Airbnb: Buchungsportal will 7 Millionen Wohnungen prüfen

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Nach einer Schießerei mit fünf Todesopfern in einem Airbnb-Haus in Kalifornien zieht man bei der Wohnungsplattform Konsequenzen. Im Verlauf des kommenden Jahres will Geschäftsführer Brian Chesky sämtliche Angebote genau überprüfen lassen. Diese Ankündigung dürfte bei deutschen Stadtverwaltungen auf Interesse stoßen. Hier kämpft man schon länger dagegen, dass dringend benötigter Wohnraum an Touristen vermietet wird.

Tödliches Halloween-Fest statt Familientreffen

Sogenannte „Partyhäuser“ sollten grundsätzlich von seinem Marktplatz verschwinden, twittert Airbnb-CEO Brian Chesky. Kurz zuvor wurden bei einer Halloween-Feier in einer angemieteten Unterkunft fünf Menschen erschossen. Der Besitzer des kleinen Hauses im kalifornischen Orinda hatte eigentlich jegliche Art von Partys untersagt, ebenso wie das Mitbringen von Waffen, Zigaretten und Marihuana. Die Mieterin jedoch hatte bei der Buchung über Airbnb nur von einem Familientreffen mit zwölf Personen gesprochen. Erst später stellte sich heraus, dass sie stattdessen über die sozialen Medien zu einem großen Halloween-Event eingeladen hatte. Nachbarn beschwerten sich im Lauf des Abends mehrfach über die rund einhundert lärmenden Gäste. Wie genau es schließlich zu den Schüssen kam, ist noch nicht bekannt.

Vertrauensbildende Maßnahmen

In den elf Jahren seit seiner Gründung hat Airbnb 600 Millionen Mitglieder in 191 Ländern gewonnen. Das Prinzip der Vermittlung privater Unterkünfte funktioniere nur durch gegenseitiges Vertrauen, schreibt der Unternehmenschef. Um das wieder herzustellen, sollen 2020 sämtliche sieben Millionen Wohnungen im Angebot überprüft werden. Entsprechen die Fotos und Angaben zur Einrichtung der Wahrheit? Existiert die Unterkunft überhaupt unter der angegebenen Adresse? Und wird sie den Anforderungen von Airbnb hinsichtlich Sauberkeit, Sicherheit und Grundausstattung gerecht? Auf solche und ähnliche Fragen will man eindeutige Antworten. Schon ab Mitte Dezember dieses Jahres sollen sich Mieter auf die neuen Qualitätsstandards berufen können: Entspricht ein gebuchtes Angebot nicht wirklich der Beschreibung, erhalten sie eine andere, mindestens gleichwertige Unterkunft - oder das gezahlte Geld zurück.

Kontrolle von „Hochrisiko-Reservierungen“

Allerdings sind mit der Vertrauensoffensive nicht etwa persönliche Kontrollen in 7 Millionen Zimmern und Wohnungen gemeint. Um die Angaben der Vermieter zu verifizieren, setzt man vor allem auf die Community. Reisende könnten beispielsweise künftig ausführlicher über die vorgefundenen Zimmer befragt werden. Gäste, Vermieter und sogar benachbarte Anwohner sollen außerdem Probleme vor Ort schnell und unkompliziert melden können. Sogenannte „Hochrisiko-Reservierungen“ werden darüber hinaus besonders überwacht. Dazu zählt man beispielsweise die Anmietung einer auffällig großen Unterkunft am Wohnort des Mieters – oft ein Hinweis auf eine geplante Party mit vielen Gästen.

Fazit

In zahlreichen europäischen Städten steht Airbnb aus anderen Gründen im Fokus. Berlin, Paris oder Amsterdam kritisieren, dass dringend benötigte Wohnungen an Internet-Touristen statt an heimische Familien vermietet werden. Immer mehr Städte gehen gegen diese Zweckentfremdung von Wohnraum vor.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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