Moderne Hobbies: Zerstörung beim Geocaching – kann Schadensersatz verlangt werden?

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Das neuartige Hobby „Geocaching“ erobert die Republik. Allerdings birgt die Freizeitbeschäftigung auch einige rechtliche Risiken. Das Landgericht Heidelberg hatte sich in diesem Zusammenhang zu fragen, ob der Eigentümer eines Geocaches bei Beschädigung bzw. Zerstörung des Behälters Schadensersatz verlangen kann.

Was ist Geocaching?

Das sog. Geocaching bezeichnet im Grunde nichts anderes als eine moderne Form der Schatzsuche bzw. Schnitzeljagd. An beliebigen Orten können Behälter versteckt werden (sog. Geocaches), deren Koordinaten dann im Internet auf einschlägigen Webseiten veröffentlicht werden, sodass sich Teilnehmer mithilfe eines GPS-Empfängers auf die Suche machen können. Der Behälter enthält ein Logbuch und diverse Tauschgegenstände. Mittlerweile hat sich eine große Geocaching-Community im Internet gebildet, die stetig wächst.

Was war im vorliegenden Fall passiert?

Ein Jäger fand im Wald eines der besagten Geocaches. Er trug daraufhin das Behältnis davon und gab es eine Woche später im Fundbüro zurück – allerdings war die Box zerstört. Er hatte die Kiste abseits des eigentlichen Verstecks gefunden und ging davon aus, dass sie jemand verloren habe. Aufgrund dessen stellte er den Cache am Rand des Hauptwegs ab, um dem Eigentümer das Wiederfinden zu erleichtern. Zwei Tage später stand die Box immer noch an dem Ort, diesmal allerdings aufgebrochen. Daraufhin begab sich der Finder samt Kiste zum Fundbüro.

Der Eigentümer des Geocaches verlangte daraufhin vom Jäger Schadensersatz in Höhe von 1.500 Euro. Problematisch war, dass er nicht nachweisen konnte, dass der Finder den Behälter zerstört hatte. Der Eigentümer trug daher vor, dass der Jäger durch das Abstellen am Wegesrand zumindest die Zerstörung der Kiste zurechenbar versursacht habe. Denn so sei die Kisten schädigenden Zugriffen Dritter schutzlos ausgesetzt gewesen. Da der Jäger nicht einsah zu zahlen, landete der Fall vor dem Amtsgericht Heidelberg.

Das Gericht lehnte das Schadensersatzbegehren des Eigentümers ab. Den Jäger treffe nicht das für Schadensersatz vorausgesetzte Verschulden. Der Eigentümer wandte sich daher an das Landgericht Heidelberg und verfolgte dort sein Begehren weiter. Der Eigentümer des Caches behauptete, dass der Jäger als unredlicher Finder für die zufällige Zerstörung der Box haftet. Zudem sei das Verhalten des Jägers zumindest grob fahrlässig gewesen. Der Eigentümer argumentierte diesbezüglich, dass es sich ihm hätte aufdrängen müssen, dass die Kiste Teil des Geocaching-Spiels gewesen sei. Zudem könne das Abstellen am Hauptwegrand des Waldes als eine Einladung zur Zerstörung der Kiste gewertet werden. Der Jäger hätte die Kiste nach dem Auffinden umgehend in Verwahrung nehmen müssen.

Wie entschied das Landgericht Heidelberg?

Das Landgericht Heidelberg (Urteil vom 04. März 2013, Az.: 5 S 61/12) gab dem Eigentümer Recht, schränkte aber hinsichtlich der Höhe den Schadensersatzanspruch ein. Der Jäger sei aufgrund des Auffindens der Kiste rechtlich gesehen der Finder. Ihn treffen aufgrund dessen bestimmte Pflichten. Dazu gehört u.a. die Pflicht zur Verwahrung der aufgefundenen Kiste. Er hätte daher die Box nicht am Wegesrand abstellen dürfen. Beachtlich ist, dass der Finder nur für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit einzustehen hat. Das Landgericht Heidelberg warf dem Jäger Vorsatz vor. Der Jäger wandte hiergegen ein, dass er nicht gewusst habe, dass er die Kiste hätte in Verwahrung nehmen müssen. Das ließ das Landgericht nicht gelten. Ihn träfe dann hinsichtlich der Verletzung der Verwahrungspflicht immer noch grobe Fahrlässigkeit. Das Gericht argumentierte diesbezüglich, dass es sich ihm hätte aufdrängen müssen, dass er verpflichtet war, die Kiste an sich zu nehmen und vor schädigenden Zugriffen zu schützen. Hinsichtlich der Höhe des Anspruches begrenzte das Gericht diesen auf 1.114, 84 Euro. So habe der Eigentümer der Kiste nicht vollumfänglich dargelegt und bewiesen, was den Wert der Box von 1.500 Euro ausmache.

Fazit:

Das Urteil hat nicht nur Bedeutung für das Auffinden von Geocaches, sondern ist vielmehr auf das Auffinden von jeglichen Gegenständen übertragbar. Den Finder treffen besondere Pflichten im Umgang mit der gefundenen Sache. Dazu zählt, dass er diese in Verwahrung nehmen muss. Tut er dies nicht kann er sich u.U. schadensersatzpflichtig machen. Findern ist daher zu raten, den Gegenstand umgehend in ein Fundbüro zu bringen.

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