Twitter: Diskussion um Umgang mit ungenutzten Accounts

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Mit der Ankündigung einer großen „Aufräumaktion“ hat Jack Dorseys Kommunikationsdienst für Unmut gesorgt. Ab Dezember sollten Konten EU-weit abgeschaltet werden, wenn ihre Besitzer sich länger als sechs Monate nicht eingeloggt hatten. Wenige Stunden später ruderte das Unternehmen zurück. Der Grund: Auch Profile von Verstorbenen wären von den Löschmaßnahmen betroffen gewesen.

Zustimmung zu Datenschutzhinweisen erforderlich

Neu sind die Accountregeln nicht, bisher allerdings wurde auf die Einhaltung keinen Wert gelegt. Das sollte sich jetzt eigentlich ändern. Man wolle auf diese Weise der in Europa geltenden DSGVO gerecht werden, gab Twitter an. Außerdem trage die Löschung inaktiver Accounts dazu bei, den Ruf der Plattform als glaubwürdiges und zuverlässiges Informationsmedium zu verbessern. Allerdings sollten ungenutzte Konten nicht über Nacht verschwinden. Vielmehr würden betroffene Inhaber in den kommenden Tagen per Mail angeschrieben und zum Handeln aufgefordert. Bis spätestens 11. Dezember sollten sie sich einloggen und die jüngsten AGB, Datenschutz- und Cookie-Regelungen bestätigen. Auch künftig sei ein Anmelden alle sechs Monaten Pflicht. Andernfalls könne ein Profil gelöscht und der Nutzername frei gegeben werden.

„Haben diesen Punkt übersehen“

Kritik an der Maßnahme ließ nicht lange auf sich warten. Das lag auch daran, dass Twitter keine eindeutigen Vorgaben zur Nutzer-Aktivität machte. Nach der „Inactive Account Policy“ müssen Nutzer alle sechs Monate aktiv einen Tweet absetzen. Der Support dagegen twitterte, ein einfaches Einloggen sei für den Fortbestand des Kontos ausreichend. Keines von beiden allerdings kommt für die zahlreichen Accounts Verstorbener in Frage. Dass die dort vorhandenen Fotos und Erinnerungen an Freunde und Angehörige verschwinden sollten, stieß in der Community auf Empörung. Das Unternehmen musste zugeben, über diese Fälle nicht nachgedacht zu haben. Während Facebook Profile in einen sogenannten „Gedenkzustand“ versetzen kann, bietet Twitter diese Möglichkeit bisher nicht.

Fazit

Die groß angekündigte Löschaktion für ungenutzte Accounts ist vorerst gestoppt. Twitter hat sich für das zu schnelle Vorpreschen entschuldigt und will noch einmal nacharbeiten. Konkret geht es um eine technische Lösung, mit der die Profile Verstorbener in einer besonderen Form erhalten bleiben können.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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