Datenschutz: Apps übermitteln sensible Gesundheitsdaten an Facebook

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Das soziale Netzwerk hat offenbar auch Zugriff auf Informationen zum medizinischen Zustand seiner Nutzer. Wie das Wall Street Journal herausgefunden hat, geben millionenfach genutzte Menstruationskalender und Herzfrequenzmesser persönliche Daten an den Zuckerberg-Konzern weiter. Die User ahnen davon nichts. Facebook schiebt alle Verantwortung den App-Entwicklern zu: Diese entschieden, welche Angaben über die bereitgestellten Tools geteilt würden.

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Tagesablauf, Herzfrequenz und Eisprung werden erfasst

45 Millionen Frauen haben den Zykluskalender von Flo Health auf ihren Smartphones. Die App hilft beim Planen oder Verhindern einer Schwangerschaft. Wer will, kann hier sogar Stimmungsschwankungen und PMS-Symptome eingeben. Zumindest einige dieser Informationen leitet das Programm direkt an Facebook weiter. Sie werden dort ausgewertet, um beispielsweise einer werdenden Mutter passende Werbung in ihrem Newsfeed anzuzeigen. Auch andere Gesundheits-Apps sind betroffen. Einer der beliebtesten Pulsmesser von Azumio nutzt ebenfalls das Tool „Facebook App Events“. Die Anwendung speichert auf Wunsch Trainingseinheiten, Schlafrhythmus und Herzfrequenz im Tagesverlauf.

Nutzer können Weitergabe von Daten nicht abstellen

70 Apps haben Fachleute für das Wall Street Journal untersucht. Elf davon leiteten individuelle Nutzerdaten automatisch an Facebook weiter. Ob die Hersteller dafür irgendwelche Gegenleistungen erhalten, konnte die Zeitung nicht herausfinden. Die User allerdings würden weder bei Installation noch bei der Nutzung der Programme angemessen informiert oder um Erlaubnis gefragt. Sie seien auch nicht in der Lage, die Übermittlung der gespeicherten Informationen zu stoppen.

Facebook macht App-Anbieter verantwortlich

Das soziale Medium stellt zwar das Tool zur Datenübertragung bereit. Welche Informationen eine Anwendung mit Facebook, teile legten allerdings die Entwickler fest. Sie seien ausdrücklich angehalten, weder Daten über den Gesundheitszustand noch zur finanziellen Situation von Nutzern weiterzugeben. Erhielte man trotzdem illegal gespeicherte Angaben wie zum Beispiel Sozialversicherungsnummern, würden die von Facebook gelöscht.

Widersprüchliche Reaktion von Herstellern

Die Anbieter der Zyklus-App Flo Health sagten dem Wall Street Journal zunächst, Nutzerinnen könnten anhand der weitergeleiteten Daten nicht identifiziert werden. Als Fachleute diese Aussage widerlegten, hieß es, man werde Analyse-Tools wie das von Facebook künftig nur noch sehr eingeschränkt verwenden. Schuldbewusst zeigte sich Garner Bornstein, Mitbegründer des Meditationsprogramms „Breethe“, das Mailadressen der User an Facebook weitergibt. Man habe das eigene Datenmanagement wohl nicht in angemessener Weise an das Geschäftsmodell des Zuckerberg-Konzerns angepasst.

Fazit

Ein Datenschutzskandal jagt bei Facebook den nächsten. Gerade erst hat die britische Regierung das Netzwerk als „digitalen Gangster“ bezeichnet und eine stärkere Kontrolle der Plattform gefordert. In den USA könnte wegen Datenschutzverstößen eine Strafe in Milliardenhöhe fällig werden. Auch wenn Fitness- und Gesundheits-Apps ihre Daten freiwillig weitergeben – die Nutzung dieser sensiblen Informationen dürfte das Vertrauen in den Zuckerberg-Konzern weiter schwächen.

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