Datenschutz: Wien entfernt Namensschilder an Wohnungen

(3 Bewertungen, 4.67 von 5)

Eine aktuelle Meldung aus Österreich lässt die Diskussionen um Sinn und Unsinn der DSGVO erneut hochkochen. Die kommunale Hausverwaltung der Hauptstadt will Klingelschilder künftig statt mit Namen nur noch mit Nummern beschriften. Der ganz normale Wahnsinn der Datenschutz-Grundverordnung? Vorauseilender Gehorsam einer übervorsichtigen Gesellschaft? Oder lediglich eine Berücksichtigung von Mieterinteressen, die mit der DSGVO wenig zu tun hat?

Anzeige

Neue Klingelschilder für 2000 Wohnanlagen

Noch in diesem Jahr will die Verwaltung der städtischen Wohnhäuser damit beginnen, die Namensschilder von 220.000 Wiener Mietern zu entfernen. Statt Gruber, Wimmer oder Pichler wird neben der Klingel dann nur noch die Wohnungsnummer zu lesen sein. Auslöser der Aktion ist die Beschwerde eines einzelnen Bürgers bei der Wiener Datenschutzbehörde. Der Mann sah seine Privatsphäre verletzt, weil die Wohnungsgesellschaft seinen Namen auf dem Klingelschild veröffentlicht hatte. Mit der DSGVO, so sein Hinweis, könne das doch kaum vereinbar sein.

Veröffentlichung von Namen als Datenschutzverstoß

Tatsächlich gab man dem Mieter Recht, nicht nur bei der Stadt Wien, sondern auch bei der österreichischen Gesellschaft für Datenschutz. Allerdings nicht wegen der DSGVO. Sondern weil das Anbringen eines Namens im öffentlichen Raum schon seit 1980 gegen das Gebot der Anonymität verstoßen habe – jedenfalls dann, wenn der Betroffene nicht vorher zugestimmt hat. Die Datenschutz-Grundverordnung mache es Mietern lediglich leichter, gegen die unerwünschte Anbringung des Namens vorzugehen. Für die kommunale „Wiener Wohnen“ gelte deshalb ebenso wie für private Vermieter: An die Klingelleiste im Hauseingang gehören zunächst einmal keine Namen, sondern lediglich Wohnungsnummern.

Mieter selbst darf Namen anbringen

Zumindest in Wien sind diese sogenannten TOP-Nummern sowieso Teil der Postadresse in jedem Mehrfamilienhaus. Da die Zahlen aufsteigend geordnet sind, ist das Auffinden eines Mieters auf einer großen Klingelanlage unter Umständen sogar einfacher, als bei einer reinen Namensliste. Trotzdem stellt die Wiener Wohnungsgesellschaft klar: Jeder Mieter kann von sich aus Namen, Vornamen oder andere Erkennungszeichen neben dem Klingelknopf anbringen. Als Vermieter allerdings werde man sich an die Vorschriften halten und standardmäßig nur noch die TOP-Nummern angeben.

Fazit

Ob Vor- und Zuname, nur der Familienname oder die Initialen auf dem eigenen Klingelschild stehen, dürfen Mieter in Wien künftig selbst entscheiden. Ob es dazu notwendig ist, sämtliche 220.000 Schilder abzumontieren, darüber lässt sich streiten. Denn noch ist nicht absehbar, wie viele der Bewohner anschließend ihre Namen wieder für jedermann sichtbar im Eingang anbringen werden. Dann allerdings auf eigenen Wunsch.

Anzeige
Kommentare  
Michael Trojan
+4 # Michael Trojan 16.10.2018, 18:14 Uhr
220.000 Haushalte, die keine Post und keine Pakete mehr bekommen wollen? Oder wie soll Zustellung ohne Namen möglich sein....

Drehen die jetzt vollkommen ab? Gibt es eigentlich keine wichtigeren Dinge auf der Welt als solche blödsinnigen Ideenfakbriken?

Herr lass Hirn vom Himmel fallen und nimm denen die Schirme weg, die bedürftig sind!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Hans
+3 # Hans 16.10.2018, 21:19 Uhr
So sieht die neue Adresse dann aus:

