Marktwächter-Studie: Soziale Medien bei DSGVO-Umsetzung mangelhaft

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Es war eines der wesentlichen Ziele der Datenschutz-Grundverordnung: Verbraucher sollten die Kontrolle über ihre persönlichen Daten zurückgewinnen. Ein halbes Jahr nach dem Wirksamwerden der DSGVO lautet die Bilanz: Ziel verfehlt. Twitter, Instagram und Co. sammeln weiterhin in großem Stil sensible Informationen.

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Praxistest der beliebtesten Netzwerke

Achtzig Prozent aller Deutschen über 14 Jahren sind bei mindestens einem sozialen Medium registriert. Freiwillig teilen sie dort Fotos und vertrauliche Informationen – mit den engsten Freunden oder mit Millionen anderer Nutzer weltweit. Die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen wollte wissen, wie sich die Einführung der DSGVO bei den Diensten bemerkbar gemacht hat. Dazu eröffnete man Accounts bei Facebook, Instagram, LinkedIn, Pinterest, Snapchat, Twitter, WhatsApp und YouTube. Schon für die App-Einstellungen gab es Kritik.

Privacy by Default: Keine datenschutzfreundlichen Settings

Der Schutz persönlicher Informationen soll Verbrauchern möglichst leicht gemacht werden. Deshalb sieht die DSGVO vor, dass Programme grundsätzlich sparsam mit Daten umgehen. Doch schon bei der Anmeldung fordern die meisten Dienste die Telefonnummer des Nutzers – auch dann, wenn eine E-Mail-Adresse völlig ausreichend wäre. Auch beim Posten legen die Anbieter wenig Wert auf Privatsphäre. Die meisten Accounts sind zunächst einmal auf „öffentlich“ geschaltet. Wer seine Beiträge nur Bekannten zeigen möchte, muss sich dazu mit dem Einstellungsmenü beschäftigen.

Tracking: Alle Anbieter speichern das Nutzerverhalten

Alle untersuchten sozialen Medien sammeln immer noch mehr Angaben als nötig. Beispiel: Auslesen des Adressbuchs. Angeblich kann das Programm nur so optimal funktionieren. Tatsächlich aber geht es den Betreibern darum, Zugriff auf die gespeicherten Kontakte zu bekommen. Eine datenschutzrechtlich besonders fragwürdige Vorgehensweise. Schließlich liegt hier nicht die Zustimmung der Betroffenen vor. Auch bei der Verfolgung des Surfverhaltens wird das Einverständnis aller Nutzer einfach vorausgesetzt. Zwar kann in den Privacy Settings das Einblenden personalisierter Werbung ausgeschlossen werden. Die dafür notwendigen Informationen über besuchte Seiten werden aber dennoch registriert und verarbeitet.

Datenschutzerklärungen: Intransparente Formulierungen

Auch ihre Informationspflichten erfüllen die meisten Anbieter nur unzureichend. So heißt es beispielsweise, Daten würden „unterschiedlich lange“ aufgehoben. Bei der Weitergabe ist die Rede von anderen „Personen“, „Unternehmen“ oder schlichtweg von „Dritten“. Wer entsprechend der DSGVO Einzelheiten zu seinem Konto erfahren will, wird ebenfalls enttäuscht. Geliefert werden die Daten nämlich in vielen verschiedenen Formaten, von denen die meisten mit Standard-Software überhaupt nicht zu öffnen sind.

Fazit:

Eine Untersuchung von Verbraucherschützern zeigt: Die acht wichtigsten Social-Media-Anbieter haben in Sachen DSGVO noch erheblichen Nachholbedarf. Da bei Facebook, Snapchat oder YouTube wenig eigenes Engagement zu erwarten ist, fordert die Verbraucherzentrale mehr Kontrolle. Dazu allerdings brauchten die Aufsichtsbehörden mehr Ressourcen und die Möglichkeit, gegebenenfalls wirksame Strafen zu verhängen.

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Kommentare  
Ute Böhm
0 # Ute Böhm 29.01.2019, 09:49 Uhr
Sehr geehrte Damen und Herren,
schön, dass sie die Marktwächter Untersuchung zu den Sozialen Medien aufgegriffen haben. An der Stelle sei der Hinweis erlaubt, dass es zu diesem Komplex auch eine Anschlussstudie gibt. Sie zeigt dass auch bei der Nutzung eine Kontrolle der eigenen Daten durch die Ausübung des Rechts auf Auskunft und Datenübertragbarkeit eher schwierig bis unmöglich ist.
Näheres hier: https://www.marktwaechter.de/pressemeldung/soziale-medien-und-die-dsgvo-kontrolle-der-eigenen-daten-fehlanzeige
https://www.marktwaechter.de/digitale-welt/marktbeobachtung/soziale-medien-und-die-dsgvo-recht-auf-auskunft-und-datenuebertragbarkeit

Mit freundlichen Grüßen
Ute Böhm
Team Digitaler Marktwächter
Verbraucherzentrale NRW
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