Twitter-Testlauf: Können User bald nur noch ausgewählte Tweets kommentieren?

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Um Shitstorms und Hassrede im Internet einzudämmen, will der Kurznachrichtendienst Twitter in den kommenden Monaten eine ungewöhnliche Vorgehensweise testen. So können Nutzer eingrenzen, wer auf einen Post antworten darf. Im Extremfall lässt sich die Kommentarfunktion sogar ganz ausschließen.

Gesprächsteilnehmer werden ausgewählt

Vor dem Absenden eines Tweets wird sich bald die Frage stellen: Mit wem will ich eigentlich über dieses Thema diskutieren? Vier Einstellungsoptionen stehen in diesem Zusammenhang zur Wahl: „Global“ bedeutet, dass wie bisher jeder Leser seine Meinung abgeben kann. „Group“ umfasst alle Accounts, denen der Absender folgt. Zusätzlich können hierbei weitere Personen durch Erwähnen zur Diskussion eingeladen werden. Bei der Wahl von „Panel“ muss der Nutzer sämtliche Profile aufführen, die zum Antworten befugt sind. Und wer gar keinen Wert auf die Meinung anderer legt, kann seine Inhalte als „Statement“ versenden. Positive wie negative Kommentare sind in dem Fall ausgeschlossen.

Nie mehr Shitstorm?

Nach einem Testlauf im ersten Vierteljahr soll das Feature bereits Ende 2020 allen Accounts zur Verfügung stehen. Wie Twitter-Managerin Susanne Xie erläutert, reagiert das Unternehmen damit auf die Zunahme an Hassrede und Bedrohungen im Netz: Diese Entwicklung könne für Nutzer nicht gesund sein. Twitters Idee: Wer Diskussionsteilnehmer sorgfältig auswählt, wird sich künftig nur noch selten einem Shitstorm ausgesetzt sehen. Das birgt auch Risiken. Fake News können leichter in geeigneten Zielgruppen verbreitet werden, wenn Zweifel oder Gegendarstellungen in den Kommentaren unmöglich sind. Wer solche „Statements“ dennoch infrage stellen will, kann den entsprechenden Post allerdings immer noch in einen eigenen Tweet einbetten und seine Meinung dazu äußern.

Verbesserung des öffentlichen Dialogs

Auch weitere Aspekte der Twitter-Konversation werden in den kommenden Monaten angepasst. So kann man künftig nicht nur Accounts folgen, sondern auch bestimmten Inhalten. Dabei sollen Algorithmen anhand der Interaktionen von Nutzern erkennen, welche Themen für ein bestimmtes Publikum interessant sein können. Ist ein solches „Topic“ definiert, soll ein eigener Button das Folgen ermöglichen. Im US-Wahljahr 2020 gilt diese Funktion allerdings erst einmal nur für unpolitische Inhalte. Das Risiko von Wählermanipulation will Twitter so gering wie möglich halten.

Fazit

Ob die Neuerungen tatsächlich Mobbing und Hass auf der Plattform einschränken werden, bleibt abzuwarten. Twitter selbst allerdings zieht für das vergangene Jahr eine positive Bilanz, zumindest bei Verstößen gegen die Gemeinschaftsstandards. So würde mittlerweile die Hälfte der zu löschenden Tweets von eigenen Moderatoren entfernt, bevor Nutzer Beschwerde einlegten. Das sei eine deutliche Verbesserung gegenüber 2018.

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