Whg. 12
Straße xyz
01010 Wien
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Berlinerin
+1 # Berlinerin 19.10.2018, 10:57 Uhr
Bitte den Artikel richtig lesen. Dort steht geschrieben: "Zumindest in Wien sind diese sogenannten TOP-Nummern sowieso Teil der Postadresse in jedem Mehrfamilienhaus. Da die Zahlen aufsteigend geordnet sind, ist das Auffinden eines Mieters auf einer großen Klingelanlage unter Umständen sogar einfacher, als bei einer reinen Namensliste."
Es muss also kein Postbote stundenlang überlegen. In anderen Teilen der Welt ist das auch so oder ähnlich geregelt. Dort werden Namen nicht oder nur Vornamen bei der Adresse angegeben, weil dort alles über die Namen der Häuser/Lodges oder Wohnungsnummern läuft.
Über Sinn und Unsinn dieser Klage/Maßnahme lässt sich allerdings streiten. In großen Häusern ist die Angabe einer Wohnungsnummer aber durchaus hilfreich, so ähnlich wie Seitenflügel oder Hinterhaus.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Thomas Werning
-2 # Thomas Werning 16.10.2018, 19:11 Uhr
220.000 Haushalte die selbst entscheiden können ob der Vor- und Nachname, nur der Nachname, (Teil)Initialen auf dem Schild stehen. Völlig normal, oder? Warum soll das jemand anderes entscheiden?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Aristaya zBunfug
-1 # Aristaya zBunfug 17.10.2018, 08:28 Uhr
Selbstverständlich muss jeder selbst entscheiden können, ob sein von seinen Eltern sorgfältig und mit einem großen Touch von Individualität gewählter Vorname und der leider vorgegebene Familienname auf dem Klingelschild stehen soll! Durch Wohnungsnummern können nämlich Namen wie Martin Otto, die bisher den Besucher zum Grübeln veranlassten, eindeutig vermieden werden. Weshalb werden aber nicht gleich bei der Geburt den Kindern anstelle von Vornamen einfach Nummern gegeben?
Würde dem Datenschutz entgegenkommen und die Eltern entlasten.
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
H.Wessel
0 # H.Wessel 18.10.2018, 02:08 Uhr
Ich möchte dann aber nicht, dass du meine Nummer erfährst !
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
H.Wessel
+3 # H.Wessel 18.10.2018, 02:15 Uhr
Mich würde interessieren, was die Herren Anwälte dazu sagen, wie nach der Änderung eine amtliche Nachricht zugestellt werden soll.
Es müsste doch automatisch dann vorher von der Behörde eine Nachfrage nach der Wohnungsnummer an alle Bürger der Stadt/des Landes gehen.
Meine Wohnungsnummer kennt jedenfalls meine Behörde noch nicht.
Oder wäre das eine Bringeschuld zu meinen Lasten ?
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
H.Wessel
0 # H.Wessel 21.10.2018, 13:55 Uhr
siehe:
https://www.lda.bayern.de/media/pm2018_16.pdf
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Dierk
0 # Dierk 23.10.2018, 09:23 Uhr
Da werden Dinge durcheinander geworfen: Klingelschild nicht gleich Briefkastenschild - von letzeren ist bisher gar keine Rede. Auf welcher Rechtsgrundlage beruht eigentlich das Gebot der Anonymität im öffentlichen Raum? Der Datenschutzverstoß würde dann auf einer anderen Rechtsgrundlage als der DSGVO beruhen. Dann wäre einerseits das Gejammer der Datenschützer gerechtfertigt, die die DSGVO verunglimpft sehen (siehe Verweis oben von Hr. Wessel) und andererseits das Vorgehen der Vermieter, die Strafen vermeiden wollen.
... ja, ja, schöne "neue" Selbstbestimmung und die Stilblüten, die es treibt ...
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Bernd
+1 # Bernd 23.10.2018, 10:55 Uhr
Anruf beim Notruf: Hallo, kommen Sie schnell - Frau 96 ist eben die Treppe runtergestürzt! - Wie bitte? Wer hier anruft? Ich bin der Nachbar, Herr 104!
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Persönlichkeitsrecht: Muss Google das Internet nach Beleidigungen durchforsten? Beleidigungen im Internet sind mittlerweile (leider) an der Tagesordnung. Und oft lassen sich diese über Suchmaschinen wie z.B. Google leicht finden. Aber muss ...
Weiterlesen...
Google Analytics Nutzer: Abmahnung wenn Hinweis in der Datenschutzerklärung fehlt Google Analytics stellt für Webseitenbetreiber eins der wichtigsten Analysetools dar. Die Einbindung in die eigene Seite oder den eigenen Shop muss jedoch daten...
Weiterlesen...
T-Com speichert IP-Adressen nur noch 7 Tage - Probleme bei Strafverfolgung befürchtet Internet-Service-Provider speichern IP-Adressen (Internet Protokoll) um einen Nachweis über die tatsächliche Nutzung des Internets durch den User zu haben und d...
Weiterlesen...
Datensicherheit: Hunderttausende Apps aus Google Play Store gelöscht Immer raffinierter tarnen die Entwickler von Malware ihre Anwendungen. Im Gegenzug setzt Google inzwischen auf lernende Softwareprogramme, um Trojaner und Viren...
Weiterlesen...
Bitkom: Deutsche Unternehmen auf DSGVO-Start unzureichend vorbereitet Kurz vor dem 25. Mai läuft vielen Datenschutzbeauftragten die Zeit davon. Das geht aus einer repräsentativen Untersuchung vom Bundesverband Informationswirtscha...
Anzeige DSGVO
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtsschutzversicherungRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support