Die Versicherungsdetektive: Müssen sich Arbeitnehmer ohne Einwilligung für eine TV Sendung filmen lassen?

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

 

Das Allgemeine Persönlichkeitsrecht verbietet es, Filmaufnahmen von einer Person anzufertigen und zu veröffentlichen, wenn diese hierin nicht eingewilligt hat. Doch gilt dieser Grundsatz auch für Arbeitnehmer? Das Amtsgericht Köln hat sich zu dieser Frage geäußert.

Arbeitnehmer wird am Arbeitsplatz gefilmt

Ausgangspunkt der gerichtlichen Auseinandersetzung waren die Dreharbeiten zur Sendung „Die Versicherungsdetektive“. In der Sendung versuchen Versicherungsdetektive Versicherungsbetrüge aufzudecken und konfrontieren in diesem Zusammenhang die Beteiligten. Für eine der Sendungen suchte ein Kamerateam einen Betrieb auf. Hiervon wurden sowohl der Arbeitgeber als auch der Arbeitnehmer, welcher der Versicherungsnehmer war, überrascht. Der Arbeitgeber genehmigt daraufhin die Filmaufnahmen nicht.

Auch der Angestellte willigte in die Aufnahmen und deren Veröffentlichung nicht ein. Daher unterschrieb er auch den Vertrag zur Mitwirkung an der Fernsehsendung nicht. In der Folgezeit musste der Betroffene jedoch feststellen, dass die Sendung dennoch im Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Aufnahmen enthielten dabei Szenen aus der Umkleidekabine im Betrieb, wobei der Arbeitnehmer mit vollen Namen genannt wurde. Er verklagte den Fernsehsender daher auf Schadensersatz und argumentierte, er sei in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt. Das Amtsgericht Köln musste entscheiden.

Fernsehsender muss an Angestellten 1.500 Euro zahlen

Das Amtsgericht Köln (Urteil vom 06. Mai 2013, Az. 142 C 227/12) sprach dem Angestellten einen Schadensersatz in Höhe von 1.500 Euro zu. Der Betroffene ist durch die Aufnahmen und deren Veröffentlichung in seinem Recht am eigenen Bild verletzt. Der Richter stellte klar, dass Filmaufnahmen nur dann angefertigt und veröffentlicht werden dürfen, wenn die hierin gezeigte Person vorher eingewilligt hat. Der Versicherungsnehmer hat jedoch vorliegend eindeutig zu Ausdruck gebracht, dass er keine Filmaufnahmen wünscht. Somit wurde er durch die Veröffentlichung in seinen Rechten verletzt. Der Betragt in Höhe von 1.500 Euro rechtfertigt sich dem Amtsgericht folgend daraus, dass der Betroffene zum einen überrascht wurde und zum anderen daraus, dass das Kamerateam in einem intimen Bereich (den Umkleidekabinen) filmte. Zudem argumentierte der Richter, dass die Sendung über die Enthüllung von Versicherungsbetrügen hinaus die Bloßstellung des Betroffenen verfolgte. Daher sind die Aufnahmen, die auch den vollen Namen des Versicherungsnehmers nannten, geeignet gewesen, das Ansehen der gezeigte Person zu schädigen.

Fazit:

Das Allgemeine Persönlichkeitsrecht schützt Betroffenen u.a. vor ungewollten Veröffentlichungen von Filmaufnahmen. Daher dürfen Personen grundsätzlich nur dann gefilmt werden, wenn diese vorher eingewilligt haben.

 

Praxis-Tipp
Für mehr Informationen nehmen Sie einfach an unserem kostenlosen Webinar "Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten" teil:

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Arbeitgeberleistungen: Ganz freiwillig geht es nicht Mehr als zwanzig Jahre ununterbrochene Zahlung eines 13. Monatsgehalts waren einem Arbeitgeber im Jahr 2008 genug. Er stellte die Leistung ein. Sehr zum Ärger...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Ist die Videoüberwachung von Arbeitnehmern erlaubt? Immer wieder sind Videoüberwachungen von Arbeitnehmern Gegenstand von gerichtlichen Streitigkeiten. Dabei stellt sich die Frage, ob der Arbeitgeber hierzu ber...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Detektiveinsatz ohne Straftatverdacht Wenn Arbeitgeber Diebstähle durch ihre Beschäftigten vermuten, installieren sie gerne Kameras oder greifen zu anderen Überwachungsmaßnahmen. Auf ähnliche Weise ...
Weiterlesen...
Datenschutz im Job: Ist die Totalüberwachung im Firmenfahrzeug erlaubt? Datenschutz spielt nicht nur im Internet eine wichtige Rolle. Auch Autos sammeln dank moderner Technik mehr und mehr persönliche Daten über das Fahrverhalten. E...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Dürfen Beamte nebenbei einen Erotik-Chat betreiben? Nebentätigkeiten neben der eigentlichen Arbeit sind oft ein Problem. Nun musste sich das Verwaltungsgericht Aachen fragen, ob ein Dienstherr zwei Beamten den ...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

Im Themenfeld Arbeitsrecht hat sich in den letzten Jahren auch durch das Internet einiges geändert. Neue Fragen wurden aufgeworfen, die es ohne die Internet-Technologie nicht gab. Das Arbeitsrecht befasst sich mit den Rechten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen.

Typische Fragestellungen im Arbeitsrecht (Quelle: www.perwiss.de) in Bezug auf die neuen Medien sind bspw.: Wie das Internet am Arbeitsplatz genutzt werden darf oder in welcher Form eine Kündigung im Internetzeitalter zu erfolgen hat. Vor allem die Fragen, wer dafür haftet, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Dienst-Computer illegale Software installiert hat oder im Internet nicht im Sinne des Unternehmes aktiv ist, sind für alle Beteiligten eines Arbeitsverhältnisses von Bedeutung.

Informieren und Vorbeugen (durch Transparenz und klare Regeln) sind bei den rechtlichen Fragestellungen rund um das Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse in Unternehmen oberstes Gebot.

Lesen Sie im Spezial Personalwesen alle wichtigen Informationen über ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, die Personalbeschaffung per Headhunter sowie die Problematiken in Mitarbeitergesprächen und Hinweise zu Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern.

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details