Arbeitsrecht: Fristlose Kündigung wegen Missbrauch von Kundendaten

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Er wollte nur einem betreuten Unternehmen die möglichen Folgen einer Sicherheitslücke demonstrieren. Und zwar ganz praktisch. Deshalb las ein SAP-Berater die Daten ahnungsloser Kunden aus. Auf ihre Kosten bestellte er Kopfschmerztabletten und ließ sie an die Vorstände der Firma schicken. Das Arbeitsgericht Siegburg sah darin eine schwere Pflichtverletzung, die jede weitere Zusammenarbeit unmöglich macht.

Schwerbehinderter Arbeitnehmer klagt gegen Kündigung

Als erfahrener Senior-Entwickler mit einem Brutto-Gehalt von über 8000 Euro hatte der 63-Jährige offenbar mehr Einsicht von der betreuten Firma erwartet. Mehrfach hatte er dazu aufgefordert, eine bestehende Sicherheitslücke zu schließen. Vergeblich. Nun wollte der Berater an oberster Stelle zeigen, wie der Bug ausgenutzt werden könne. Dazu speicherte er vor Ort Namen, Adressen und Bankdaten zweier Firmenkunden auf einen privaten USB-Stick. Dank der unzureichenden Sicherheitsmaßnahmen ein Kinderspiel, wie er betonte.

„Mangelnder Datenschutz führt zu Kopfschmerzen“

Vom Rechner eines Spielcasinos aus gab er dann eine Bestellung auf. Angeblicher Auftraggeber: die ahnungslosen Inhaber der kopierten Datensätze. Von deren Konto ließ er per Lastschrift auch den Kaufpreis abbuchen. Empfänger der Sendung waren zwei Vorstände des Unternehmens, das seiner Meinung nach zu wenig in die IT-Sicherheit investierte. Zum besseren Verständnis ließ er ihnen im Lauf der Bestellung auch eine eindeutige Mitteilung zukommen: Wer beim Datenschutz spare, könne später noch heftige Kopfschmerzen bekommen.

„Effektivste Handlungsoption“

Nachdem er seinem Arbeitgeber von den Vorfällen erzählt hatte, sprach der eine fristlose Kündigung aus. Doch der SAP-Berater klagte auf Weiterbeschäftigung. Vor dem Arbeitsgericht Siegburg (Az. 3 Ca 1793/19) verteidigte er sein Vorgehen. Nur so habe er den Verantwortlichen das Ausmaß der vorhandenen Sicherheitslücke vor Augen führen können. Für ihn spräche auch, dass er seine Taten selbst offengelegt habe. Im Übrigen bestehe keine Wiederholungsgefahr.

Vertrauensverhältnis zerstört

Doch das Arbeitsgericht Siegburg sah die fristlose Kündigung als begründet an. Für den Arbeitgeber sei eine weitere Zusammenarbeit mit dem Berater nicht zumutbar. Der habe hochsensible Kundendaten missbraucht und vorhandene Sicherheitsprobleme ausgenutzt. Als Folge sei die Kundenbeziehung zu dem Unternehmen massiv gefährdet. Angesichts einer derart schweren Pflichtverletzung gegenüber dem eigenen Arbeitgeber habe der auch keine vorherige Abmahnung aussprechen müssen.

Fazit

Die Frage der Wiederholungsgefahr stellte sich für das Gericht gar nicht. Mit seiner Aktion habe der Mann gezeigt, dass er bereit sei, offenkundige Grenzen zulässigen Handelns zu überschreiten. Sein künftiges Verhalten sei damit grundsätzlich nicht kalkulierbar. Ob eine konkrete Wiederholungsgefahr bestehe, spiele daher keine Rolle.

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