Die Bayerische Staatsbibliothek in München kooperiert als erste deutsche Bibliothek mit dem Suchmaschinen-Marktführer Google. Mit dem Projekt Google Buchsuche (Google Book Search, früher: Google Print) sollen in nächster Zeit ca. eine Million lizenzfreie Bücher aus den Beständen der Staatsbibliothek gescannt und allen Nutzern kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die digitalisierten Bücher können dann weltweit online im Volltext durchsucht und genutzt werden. Die lizenzfreien Werke in der Bayerischen Staatsbibliothek umfassen die wichtigsten deutschen Literaten der vergangenen Jahrhunderte. Neben vielen weiteren betrifft dies Werke der Gebrüder Grimm (u.a. Grimms Märchen wie Hänsel und Gretel, Aschenputtel oder Frau Holle), von Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Alle Werke sind Teile von historischen oder Spezialsammlungen. Neben der Kooperation mit Bibliotheken arbeitet Google mit Verlagen zusammen, die dem Projekt Bücher zur Verfügung stellen.
Google versucht mit seinem gigantischen Buchprojekt die größte Online-Sammlung von lizenzfreien Werken zu schaffen. Dazu kooperiert der Anbieter mit wichtigen Bibliotheken in aller Welt. Bislang beteiligen sich nach eigenen Angaben die Bibliotheken der University of Michigan, der Harvard University, der Stanford University, der New York Public Library und der Oxford University an Google Book Search. Neu dazu gekommen sind nun die Bibliothek der Universität Complutense in Madrid, die Bibliothek von Barcelona und mit der Bayerischen Staatsbibliothek erstmals auch eine deutsche Einrichtung. Die Bücher werden online und im Volltext angezeigt wenn kein urheberrechtlicher Schutz mehr besteht. Genießen die Werke nach dem Urheberrecht noch Schutz, werden dem Nutzer nach Angaben von Google neben bibliographischen Daten zu Autor, Verlag und Buchtitel bis zu drei kurze Textfragmente des Werkes angezeigt.
Der Google-Konkurrent Microsoft kritisiert das angewendete Verfahren scharf. Kernpunkt der Kritik ist die Praxis von Google Bücher teilweise ohne vorherige Einholung einer Erlaubnis der Rechteinhaber zu digitalisieren. Erst wenn diese Google über die fehlende Erlaubnis informieren, bietet das Unternehmen an, die Bücher wieder aus seinem Projekt zu entfernen (Opt-Out-Verfahren). Microsoft sieht darin eine systematische Verletzung des Urheberrechts. Zudem befürchtet der Konzern Nachteile für sein eigenes Bücher-Suchprojekt.
Fazit:
Die Google-Buchsuche ist ein reizvolles universalistisches Projekt das gedruckte Wissen der Welt zu sammeln und kostenlos verfügbar zu machen. Gleichzeitig baut Google dadurch seine Marktherrschaft im Handel und der Verwaltung von Wissen aus. Es ist zu erwarten dass die urheberrechtlichen Fragen in Zukunft dabei immer weiter in den Vordergrund rücken.
Autor: Philipp Otto
Rechtsberatung Urheberrecht: Rechtsanwalt Sören Siebert
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