Facebook-Chat: Fristlose Kündigung eines Arbeitnehmers wegen anzüglicher Postings

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Abfällige Äußerungen in sozialen Medien über Arbeitgeber und Kollegen können die Kündigung rechtfertigen. Das ist vielen durch zahlreiche Fälle bekannt. Allerdings kann auch ein privates Fehlverhalten auf Facebook zur Entlassung führen. Bei erheblicher Belastung für das Arbeitsverhältnis ist sogar die außerordentliche Kündigung möglich.

Mann belästigt Mädchen auf Facebook

Auslöser für eine solche Kündigung eines Mannes war ein Facebook-Chat. Ende 2012 fragte ihn ein Mädchen im sozialen Netzwerk, wer er sei. Seine Gegenfrage, warum und wer sie sei, beantwortete sie damit, dass er sie mittels Facebook angefragt habe. Sein folgender Chat Post lautete:

„Was denken Mädels, wenn sie arschgef...t werden?“

In ihrem Profil hatte die Facebook-Nutzerin 1997 als Geburtsjahr angegeben, tatsächlich war sie erst im Jahr 2000 geboren. Das damals somit erst zwölf Jahre alte Mädchen antwortete: „Meine Tante B. wird mit dir darüber reden!“.

Noch im Chat stritt der Mann seine vorherigen Worte ab. Nachdem das Mädchen nicht reagierte, stellte er die Frage „Wer bist du und wie alt bist du?“ Auch dies blieb unbeantwortet, worauf unter anderem die Aussagen: „Ich habe nur Probleme“, und: „Wie auch immer, man spielt mir übel mit, nichts desto trotz freue ich mich über erotische Geschichten und bin meinem Hund entsprechend flexibel. Gib mir Feedback, als freundlich arschliebendes Wesen …“.

Anzeige

Strafbares Cyber-Grooming

Eine solche Ansprache Minderjähriger in Chats, Foren und sozialen Netzwerken zur Herstellung sexueller Kontakte wird als Cyber-Grooming bezeichnet. Ist das Opfer ein Kind, also eine Person unter 14 Jahren, ist dies bereits seit 2004 nach § 176 Abs. 4 Nr. 3 StGB strafbar. Nach Anzeige der Tat erhielt der Mann später einen entsprechenden Strafbefehl. Schon vorher – keine drei Wochen nach dem Facebook-Chat und unter Einhaltung der hierfür notwendigen Frist von zwei Wochen nach Kenntniserlangung der für die Kündigung maßgebenden Tatsachen – erhielt der Mann die fristlose Kündigung.

Nichte einer Arbeitskollegin

Der für eine städtische Kulturhalle zuständige Hausmeister hatte ausgerechnet die minderjährige Nichte seiner Arbeitskollegin belästigt. Das Mädchen hatte seine Tante umgehend informiert. Diese teilte den Vorfall wiederum der gemeinsamen Arbeitgeberin mit. Drei Tage darauf hörte der dort bestehende Personalrat den Beschäftigten an. Dabei äußerte er sich mehrdeutig zum Vorwurf. Anfängliche Behauptungen, jemand anderes habe seinen Facebook-Account gehackt, ließen sich später nicht bestätigen.

Auswirkungen auf den Betrieb

Dem Landesarbeitsgericht (LAG) Hessen zufolge kann ein privates Fehlverhalten zu einer arbeitsvertraglichen Pflichtverletzung führen. Und zwar dann, wenn es sich auf den betrieblichen Bereich auswirkt und dort zu Störungen führt. Verwandtschaftliche Beziehungen zwischen dem Opfer des gekündigten Arbeitnehmers und einem Kollegen reichen bereits aus. Hier hatte die Tante des Mädchens zudem eine weitere Zusammenarbeit mit dem Mann ausgeschlossen. Hinzu kam der mögliche Kontakt des Mannes mit Kindern und Jugendlichen über die Umkleidekabinen in der Stadthalle. Dem gegenüber standen die erheblichen Beleidigungen des Mannes. Dessen Interesse am Erhalt seines Arbeitsplatzes überwogen daher am Ende die Interessen der Arbeitgeberin an der sofortigen Kündigung, die das LAG daher als gerechtfertigt ansah. Die Revision wurde nicht zugelassen. (LAG Hessen, Urteil v. 21.02.2014, Az.: 14 Sa 609/13)

 

Lesen Sie mehr Rechtstipps zum Thema Kündigung wegen Facebook: 

Äußerungen von Arbeitnehmern über den Arbeitgeber in sozialen Netzwerken gefährlich

Kandidat für den Betriebsrat: Keine Kündigung trotz geschäftsschädigenden Videos!

Keine fristlose Kündigung wegen Meinungsäußerung über den Arbeitgeber auf Facebook und YouTube

 

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Handyverbot am Arbeitsplatz: Geht das so einfach? Auch am Arbeitsplatz wollen die meisten Menschen am besten rund um die Uhr auf dem Smartphone erreichbar sein. Einem Arbeitgeber ging das Treiben seiner Belegsc...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Dürfen Arbeitgeber mittels „Keylogger“ Mitarbeiter überwachen? Um Verstöße gegen den Arbeitsvertrag im Zusammenhang mit der Internetnutzung aufzudecken, setzen manche Arbeitgeber sogenannte „Keylogger“ ein. Die daraus gewon...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Fristlose Kündigung bei Änderung im XING-Profil erlaubt? Posts in sozialen Netzwerken haben schon einige Angestellte den Job gekostet. Doch sind die (fristlosen) Kündigungen eigentlich immer erlaubt? Das Landesarbeits...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Privatnutzung des betrieblichen PCs kann zur Kündigung führen Private Telefonate und E-Mail während der Arbeitszeit sind bei Arbeitgebern nicht erwünscht, Arbeitnehmer müssen unter Umständen mit einer Kündigung rechnen. Ei...
Weiterlesen...
Arbeitsrecht: Wann ist ein Arbeitszeugnis „wohlwollend“? Egal, ob das Arbeitsverhältnis im Guten oder im Schlechten geendet hat: Der ausgeschiedene Arbeitnehmer hat Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Während das ...
Anzeige anwalt.de Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige

Im Themenfeld Arbeitsrecht hat sich in den letzten Jahren auch durch das Internet einiges geändert. Neue Fragen wurden aufgeworfen, die es ohne die Internet-Technologie nicht gab. Das Arbeitsrecht befasst sich mit den Rechten von Arbeitgebern und Arbeitnehmern gleichermaßen.

Typische Fragestellungen im Arbeitsrecht (Quelle: www.perwiss.de) in Bezug auf die neuen Medien sind bspw.: Wie das Internet am Arbeitsplatz genutzt werden darf oder in welcher Form eine Kündigung im Internetzeitalter zu erfolgen hat. Vor allem die Fragen, wer dafür haftet, wenn ein Arbeitnehmer auf dem Dienst-Computer illegale Software installiert hat oder im Internet nicht im Sinne des Unternehmes aktiv ist, sind für alle Beteiligten eines Arbeitsverhältnisses von Bedeutung.

Informieren und Vorbeugen (durch Transparenz und klare Regeln) sind bei den rechtlichen Fragestellungen rund um das Arbeitsrecht und Arbeitsverhältnisse in Unternehmen oberstes Gebot.

Lesen Sie im Spezial Personalwesen alle wichtigen Informationen über ein qualifiziertes Arbeitszeugnis, die Personalbeschaffung per Headhunter sowie die Problematiken in Mitarbeitergesprächen und Hinweise zu Zielvereinbarungen mit den Mitarbeitern.

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support