Abmahn-Gefahr: Vorsicht beim Anbieten von Mund- und Nasenschutz

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Während Virologen noch darüber diskutieren, ob einfache Textilmasken die Corona-Pandemie eindämmen können, kursieren im Internet bereits jede Menge Anleitungen zum Selbernähen. Auf Ebay, Etsy und ähnlichen Portalen werden handgefertigte Modelle aus bunten Stoffen zum Kauf angeboten. Findige Abmahner allerdings scheinen hier eine neue Einnahmequelle ausgemacht zu haben.

Strenge Richtlinien für medizinische Ausrüstung

Dabei liegt das Problem nicht grundsätzlich im Anfertigen und Weitergeben der Do-it-Yourself-Produkte. Problematisch allerdings wird es, wenn die Tücher als „Mundschutzmaske“ oder „Atemschutzmaske“ angeboten werden. Artikel mit dieser Bezeichnung fallen nämlich formaljuristisch unter das Medizinproduktegesetz. Das MPG umfasst mehrere Hunderttausend Produkte, die bestimmte Standards erfüllen müssen. Es umfasst Instrumente und Software, aber auch Schutzkleidung für medizinisches Personal. Bevor sie in den Vertrieb gelangen, werden die Artikel gründlich geprüft und in Risikoklassen eingeteilt. Für Mund-Nasen-Schutz muss unter anderem nachgewiesen sein, dass er die Übertragung infektiöser Tröpfchen reduziert.

Irreführung durch falsche Bezeichnung

Mit dem Medizinproduktegesetz soll sichergestellt werden, dass Ärzte und Kliniken sich auf die Funktion ihrer Ausrüstung verlassen können. Streng genommen wird mit dem Vertrieb von selbst gebasteltem und nicht geprüftem „Mund-Nasen-Schutz“ falsche Sicherheit vorgetäuscht. Darüber hinaus handelt es sich formaljuristisch bei einem derartigen Angebot um eine Irreführung. Denn die Bezeichnung suggeriert, dass es sich um ein Medizinprodukt handelt. Doch den Anforderungen an derartige Artikel wird eine einfache Stoffmaske nicht gerecht.

Bundesinstitut für Arzneimittel reagiert

Trotzdem kann das Bedecken von Mund und Nase durch Schals oder selbst genähte Masken sinnvoll sein. Das macht nun das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit einer aktuellen Veröffentlichung deutlich. Um den Unterschied zu medizinischen Produkten aufzuzeigen, spricht die Behörde von “Community-Masken“, „DIY-Masken“ oder „Behelfs-Mund-Nasen-Masken“. Zwar sei bei derartigen Produkten in der Regel keine Schutzwirkung nachgewiesen. Trotzdem erfüllten die Tücher gleich zwei Funktionen: Zum einen könne der Tröpfchenauswurf reduziert werden. Darüber hinaus unterstützte das Tragen aber auch das grundsätzliche Bewusstsein für Social-Distancing und einen Achtsamen Umgang mit sich selbst und andere.

Praxis-Tipps

1. Verwenden Sie bei Vertrieb von Gesichtsmasken keine Begriffe wie „Mundschutz“ oder „Atemschutz“, die eine medizinische Funktion nahelegen.
2. Nutzen sie die vom BfArM genannten Bezeichnungen „Community-Maske“, „DIY-Maske“ oder „Behelfs-Mund-Nasen-Maske“.
3. Machen Sie keine falschen Versprechen in der Artikelbeschreibung. Eine Schutzwirkung vor Corona oder Covid-19 kann bei den selbst genähten Masken nicht erwartet werden.

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Kommentare  
Wolfgang Schaffers
0 # Wolfgang Schaffers 23.04.2020, 08:25 Uhr
Guten Morgen Zusammen,
ich habe nicht ganz verstanden, warum im Artikel als alternative Bezeichnung immer der Begriff "Maske" verwendet wird.
Warum verwenden Sie nicht den Begriff "Bedeckung", für die selbst hergestellten, ungeprüften "Community-Masken" bzw. "Community-Bedeckungen", "DIY-Bedeckungen"? Wenn die Anbieter von diesen Bedeckungen dies machen würden, dann gäbe es keine Möglichkeit für Abmahner!
MfG
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