Manipulationsverdacht: Jameda muss gelöschte Bewertungen nicht wieder herstellen

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Ein Kieler Zahnarzt ist mit seiner Klage gegen ein großes Ärzteportal gescheitert. Nach Darstellung des Mediziners hatte jameda positive Bewertungen für seine Praxis entfernt, nachdem er einen Premium-Account gekündigt hatte. Das Münchner Landgericht sah keine ausreichenden Belege für eine willkürliche Löschung: Das Portal hatte schon früher mehrere Rezensionen des Arztes als Fake eingestuft.

Aus Gesamtnote 1,5 wird 1,6

Als der Zahnmediziner im Januar 2018 sein Premium-Gold-Paket kündigte, fanden sich auf seiner Seite 60 Bewertungen. Innerhalb einer Woche verschwanden davon genau zehn und die Durchschnittsnote sank um 0,1 Punkt. Für den ehemaligen Premium-Nutzer war der Fall klar: Das Portal „bestrafte“ ihn für seine Kündigung mit dem Löschen guter Bewertungen. Vor dem Landgericht München I (Az. 33 O 6880/18) allerdings konnte jameda darlegen, dass positive Rezensionen für die Kieler Praxis auch in der Vergangenheit mehrfach für unglaubwürdig befunden und deshalb gelöscht worden waren.

Grün, gelb, rot – Technologie meldet Verdachtsfälle

Um die Echtheit der Bewertungen zu garantieren, arbeite das Portal zweistufig, so die Vertreter des Ärzteportals. Ein selbst lernender Algorithmus überprüfe immer wieder alle eingestellten Texte anhand bestimmter Merkmale. Welche Kriterien das seien, wolle man nicht offenlegen – sonst könnten die Mediziner, ihre Angestellten oder Familienmitglieder leicht manipulierte Rezensionen einstellen. Als auffällig eingestufte Beurteilungen würden dann noch einmal von Mitarbeitern überprüft, indem sich beispielsweise die Autoren per SMS verifizieren müssten. Die angesprochenen zehn Bewertungen seien gelöscht worden, weil sie der Validitätsprüfung nicht standgehalten hätten, so jameda. Aus dem gleichen Grund habe man bereits in der Vergangenheit mehrfach positive Kritiken für die Praxis entfernen müssen – lange vor der Kündigung des Gold-Pakets.

Hauptbeweislast liegt beim Kläger

Das Gericht sah deshalb keinen kausalen Zusammenhang zwischen Änderung des Account-Status und Löschung der Bewertungen. Um berechtigterweise ein Wiedereinstellen der Texte fordern zu können, hätte der Zahnarzt weitere Belege für deren Echtheit liefern müssen. Anhand der Rezensionen wäre zumindest ein Eingrenzen auf einen bestimmten Patientenkreis möglich gewesen, so die Richter. Ohne derartige Anhaltspunkte müsse man davon ausgehen, dass das Portal lediglich vermeintliche Fake-Bewertungen löschen wollte. Das sei offensichtlich auch während der Premium-Mitgliedschaft mehrmals so geschehen.

Fazit

Eine wirkliche Schädigung des Arztes durch die gelöschten Kritiken sah das Landgericht ohnehin nicht. Auf seinem jameda-Profil waren immerhin noch rund fünfzig Bewertungen abrufbar. Durch das Löschen der beanstandeten Rezensionen war seine Gesamtnote nur geringfügig abgesunken: von 1,5 auf 1,6.

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