Online-Apotheken: Abmahnungen für Verkauf über Amazon

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Lieferung von Arzneimitteln direkt an die Haustür, und das innerhalb einer Stunde – diesen Service bietet Amazon seinen Münchener Prime-Now-Kunden derzeit im Rahmen eines Modellversuchs an. Eine Kampfansage an niedergelassene Apotheker. Einer von ihnen hat nun reagiert: mit Abmahnungen an 40 Amazon-Partner-Apotheken.

Machen Online-Händler Apotheken überflüssig?

Schon das Angebot der Versandhändler in ganz Europa hat die Konkurrenzsituation für deutsche Pharmazeuten drastisch verschärft. Auch über den Online-Riesen Amazon können längst Kopfschmerztabletten, Hustensaft und andere nicht verschreibungspflichtige Medikamente bestellt werden.

Mit dem blitzschnellen Lieferservice Prime Now entfällt nun auch der letzte Vorteil, mit dem Vor-Ort-Apotheken in der bayerischen Hauptstadt bisher noch punkten konnten. Für Dr. Hermann Vogel, Inhaber einer alteingesessenen Apotheke am Nymphenburger Platz, ist das Fass damit zum Überlaufen gebracht. In seinem Auftrag verschickt nun eine Londoner Anwaltskanzlei Abmahnungen an 40 Anbieter von Produkten aus dem Apothekensortiment.

Weitergabe von Informationen über den Gesundheitszustand

Begründet wird das Vorgehen mit den strengen Datenschutzrichtlinien für Patienten: Das Speichern von persönlichen Informationen wie Name und Adresse zusammen mit dem Kauf von Medikamenten birgt besondere Risiken. Leicht lassen sich daraus Rückschlüsse auf gesundheitliche Probleme der Personen ziehen, die keinesfalls an andere weitergegeben werden dürfen. Jeder Apotheker braucht daher das schriftliche Einverständnis seiner Kunden, wenn er deren Käufe in seine Datenbank aufnehmen will.

Die AGB von Amazon dagegen lassen hier jede Menge Spielraum. Sogar mit einer Weitergabe der gespeicherten Daten erklärt sich ein Kunde durch das Kreuz im Bestellvorgang ausdrücklich einverstanden.

Produkte, die in Deutschland nur über Apotheken verkauft werden dürfen, müssen deshalb sofort von der Online-Plattform verschwinden, heißt es in der Abmahnung. Darüber hinaus werden die entsprechenden Händler aufgefordert, eine Unterlassungserklärung abzugeben. Andernfalls werde man gerichtlich gegen die Apotheker vorgehen.

Fazit:

Wer am Geschäft mit Medikamenten mitverdienen will, muss sich auch an die Vorschriften für das Apotheker-Sortiment halten. Mit dieser Forderung will ein Münchner Pharmazeut gegen die wachsende Konkurrenz im Internet vorgehen.
Ein schnelles Einlenken der Marketplace-Händler ist nicht zu erwarten. Bis die Gerichte in dem Fall entschieden haben, dürfte allerdings einige Zeit vergehen.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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