Datenschutz: Darf das Geburtsjahr einer Regisseurin im Internet veröffentlicht werden?

(3 Bewertungen, 5.00 von 5)

Ärzte, Lehrer, Rechtsanwälte und sogar Richter: Nach der heute herrschenden Rechtsprechung dürfen deren Namen auch gegen deren Willen im Internet veröffentlicht und deren Tätigkeit bewertet werden. Allerdings wird immer wieder gestritten, welche persönlichen Daten veröffentlicht werden dürfen.

Internetplattform hatte Geburtsjahr veröffentlicht

In diesen Fall klagte eine Regisseurin gegen eine Plattform, die ihr Geburtsjahr angegeben hatte. Die Regisseurin begründete ihre Klage damit, dass sie aufgrund ihres Alters berufliche Nachteile erfahre. Die Arbeitsplätze in der Medienbranche seien überwiegend von jüngeren Menschen besetzt. So würde ein Leiter eines Fernsehunternehmens fordern, junge Regisseure zu engagieren, um ein junges Publikum zu gewinnen.

Das Amtsgericht (AG) München hat aber eine Verletzung des Persönlichkeitsrechts oder des Datenschutzrechts verneint und daher die Klage abgewiesen.

Keine Verletzung des Persönlichkeitsrechts

Bei der Angabe des Geburtsjahrs handelt es sich um einen Bereich, der zur Privatsphäre, aber nicht zu der besonders geschützten Intimsphäre einer Person gehört.

Auch hat das Gericht festgestellt, dass es sich bei der Regisseurin um eine Person handelt, an der ein öffentliches Interesse besteht, da man wissen möchte, in welchem Alter und bei welchem Film sie Regie geführt hat. Die Befürchtungen der Regisseurin, berufliche Nachteile zu erleiden, teilte das Gericht nicht. Schließlich würden die Fernsehunternehmen ihr Alter bereits kennen, da sie dieses bereits in der Vergangenheit selbst veröffentlicht hatte. Schutzwürdige Interessen der Regisseurin, die einer Veröffentlichung entgegenstehen, konnte das Gericht nicht erkennen.

Gericht: Keine Verletzung des Datenschutzrechts

Die Daten wurden nach Meinung des Gerichts vor allem zur Information der Öffentlichkeit auf der Plattform zur Verfügung gestellt. Ohne die Einwilligung der Regisseurin ist die Veröffentlichung personenbezogener Daten nach § 29 Bundesdatenschutzgesetz (BDSG) grundsätzlich nicht zulässig, da die Internetplattform die Daten für jeden Besucher immer wieder zugänglich macht und der Zugang nicht nur vorübergehend ermöglicht werden soll.

Allerdings war hier eine Ausnahme gegeben, da die Regisseurin in der Vergangenheit bereits selbst ihr Geburtsdatum veröffentlicht hatte. Folglich stammte die Angabe aus einer öffentlich zugänglichen Quelle und durfte daher nach § 29 Abs. 1 Nr. 2 BDSG wiedergegeben werden.

Wer als „Promi“ persönliche Daten selbst veröffentlicht hat und keine schutzwürdigen Interessen nachweisen kann, hat es schwer, sich im Nachhinein auf den Datenschutz zu berufen. (AG München, Urteil v. 06.11.2015, AZ.: 142 C 30130/14)

Lesen Sie mehr Rechtstipps zum Thema „Datenschutz“ auf anwalt.de:

•    Datenschutz-News

•    Datenschutz, IT-Sicherheit, Datensicherheit – ein Wegweiser

•    Zugriff der Erben auf „Facebook“-Account?

Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Datenschutz-Affäre: Bußgeld in Millionenhöhe für Deutsche Bahn AG Vor ein paar Monaten haben wir bereits über die Datenschutz-Affäre bei der Deutschen Bahn berichtet. Seinerzeits hatte die Deutsche Bahn AG ohne konkrete Verdac...
Weiterlesen...
Achtung Unternehmer: Datenschützer wollen 2015 verstärkt gegen Versender von Werbe-Mails vorgehen E-Mail-Werbung und Newsletter sind – trotz Facebook und Social Media -weiterhin das Werbemittel Nummer 1. Leider ist das rechtskonforme Versenden von Werbung un...
Weiterlesen...
Datenschutz: Ist die Protokollierung von IP-Adressen unzulässig? Die IP-Adresse ist die Anschrift des Computers. Aufgrund derer kann nachvollzogen werden, wann der Nutzer welcher Seite besucht hat. Zur Frage, inwieweit die IP...
Weiterlesen...
Datenschutz: Dürfen Eigentümer das eigene Hausgrundstück per Videokamera überwachen? „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“, dachte sich ein Hauseigentümer und installierte eine Videokamera. Die Nachbarin fand das gar nicht gut und klagte. Da...
Weiterlesen...
Datenschutz: Sind Googles neue Datenschutzklauseln unzulässig?   Der hamburgische Beauftragte für Datenschutz hat ein Verfahren gegen Google eingeleitet. Es geht vor allem um die nach Ansicht der Datenschützer unzuläs...
 
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

video tutorials teaser

eRecht24-Videos: IT-Recht verständlich

IT-Recht, endlich verständlich: Jetzt können auch Sie Ihre Website einfach und schnell abmahnsicher gestalten, wenn Sie richtig vorgehen!

Mehr Informationen

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support