Verfahren eingeleitet: Google stoppt Auswertung von Sprachaufnahmen

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Nach den jüngsten Medienberichten über Siri, Alexa und Google Home steht fest: Auch höchst private Aufnahmen werden regelmäßig von Mitarbeitern der IT-Konzerne abgehört und ausgewertet. Damit verletzen die Unternehmen die Persönlichkeitsrechte der Nutzer, meint der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Zunächst für drei Monate hat er Google deshalb die Analyse der Soundbites durch Angestellte und Subunternehmer untersagt.

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Personen identifiziert und ausfindig gemacht

Um die Software der Produkte zu verbessern, ist die Kontrolle durch menschliche Ohren unverzichtbar. Im Auftrag von Google, Amazon und Apple werden daher rund um den Globus Mitarbeiter für das Abhören der Aufzeichnungen bezahlt. Sie notieren das Gesprochene und überprüfen, ob die Programme Befehle und Anfragen richtig verarbeiten. Dabei zeigt sich allerdings auch, dass die Assistenten oft fälschlicherweise anspringen – höchstwahrscheinlich ohne Wissen der Anwesenden. Darüber hinaus machen die Geräte keinen Unterschied zwischen dem eigentlichen Nutzer und anderen Stimmen. Kleine Kinder oder nichts ahnende Besucher werden mit ihren Äußerungen ebenfalls aufgenommen und später analysiert. Anhand der Aussagen konnten Journalisten sogar die Namen und Adressen einiger Nutzer herausfinden. Der Hamburger Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit sieht darin ein hohes Risiko für die Privat- und Intimsphäre. Um Betroffene zu schützen, hat er die Auswertung jetzt für drei Monate untersagt.

Abhörpraxis ausgesetzt bis Ende Oktober

Eigentlich verantwortlich für den Datenschutz bei Google ist die IDPC, die irische Data Protection Commission. Denn in Dublin hat der Konzern seine europäische Hauptniederlassung. Bei dringendem Handlungsbedarf allerdings räumt die DSGVO auch anderen Datenschutzbehörden Befugnisse ein: für die Dauer von maximal drei Monaten und beschränkt auf ihr Hoheitsgebiet. Ein solcher Fall liege hier vor, erklärt Johannes Caspar. Es gehe darum, Verbraucher vor dem Abhören, Dokumentieren und Auswerten privater Gespräche durch dritte Personen zu schützen. Und Google hat bereits reagiert: In den Monaten August, September und Oktober will man auf die Sprachauswertung verzichten, und zwar in der gesamten Europäischen Union.

DSGVO gilt auch für Sprachassistenten

Das Verwaltungsverfahren gegen Google könne aber nur ein Anfang sein, findet Hamburgs oberster Datenschützer. Auch gegenüber Apple und Amazon müssten ähnliche Maßnahmen geprüft werden. Dabei geht es Caspar offenbar nicht um ein völliges Verbot der menschlichen Abhörvorgänge. Entsprechend der Datenschutz-Grundverordnung müssten Nutzer aber besser aufgeklärt werden. Dazu gehörten klare Angaben über die Verarbeitung der Sprachbefehle und über die Häufigkeit und die Risiken von Fehlaktivierungen. Nur dann sei eine informierte Einwilligung in die Nutzungsbedingungen möglich.

Fazit

Smarte Assistenten hören weit mehr, als viele Nutzer ahnen. Und die Soundschnipsel werden nicht sofort gelöscht, sondern häufig von menschlichen Mitarbeitern abgehört und ausgewertet. Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar bezweifelt, dass hier die Vorschriften der DSGVO beachtet werden. Für Google hat er deshalb einen dreimonatigen Stopp der Auswertung angeordnet. In der Zeit soll die Funktionsweise der Analysesysteme weiter untersucht werden, um dann über endgültige Maßnahmen entscheiden zu können.

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