Gericht: WhatsApp kann Entwicklung von Kindern gefährden

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Ein Smartphone gehört nur dann in die Hände von Minderjährigen, wenn sie sich der Gefahren und Risiken bewusst sind und angemessen reagieren können. Mit diesem Hinweis hat das Amtsgericht Bad Hersfeld dem Vater zweier Mädchen aufgetragen, die Geräte seiner Töchter regelmäßig zu überwachen. WhatsApp dürfen die Jugendlichen erst wieder nutzen, wenn sie 16 bzw. 18 Jahre alt sind.

15-jährige bekommt Sex-Mails über WhatsApp

Spätestens nach der Grundschule haben es fast alle: ein mehr oder weniger modernes Smartphone, mit dem sie im Internet surfen, Pokémon Go und andere Spiele spielen, oder über verschiedene Messenger-Dienste miteinander kommunizieren. Und je älter die Teenager werden, umso weniger Einblick geben sie Papa, Mama und anderen Erwachsenen in ihre Geräte.

So waren die getrennt lebenden Eltern eines 15-jährigen Mädchens entsprechend entsetzt, als die Tochter von sexueller Belästigung durch einen alten Schulfreund des Vaters berichtete. Über WhatsApp hatte der Mann außerdem Nacktfotos von ihr und der kleinen Schwester gefordert. Nachdem das Mädchen Anzeige erstattet hatte, musste das Gericht auch klären, ob das Kindeswohl durch die Erziehung der Eltern gefährdet war.

Erziehungsberechtigte zu regelmäßigen Kontrollen verpflichtet

Zwar reagierten die Eltern auf die Aussagen der Tochter verantwortungsvoll: Sie verboten dem beschuldigten Mann jeglichen Umgang und forderten die Mädchen auf, seinen WhatsApp-Kontakt zu blockieren. Nach Meinung des Gerichts gingen sie damit aber nicht weit genug. Smartphones seien kein einfaches Spielzeug, und die Kommunikation könne Kinder und Jugendliche in ihrer Privatsphäre und ihrer Entwicklung gefährden. Eltern müssten daher immer wieder kontrollieren, ob Jungen und Mädchen in der Lage seien, verantwortungsvoll damit umzugehen.

Der Vater, bei dem die beiden Mädchen überwiegend leben, erhielt vom Gericht die Auflage, WhatsApp und ähnliche Dienste von den Geräten der Kinder zu löschen. Bis sie die Anwendung wieder nutzen dürfen, muss die ältere Tochter bis zu ihrem 18., die jüngere bis zum 16. Geburtstag warten. Vierteljährliche Kontrollen sollen sicherstellen, dass die Smartphones auch wirklich frei von Messenger-Apps bleiben. Einmal im Monat müssen Vater und Töchter außerdem den Umgang mit den installierten Programmen besprechen, so dass problematisches Nutzungsverhalten frühzeitig erkannt werden kann.

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Praxis-Tipp:

Gerade WhatsApp ist eine Anwendung, über die Jugendliche häufig mit Freunden und Klassenkameraden in Kontakt stehen. Ein Löschen dürfte daher beim Nachwuchs auf Protest stoßen.

Umso wichtiger ist es, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, auch und gerade über das bei Eltern oft ungeliebte Smartphone. Dazu müssen Vater und Mutter natürlich auch Interesse an Messengern, Facebook oder Pokémon zeigen.

Wenn Ihr Kind weiß, dass es sich bei Problemen jederzeit vertrauensvoll an Sie wenden kann, sind Verbote oft überflüssig.

Praxis-Tipp
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