Cyber-Mobbing: TikTok hat gezielt Minderheiten ausgegrenzt

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Monatelang hat das am schnellsten wachsende soziale Medium die Videos bestimmter Nutzer in ihrer Reichweite eingeschränkt. Moderatoren hatten Anweisung, Beiträge von körperlich oder geistig Behinderten, dicken oder entstellten Menschen besonders zu kennzeichnen. Die Begründung klingt abenteuerlich: TikTok wollte die Menschen vor Mobbing durch andere Teilnehmer schützen.

30 Sekunden für das Erkennen von Opfer-Typen

Gerade bei den jugendlichen Nutzern der App könne Mobbing schwere psychische und körperliche Schäden verursachen. So erklärte die Unternehmensführung laut einer Recherche von Netzpolitik.org die fragwürdige Richtlinie. Aufgabe des Moderationsteams sei es daher, potenzielle Opfer rechtzeitig zu identifizieren. Dabei könnten sowohl körperliche als auch geistige Besonderheiten eine Rolle spielen, heißt es in der Handreichung für Mitarbeiter. Als mögliche Beispiele führt sie auf: eine Behinderung, Autismus, Down-Syndrom, ein leichtes Schielen oder ein Muttermal im Gesicht. Entsprechende Videos hatten Moderatoren mit dem Hinweis „Risk 4“ zu kennzeichnen. Dabei blieben für die Einschätzung eines einzelnen Clips rund 30 Sekunden Zeit.

Keine Reichweite für Dicke, Schwule und Behinderte

Die Einstufung als Risiko-Beitrag hatte deutliche Folgen: Entsprechende Videos wurden Nutzern nur noch in dem Land angezeigt, in dem sie hochgeladen worden waren. In Deutschland sind das beispielsweise etwa dreieinhalb Millionen Menschen, während ein Clip ohne Begrenzung rund eine Milliarde Zuschauer erreichen kann. Auf diese Weise habe man Konflikte vermeiden wollen, so ein TikTok-Sprecher. Kritik am Vorgehen, zum Beispiel von den eigenen Moderatoren, sei nicht beachtet worden.

Inhalt der Videos spielte keine Rolle

Noch härter traf es Profile, die den Vermerk „Auto R“ erhielten. Grund für eine solche Kennzeichnung waren Hinweise in der Biografie eines Accounts: ein Foto mit Regenbogenflagge oder Hashtags wie #Autist oder #LebenmitBehinderung. Videos von „Auto R“-Nutzern landeten ab einer bestimmten Zahl von Views in der Kategorie „nicht weiterempfehlen“. Damit waren sie grundsätzlich ausgeschlossen von den sogenannten „For-You-Feeds“. Solche Videofolgen werden von den TikTok-Algorithmen für jeden Nutzer individuell erstellt und beim Öffnen der App automatisch abgespielt. Wer hier nicht auftaucht, hat keine Chance mehr auf ein großes Publikum.

Fazit

Das „Verstecken“ von Minderheiten zu deren Schutz sei nie als langfristige Politik geplant gewesen, teilte das Unternehmen inzwischen mit. Man habe den Fehler erkannt und wende nun andere Strategien an, um Mobbing zu verhindern. Was genau damit gemeint ist und wann TikTok mit den Maßnahmen begonnen hat, ist unbekannt.

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