellt w erden kann. Nach Informationen aus der MPG wird derzeit aber intensiv an einer Strategie gearbeitet.
Gegen die Preispolitik der global agierenden Wissenschaftsverlage haben sich Institute und Forschungseinrichtungen zu einem Interessenbündnis zusammengeschlossen. Nahezu 250 wissenschaftliche Einrichtungen haben bislang die "Berlin Declaration on Open Access to Knowledge in the Scienes and the Humanities" unterzeichnet. Darin heißt es: "Our mission of disseminating knowledge is only half complete if the information is not made widely and readily available to society. New possibilities of knowledge dissemination not only through the classical form but also and increasingly through the open access paradigm via the Internet have to be supported. We define open access as a comprehensive source of human knowledge and cultural heritage that has been approved by the scientific community. In order to realize the vision of a global and accessible representation of knowledge, the future Web has to be sustainable, interactive, and transparent. Content and software tools must be openly accessible and compatible."
Kernforderung ist der freie Zugang zu veröffentlichten Forschungsergebnissen und Publikationen, die in vielen Fällen staatlich gefördert wurden und somit Teil des öffentlichen Wissens sind, für das Verlage nicht nochmal Geld verlangen dürfen. Diese Modell ist Teil der so genannten "Open Access" - Bewegung.
Fazit:
Die Kündigung des Lizenzvertrages mit Springer durch eine der weltweit wichtigsten und anerkanntesten Wissenschaftseinrichtungen hat ein gewaltiges Echo ausgelöst. Durch die Kündigung kommt das Problem der freien Verfügbarkeit und dem einfachen und kostengünstigen Zugang zu Ergebnissen der Wissenschaft wieder neu auf den Tisch.
Autor: Philipp Otto
Rechtsberatung Lizenzrecht und Internetrecht: Rechtsanwalt Sören Siebert
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