Neues BGH-Urteil: Bewertungsplattformen treffen strengere Prüfpflichten

(3 Bewertungen, 5.00 von 5)

Bewertungsplattformen im Internet sind Fluch und Segen zugleich. Besonders negative Bewertungen können Händler und Dienstleister erheblich schaden. Der Bundesgerichtshof hat nun entschieden, dass die Plattformen abgegebene Bewertungen genauer prüfen müssen.

Arzt beanstandet ungerechte Bewertung

Der Streit drehte sich um die Bewertungsplattform „Jameda“. Über die Plattform können Nutzer ihre Ärzte anonym bewerten. Sie können in Kategorien wie z.B. „Behandlung“, „Aufklärung“, „Freundlichkeit“ und „Vertrauensverhältnis“ Schulnoten vergeben. Ein Zahnarzt musste feststellen, dass ihn ein Nutzer relativ schlecht bewertet hatte. Als Gesamtnote vergab der User die Note 4,8. In drei Kategorien erhielt der Arzt sogar die Note 6.

Der betroffene Zahnarzt bestritt, den Bewertenden behandelt zu haben. Er wandte sich an die Bewertungsplattform und verlangte die Entfernung der Bewertung. Jameda sandte dem Nutzer die Beanstandung des Zahnarztes zu. Der User antwortet hierauf. Die Bewertungsplattform weigerte sich aber, die Antwort an den Arzt weiterzuleiten und ließ die Bewertung im Portal. Der Zahnarzt klagte. Er forderte, dass Jameda die Bewertung nicht mehr verbreitet. In letzter Instant hat der Bundesgerichtshof den Fall jetzt entschieden.   

BGH: Bewertungsplattformen müssen Bewertungen genauer prüfen

Der Bundesgerichtshof (Urteil vom 1. März 2016, Az. VI ZR 34/15) gab dem Zahnarzt recht. Hierzu stellte das Gericht fest: Das Bewertungsportal hat die Bewertung selbst nicht abgegeben. Allerdings ist Jameda für diese dennoch verantwortlich, da das Portal zumutbare Prüfungspflichten verletzt hat. Bewertungen bergen das gesteigerte Risiko, dass die Persönlichkeitsrechte der Bewerteten verletzt werden.

Verstärkt wird diese Gefahr dadurch, dass die User anonym bleiben können. Das Portal nahm dem Arzt so die Möglichkeit, direkt gegen den bewertenden Nutzer vorzugehen. Die Plattform hätte den Nutzer auffordern müssen, den angeblichen Behandlungskontakt mittels Unterlagen (z.B. Bonusheft, Rezepte etc.) umfassend nachzuweisen. Diese Belege hätte das Portal an den Arzt in anonymisierter Form weiterleiten müssen.

Anzeige

Fazit:

Das Urteil ist auch für andere Bewertungsplattformen von Bedeutung. Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass die Portale die abgegebenen Bewertungen im Fall von Beschwerden genauer prüfen müssen. Nur hierdurch werden die Rechte der Bewerteten gewahrt.

Sie dürfen diesen Beitrag gern verlinken.

Klicken Sie einfach auf das Formularfeld und kopieren Sie sich den Link heraus.

Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Meinungsportale: Müssen anonyme Bewertungen von Ärzten im Netz gelöscht werden? Der Streit um die Zulässigkeit von Bewertungen in Meinungsportalen geht in die nächste Runde: diesmal hatte sich das OLG Frankfurt mit der Frage zu befassen, ob...
Weiterlesen...
Vorsicht Shopbetreiber: Bewertungsanfragen an Kunden können gefährlich sein Kundenzufriedenheit ist für Onlinehändler von großer Bedeutung. Doch dürfen sie ungefragt Zufriedenheitsanfragen versenden, weil der Kunde im Onlineshop eingeka...
Weiterlesen...
Hamburger Schulbehörde vs. „Schulradar“: Gericht vertagt Entscheidung Auf schulradar.de können Eltern und Schüler die Qualität ihrer eigenen Schule bewerten und in verschiedenen Kategorien Einträge hinterlassen. Gestritten wird hi...
Weiterlesen...
eBay: Auktionsplattform startet Test für Produktbewertungen und Rezensionen Was den Verbrauchern bereits auf anderen großen Onlinehandelsplattformen bekannt ist, will nun auch eBay einführen. Ab heute können Käufer Produkte bewerten und...
Weiterlesen...
MeinProf.de - schriftliche Begründung des Urteils liegt vor Wie wir bereits vor kurzem berichtet haben, hatte das LG Berlin (Az.: 27 S 2/07, Urteil vom 31.05.2007) sich mit der Klage eines Professors gegen das Professore...
Kommentare  
Guido
0 # Guido 31.03.2016, 10:29 Uhr
Im Urteil wird als Grund genannt "Persönlichkeitsrechte der Bewerteten". Das bedeutet, das Urteil hat bei Bewertungen von Produkten, Hotels, Ferienwohnungen, Restaurants etc. vermutlich keine Auswirkungen? Primär betrifft es Bewertungsportale zu Ärzten, Lehrern etc. oder?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Eva
0 # Eva 01.04.2016, 00:34 Uhr
Gilt das Urteil über Bewertungsplattformen auch für Google+, wenn dort ein User, der nachweislich nie eine Dienstleistung des bewerteten Dienstleisters in Anspruch genommen hat, diesen willkürlich mit 2 von 5 Sternen (ohne Begründung) bewertet?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.

Sicherheitscode Aktualisieren

Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Live-Webinare mit Rechtsanwalt Siebert

Sie fragen, Rechtsanwalt Siebert antwortet. Aktuelle Themen, umfassend und Schritt für Schritt erklärt: So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Informationen
Support