Arbeitsrecht: Dürfen Arbeitnehmer mit Testbewerbungen Altersdiskriminierungen aufdecken?

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Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verbietet es Arbeitgebern Angestellte bzw. Bewerber wegen des Alters zu diskriminieren. Doch darf ein Bewerber auch Maßnahmen ergreifen, um solche Diskriminierungen aufzudecken? Diese Frage hat das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein beantwortet.

Bewerber verschickt Testbewerbung an Arbeitgeberin um Diskriminierung aufzudecken

Der Fall ist auf eine Idee eines 50-jährigen Bewerbers zurückzuführen, welcher sich auf die Stelle eines Servicetechnikers im Innendienst bewarb. Die Stellenausschreibung verlangte jedoch von Bewerbern Praxiserfahrungen. Diese lagen bei ihm allerdings schon mehrere Jahre zurück. Er ging daher davon aus, dass die Arbeitgeberin einen anderen Bewerber auswählen würde. Aus diesem Grund schickte er noch eine weitere Bewerbung ab. Bei dieser handelte es sich jedoch um die einer ausgedachten 18-jährigen Person, welche über ähnliche Kenntnisse verfügte. Die Praxiserfahrungen waren jedoch wesentlich aktueller und spezieller als die des 50-Jährigen.  In der Folgezeit lud die Arbeitgeberin den jüngeren fiktiven Bewerber ein. Dieser bzw. der spätere Kläger sagte aber sofort ab. Einige Zeit später erhielt der Kläger zudem eine Absage auf seine Bewerbung. Hierin sah der Mann eine Altersdiskriminierung und zog gegen die Arbeitgeberin vor Gericht. Er verlangte eine Entschädigungszahlung in Höhe von 10.500 Euro. Das Arbeitsgericht sprach dem Betroffenen 2.000 Euro zu. Daraufhin gingen sowohl der Bewerber als auch die Arbeitgeberin in Berufung. Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein musste sich im April mit dem Fall befassen.

Gericht: Testbewerbungen sind grundsätzlich zulässig

Das Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein (Urteil vom 09. April 2014, Az. 3 Sa 401/13) entschied zugunsten der Arbeitgeberin. Zunächst stellte das Gericht klar, dass fingierte Bewerbungen zur Aufdeckung von Altersdiskriminierungen grundsätzlich zulässig sind. Dies ergibt sich den Richter folgend aus der Gesetzesbegründung zum AGG. Erforderlich ist dabei aber, dass ein Anlass für das Testverfahren besteht und die Testbewerbung nicht gegen geltende Strafgesetze verstößt und nicht rechtsmissbräuchlich ist.

Dennoch stufte das Landesarbeitsgericht die vorliegende Testbewerbung als unzulässig ein. Vorliegend bestanden in Form der Angabe bezüglich der Praxiserfahrung erhebliche Unterschiede zwischen den beiden Bewerbungen. Der 50-jährige Bewerber konnte daher nicht davon ausgehen, dass er aufgrund seines Alters nicht zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurde. So enthielt die Bewerbung der jüngeren Person bessere Qualifikationen. In diesem Zusammenhang ist es Arbeitgebern gestattet ihre Auswahlentscheidung auf Kriterien zu stützen, welche im Arbeitsleben von Bedeutung sind. Hierzu gehört auch entsprechende Praxiserfahrung. Die Arbeitgeberin musst daher keine Entschädigung an den Bewerber zahlen.    

Fazit:

Testbewerbungen sind grundsätzlich zulässig, wenn sie auf einen bestimmten Auslöser zurückzuführen sind und nicht gegen geltende Strafgesetze verstoßen bzw. nicht rechtsmissbräuchlich sind. Das Landesarbeitsgericht hat die Revision im vorliegenden Fall nicht zugelassen.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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