Stellenanzeige: „Junior-Consultant“ ist keine Diskriminierung

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Seit Inkrafttreten des Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetzes (AGG), auch Antidiskriminierungsgesetz genannt, müssen sich die Arbeitsgerichte immer wieder mit Stellenausschreibungen befassen, ob diese Bewerber diskriminieren. Denn dann steht den Betroffenen ein Anspruch auf Schadensersatz zu. Vor Gericht ist die Formulierung der Inserate bei der Bewertung der rechtlichen Zulässigkeit von entscheidender Bedeutung.

Arbeitsgericht: Keine Diskriminierung

Das verdeutlicht ein Fall, der von dem Landesarbeitsgericht (LArbG) Rheinland-Pfalz entschieden wurde. Ein Personalberatungsunternehmen suchte in einer Online-Stellenanzeige einen „Junior Consultant für den Bereich Executive Search/Personalberatung“. Zudem enthielt das Inserat folgenden Hinweis: „Das erwartet Sie: […] in einem professionellen Umfeld mit einem jungen dynamischen Team.“

Ein Kandidat, der sich erfolglos per E-Mail beworben hatte, verklagte die Personalberatung wegen Altersdiskriminierung auf Schadensersatz in Höhe von mindestens 16.000 Euro gemäß § 15 AGG. Nachdem das Arbeitsgericht Mainz der Klage des Bewerbers stattgegeben hatte, legte das Unternehmen Berufung ein – mit Erfolg.

Anders als die Vorinstanz verneinte das LArbG einen Verstoß gegen das Benachteiligungsverbot gemäß § 7 AGG. Die im Inserat verwendeten Formulierungen bewerteten die Richter nicht als Altersdiskriminierung. Denn ihrer Ansicht nach bezogen sie sich nicht auf das Alter, sondern erkennbar auf die fehlende Berufserfahrung. Fehlende Berufserfahrung ist kein Kriterium, aus dem man ohne Weiteres darauf schließen kann, dass allein Bewerber mit gar keiner oder wenig Berufserfahrung gesucht wurden. Auch Quereinsteiger könnten damit angesprochen sein, die auch älteren Alters sein können, führte die Kammer aus.

Der in der Stellenausschreibung verwendete Begriff „Junior“ bedeutet zwar auf Englisch auch „jung“. Allerdings wird er von Firmen hauptsächlich als Beschreibung für eine Stellung in einer betrieblichen Hierarchie verwendet. Das hatte beispielsweise auch das LArbG Brandenburg entschieden (LArbG Brandenburg, Urteil v. 21.07.2011, Az.: 5 Sa 847/11). Laut dem LArbG Mainz war die Formulierung „junges, dynamisches Team“ ebenfalls nicht zu beanstanden. Die Bezeichnung sei nicht auf das Alter der Teammitglieder bezogen, sondern könnte auch so verstanden werden, dass sich das Team erst vor kurzer Zeit zusammengefunden hat.

Da die Stellenanzeige also keine Indizien für eine Altersdiskriminierung enthielt und damit auch die Voraussetzungen von § 15 AGG nicht erfüllt waren, gaben die Richter der Berufung der Personalberatung statt. (LArbG Rheinland-Pfalz, Urteil v. 10.02.2014, Az.: 3 Sa 27/13).

anwalt.de-Tipp: In der Arbeitsweit bezeichnet man als „Junior Consultant“ üblicherweise einen Unternehmensberater mit etwa drei Jahren Berufserfahrung. Ab etwa fünf Jahren Berufserfahrung wird dieser dann „Senior Consultant“ genannt.

Lesen Sie mehr Rechtstipps auf www.anwalt.de zum Arbeitsrecht.

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