Filme auf YouTube: Dürfen Videos von Autounfällen online gestellt werden?

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Das Videoportal YouTube dient heutzutage vielen Nutzern (auch) als Nachrichtenquelle. Das Landgericht Essen musste sich fragen, ob ein „YouTuber“ über einen Autounfall berichten darf, wenn u.a. das Nummernschild des Unfallwagens gezeigt wird.

YouTuber filmt Autounfall und zeigt Video auf diversen Plattformen

Das Video zeigte das Geschehen nach einem Autounfall, bei dem der Fahrer mit seinem PKW gegen einen Baum fuhr. In dem achteinhalb-minütigen Film war zu sehen, wie die Rettungskräfte den Verletzten aus dem Auto befreiten. In dem Clip sind Körperteile des Verletzten (z.B. die linke Hand, das Bein sowie der Oberkörper) und das Nummernschild des Wagens der Marke „Range Rover“ zu sehen. Der Berichterstatter macht zudem Angaben z.B. über das Alter des Opfers.

Der Verantwortliche stellte das Video u.a. bei YouTube ein, wo er auch schon in der Vergangenheit 600 andere vergleichbare Filme zeigte. Der Verletzte erhielt Kenntnis von dem Video und ging gegen den YouTuber vor. Er sah sich in seinem Recht am eigenen Bild verletzt und verklagte den Verantwortlichen. Der Beklagte argumentierte, es liege eine zulässige Berichterstattung vor, da der Verletzte im Clip nicht identifiziert werden könne. Das Landgericht Essen musste den Fall entscheiden.

Berichterstattung darf Unfallverursacher nicht identifizieren

Das Landgericht Essen (Urteil vom 10. Juli 2014, Az. 4 O 157/14) entschied, dass das Video den Verletzten in seinen Rechten verletzt. Von einer sogenannten anonymisierten Berichterstattung kann nicht gesprochen werden, da das Nummernschild zu sehen ist und zudem weitere Informationen (Marke des Wagens und Alter des Opfers) erwähnt werden. Durch das Zusammentreffen dieser Angaben ist es möglich, dass zumindest Nachbarn und Bekannte den Betroffenen wiedererkennen. Das Gericht stellte auch klar, dass das Recht auf freie Berichterstattung nicht überwiegt. An dem lokalen Ereignis besteht eher ein geringes Interesse der Öffentlichkeit, sodass den Rechten des Verletzten der Vorrang zu gewähren ist. Das Video darf daher nicht mehr gezeigt werden.

Fazit:

Das Gericht hat eine Einzelfallrechtsprechung vorgenommen. Der Entscheidung lässt sich aber der Grundsatz entnehmen, dass identifizierende Berichterstattung auf YouTube nicht zulässig ist.

 

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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