Ärzteportale: Freie Meinungsäußerung nur bei nachgewiesener Behandlung

(0 Bewertungen, 0 von 5)

Schon wenige Patientenberichte können das Vertrauen in eine Praxis erhöhen oder infrage stellen. Kein Wunder, dass solche Bewertungen auf einschlägigen Internetseiten immer wieder die Justiz beschäftigen. Das LG Frankenthal ordnete jetzt die Löschung einer vernichtenden Kritik eines Kieferorthopäden an. Für die Richter fehlten jegliche Belege, dass eine medizinische Behandlung überhaupt stattgefunden hatte.

„Meiner Meinung nach ein furchtbarer Mensch“

Der Verfasser oder die Verfasserin hatte ganz bewusst jedes Detail zu Art und Ablauf der Therapie ausgelassen. An schlechten Schulnoten mangelte es dagegen nicht: Behandlung: 6. Aufklärung: 5. Kinderfreundlichkeit: 6. Vertrauensverhältnis: 5. Und um auch wirklich keinen Zweifel zu lassen, hieß es unter anderem im Text: „Ich halte ihn für einen extrem schlechten Arzt, weil ich fand den Umgang mit mir als Patient eine Katastrophe!“

„Möchte Erlebtes nicht im Detail schildern“

Der Arzt forderte das Bewertungsportal auf, den Text wegen Verletzung seines Persönlichkeitsrechts zu löschen. Bei der Webseite leitete man daraufhin zunächst ein Prüfverfahren ein. Der Verfasser der Kritik gab dabei an, über einen Zeitraum von vier Jahren von dem Mediziner behandelt worden zu sein. Als Beleg reichte er eine Abschlussbescheinigung einer kieferorthopädischen Behandlung ein, in der allerdings Name und Datum geschwärzt waren. Weitere Angaben wollte der Verfasser ausdrücklich nicht machen: Tatsachen seien für Patienten im Zweifel nicht beweisbar; deshalb habe er sich auf seine Meinung beschränkt.

LG: Kein Recht auf Meinung über nicht erhaltene Behandlung

Dem Landgericht Frankenthal reichte das nicht. Es betonte, dass zwar die einzelnen Aussagen der Bewertung von der Meinungsfreiheit gedeckt seien. Allerdings fehle es an Hinweisen darauf, dass die Behandlung auch tatsächlich stattgefunden habe. Hier hätte das Ärzteportal weitere Unterlagen einfordern müssen, zum Beispiel Rezepte oder Terminzettel der Praxis. Der vorgelegte geschwärzte Abschlussbericht hingegen könne auch von irgendeinem anderen Patienten stammen. Da die Webseite hier ihrer sekundären Darlegungslast nicht genügt habe, dürfe sie die umstrittene Patientenkritik nicht mehr veröffentlichen.

Fazit

Nicht jede negative Bewertung in Ärzteportalen müssen Mediziner hinnehmen. Das gilt auch dann, wenn die Autoren sich in erster Linie auf ihre Eindrücke, Sorgen und Gefühle bei der Behandlung beschränken. Denn bei Zweifeln an einer Behandlung muss das Portal Unterlagen beim angeblichen Patienten anfordern. Kann oder will der keine Belege seiner Therapie liefern, darf er sich auch nicht im Netz abwertend dazu äußern.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Meinungsportale: Müssen anonyme Bewertungen von Ärzten im Netz gelöscht werden? Der Streit um die Zulässigkeit von Bewertungen in Meinungsportalen geht in die nächste Runde: diesmal hatte sich das OLG Frankfurt mit der Frage zu befassen, ob...
Weiterlesen...
Presserecht: Haben Blogger einen Auskunftsanspruch gegenüber Polizeibehörden? Viele Internetuser informieren sich nicht nur mittels der „klassischen“ Medien über aktuelle Ereignisse, sondern nutzen auch journalistische Blogs. Doch haben B...
Weiterlesen...
Soziale Netzwerke: Exitbutton für Xing, Facebook und Co.? Ein Klick auf den Registrieren-Button und der Internet-User ist in einem Sozialen- oder Business-Netzwerk vollwertiges Mitglied. Doch wie ist es, wenn man seine...
Weiterlesen...
Hotelbewertungen: Haftet „HolidayCheck“ für falsche Bewertungen der Nutzer? Im Internet lassen sich viele Bewertungsportale finden, die sich mit Urlaubsreisen befassen. Für den Nutzer nicht erkennbar ist jedoch, ob die Bewertungen imm...
Weiterlesen...
Landgericht Köln: Werbung stoppen mit Adblock Plus ist legal  Im Internet surfen ohne Werbung – dank kostenloser Filtersoftware wird das auch weiterhin möglich sein. Zum wiederholten Mal ist der Axel-Springer-Verl...
Anzeige DSGVO
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtsschutzversicherungRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support