Landgericht Köln: Werbung stoppen mit Adblock Plus ist legal

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 Im Internet surfen ohne Werbung – dank kostenloser Filtersoftware wird das auch weiterhin möglich sein. Zum wiederholten Mal ist der Axel-Springer-Verlag mit einer Klage gegen Adblock Plus gescheitert. Und verärgerte gleich noch die Medienkollegen mit seiner Aussage, dass Journalismus sowieso nur zum Transport von Werbung diene.

Werbung finanziert Medien

Wer regelmäßig im Internet unterwegs ist, dem können nervige Pop-ups, schrille Videos und fantasielose Werbebanner gehörig auf die Nerven gehen. Immer mehr User laden sich deshalb die kostenlose Software der Kölner Firma Eyeo herunter, die zuverlässig Werbeinhalte auf Webseiten, einschließlich Facebook und Youtube, blockiert. Den Medienunternehmen hingegen ist Adblock Plus ein Dorn im Auge, schließlich finanzieren sie sich zum großen Teil aus Onlinewerbung.

Zum dritten Mal ist der Springer-Konzern nun vor dem Landgericht Köln mit einer Klage gegen das deutsche Start-up-Unternehmen gescheitert.

Springer: Adblock Plus als „Gefahr für die Pressefreiheit“

Dabei hatten die Springer-Anwälte im Prozess sogar das Grundrecht der Pressefreiheit als Argument ins Feld geführt: Die sei in Gefahr, wenn ein Programm wie Adblock dazu führe, dass keine Werbung mehr auf den Onlineseiten der Zeitungen geschaltet würde.

Mehr Aufmerksamkeit bekam allerdings die Tatsache, dass die Anwälte des Springer-Verlags im Prozess ganz offen die Verbreitung von Werbung als Kerngeschäft bezeichnete. Nach öffentlicher Verwunderung und Kritik an dieser Aussage korrigierte Springer später in einer Pressemitteilung, dass das Hauptprodukt des Konzerns doch „journalistische Inhalte“ seien.

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Umstrittene Whitelist für akzeptierte Werbung

Für rechtswidrig halten die Anwälte außerdem die Praxis, bestimmte, als weniger aufdringlich empfundene Werbung zuzulassen. Nach Angaben von Eyeo sind es die Nutzer, die über die Kriterien für die Aufnahme in diese Whitelist entscheiden. Die so akzeptierten Werbevideos oder Banner werden von Adblock Plus erkannt und zugelassen.

Während nach Angaben der Softwareentwickler ein Großteil der Kunden kostenlos in die Whitelist aufgenommen wird, muss ein Zehntel, nämlich die großen Unternehmen, eine „Aufwandsentschädigung“ zahlen. Für den Springer Verlag ist das lediglich ein erpresserischer Versuch, an den Werbeeinnahmen mitzuverdienen.

Keines der Argumente allerdings konnte die Richter überzeugen. Ebenso wie an den Landgerichten in Hamburg und München sprach man das Kölner Start-up-Unternehmen vom Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung frei. Die Entscheidung, Werbung durch ein Filterprogramm auszuschalten, werde allein vom Nutzer unabhängig und eigenständig getroffen.

Fazit:

Nach RTL, Pro Sieben, Zeit online und Handelsblatt online hat nun auch der Springer Verlag ein weiteres Mal erfolglos versucht, gegen den Werbestopper Adblock Plus vorzugehen. Nutzer können sich freuen, der lästigen Werbung auch weiterhin aus dem Weg gehen zu können. Springer und andere Medienunternehmen werden in Berufung gehen und bis in die letzte Instanz klagen. Das kann allerdings noch Jahre dauern. 

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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