DSGVO: Auskunftspflicht begünstigt leichtfertigen Umgang mit Nutzerdaten

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Eigentlich soll sie den besonderen Schutz von sensiblen Informationen sichern. Doch ein Punkt der Datenschutz-Grundverordnung kann auch das Gegenteil bewirken. Denn Unternehmen sind verpflichtet, registrierten Nutzern auf Wunsch alle gespeicherten Informationen anzuzeigen. Offenbar wird dabei nur unzureichend geprüft, ob die Anfrage auch wirklich vom Besitzer eines Accounts kommt – oder von einer anderen Person.

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Verweis auf die Auskunftspflicht nach DSGVO

Angefangen hat alles mit einer Wette zwischen dem Oxford-Doktoranden James Pavur und seiner Verlobten Casey Knerr. Beide beschäftigen sich im Rahmen ihrer Arbeit mit Fragen der IT-Sicherheit. Seine kühne These: Mit Auskunftsersuchen entsprechend den DSGVO-Vorschriften könne er an sämtliche relevanten Daten seiner Freundin gelangen – einfach, indem er sich für sie ausgab. Ernüchterndes Ergebnis des Versuchs: Es funktionierte. Britische und amerikanische Unternehmen teilten Pavur Geburtsdatum, Adresse, Sozialversicherungsnummer und sogar Kreditkartenangaben der Person mit, für die er sich ausgegeben hatte.

Nutzernamen, Passwörter, Kreditkartennummer

Wie er der BBC erzählte, richtete Pavur zuerst eine gmail-Adresse mit dem Namen „Casey.Knerr“ ein. Mit diesem Account fragte bei er 75 Unternehmen an: Hatten sie Daten zur Inhaberin der Absenderadresse gespeichert? Wenn ja: Welche? Die auf diesem Weg erhaltenen Informationen nutze er dann für Auskunftsersuche bei 75 weiteren Unternehmen. Ausweiskopien oder zuverlässige Belege der Identität lieferte er nie. Trotzdem erhielt er zahlreiche Informationen aus den Accounts seiner Partnerin: Listen vergangener Bestellungen, eine Übersicht ehemaliger Nutzernamen und Passwörter, ihre Kreditkartennummer mit Auslaufdatum, Angaben zu ihrer Bank sowie aktuelle und ehemalige Wohnadresse.

Ein Viertel der Unternehmen gibt Daten preis

Nicht alle 150 Angeschriebenen gingen leichtfertig mit Nutzerdaten um. Pavur fiel auf, dass vor allem große Konzerne nicht auf seinen Täuschungsversuch hereinfielen. Im Gegensatz dazu wurden seine Mails von vielen kleinen Anbietern völlig ignoriert. Problematisch reagierten vor allem mittelgroße Unternehmen. Die Erklärung des Cybersecurity-Forschers: Zwar kennen diese Anbieter ihre DSGVO-Pflichten. Sie haben aber wenig Erfahrung im Umgang mit entsprechenden Anfragen. Insgesamt erhielt Pavur im ersten Anlauf sensible Daten von einem Viertel der Unternehmen, bei denen seine Partnerin registriert war. Nur 39 Prozent forderten einen fälschungssicheren Beleg seiner Identität. Die übrigen gaben sich mit unzureichenden Auskünften zufrieden oder ignorierten die Anfrage einfach.

Fazit

Was eigentlich Nutzerdaten schützen soll, birgt auch Risiken. Nach der Datenschutz-Grundverordnung müssen Unternehmen auf Anfrage mitteilen, welche Informationen sie über eine Person gespeichert haben. Das Experiment eines britischen Sicherheitsforschers zeigt, dass vor allem kleine und mittelgroße Anbieter hier wenig Erfahrungen haben. Das kann dazu führen, dass sensible Informationen leichtfertig und ohne eine Überprüfung der Identität weitergegeben werden.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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