Datenschutz: Patientenunterlagen landen bei falschen Empfängern

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Über 850 Verstöße seit Inkrafttreten der DSGVO haben die zuständigen Landesbehörden im Gesundheitswesen registriert. Die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen. Einen besonders gravierenden Fall untersucht nun der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. Die Asklepios-Klinik Altona hatte immer wieder einer unbefugten Person Patientenunterlagen zugeschickt – obwohl sie jedes Mal protestierte.

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Höchst vertrauliche Details

Es geht um mehr als Geburtsdaten und Krankenkassenzugehörigkeit. Mehrseitige Arztbriefe über Behandlungsverläufe oder Entlassungsschreiben mit Therapieempfehlungen fand eine Hamburger Psychotherapeutin in ihrem Briefkasten. Die zugehörigen Patienten hatte sie nie gesehen, geschweige denn behandelt. Nach jedem Brief setzte sie sich mit dem Absender, der Asklepios-Klinik Altona, in Verbindung. Man sprach von Namensverwechslungen und gelobte Besserung – und sandte ihr wenige Wochen später dieselben vertraulichen Informationen erneut zu. Ganze elf Mal habe sich das so zugetragen, berichtet die Therapeutin dem Norddeutschen Rundfunk, zuletzt im vergangenen September.

Spitzenreiter Bayern: 383 Verstöße

Nach Ansicht des Hamburger Datenschutzbeauftragten Johannes Caspar handelt es sich bei der Asklepios-Klinik um ein besonders gravierendes Beispiel, aber nicht um einen Einzelfall. Seit die Datenschutz-Grundverordnung im Mai 2018 in Kraft trat, seien über 850 Datenpannen im Gesundheitssektor angezeigt worden. Die tatsächliche Zahl der Verstöße dürfte aber weit höher liegen: Aus Angst vor Bußgeldern würde auf die vorgeschriebene Meldung oft verzichtet. Laut Caspar ein besonders hohes Risiko für Verbraucher. Krankenhäuser, Ärzte, Labore und Abrechnungsstellen verfügten über „sehr, sehr wesentliche Daten von Betroffenen“.

Kein systematisches Versagen

Bei der überwiegenden Zahl der gemeldeten DSGVO-Verstöße im Gesundheitswesen handelt es sich um Fehlversendungen: Informationen über den Gesundheitszustand eines Patienten gehen an eine unbefugte Person. Falsche Adressierung, falsche Kuvertierung, Verwechslung von Patienten- oder Ärztenamen oder einfach Tippfehler – die Ursachen sind unterschiedlich. Laut Caspar handelt es sich meist um menschliches Versagen und nicht etwa um Systemfehler. Dennoch drohten in solchen Fällen auch Bußgelder. Denn nur auf diese Weise würden die Datenschutzbehörden ernst genommen.

Fazit

Die Asklepios-Klinik erklärte gegenüber dem Norddeutschen Rundfunk, man habe mittlerweile gehandelt. Die Hamburger Psychotherapeutin sei im Klinik-Verzeichnis gesperrt worden, um weitere Verwechslungen zu verhindern.

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