Mit einer bizarren wie genialen Idee versucht das Onlinenetzwerk MySpace aus einem Problem nun Geld zu machen. Statt wie bisher urheberrechtlich geschützte Videos, die Nutzer ähnlich wie bei Youtube hochladen und in ihre Profile einbinden können, zu löschen, will die Tochterfirma des Medienriesen „News Corporation“ in diese nun Werbung einfügen.
Möglich macht dies eine Software des kalifornischen Unternehmens Audite. Diese funktioniert ähnlich wie ein Filter, der das von Nutzern hochgeladene Material scannt und mit Referenzdaten aus einer Datenbank abgleicht. Handelt es sich dabei um ein urheberrechtlich geschütztes Werk, so wird dies von der Software automatisch erkannt und mit transparenter Werbung im unteren Drittel des Videos versehen. Rund 1,2 Milliarden Minuten Film und Fernsehen wurden laut Angaben des Herstellers hierfür ausgewertet und in digitale Signaturen umgewandelt. Das macht aus Raubkopien kleine Goldgruben.
Für Jeff Berman, Präsident für Verkauf und Marketing bei MySpace, ändert das sogleich die Spielregeln und ist begeistert: „Wir gehen weg von der Welt des 'Neins' in eine Welt der Jas’." sagte Berman und scheint zu hoffen, das Rechteinhaber auf diese Weise nicht mehr nur die Löschung der rechtswidrigen Inhalte fordern, sondern diese tolerieren, verdienen sie doch am Ende schließlich selbst mit. So sollen laut dem Bereicht des Wirtschaftsmagazins „Wall Street Journal“ sämtliche Einnahmen zwischen Rechteinhabern und MySpace aufgeteilt werden. Vielleicht sieht Jeff Berman darin auch endlich den Weg, dass Rechteinhaber das Internet und seine zahlreichen Angebote mit ihren nutzergenerierten Inhalten, nicht mehr nur als Gefahr für ihre geschützten Werke sehen würden, sondern dieses endlich als einen weiteren, lukrativen Vertriebskanal akzeptieren würden, den es zu Nutzen gelte.
Fazit:
Es fragt sich, ob die Rechteinhaber dies genauso sehen und auf diese neue Art der Vermarktung eingehen werden. Bisher waren besonders die Musik- und Filmindustrie im Web eher zögerlich unterwegs und klammerten sich, trotz wachsender Online-Angebote, lieber an altbewährte Vertriebskanäle. Doch könnte gerade diese Art von Werbung dazu beitragen, dass Plattformen wie MySpace und Youtube weiterhin von einer medialen Vielfalt profitieren, ohne dabei einen rechtlichen Spagat eingehen zu müssen.
Autor: Christian Hense
Rechtsberatung Urheberrecht: RA Sören Siebert
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