Illegale Datensammlung: Modekonzern H&M soll Angestellte ausspioniert haben

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Von der Blasenschwäche bis zur Krebserkrankung, von der Urlaubserinnerung bis zum Familienkrach – systematisch sollen beim Textilunternehmen H&M sensible Details über Mitarbeiter ermittelt und gespeichert worden sein. Die Informationen stammten aus Gesprächen mit Vorgesetzten, aber auch aus privaten Plaudereien mit Kollegen. Der Hamburgische Beauftragte für Datenschutz Johannes Caspar hat nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet.

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Umzugsstress und anstehende Scheidung

Betroffen sind nach bisherigem Informationsstand Angestellte des H&M-Kundencenters für Deutschland und Österreich, das in Nürnberg seinen Sitz hat. Bereits vor einigen Monaten wurden hier Mitarbeiter auf das brisante Material aufmerksam. Das hat Datenschützer Johannes Caspar der Frankfurter Allgemeinen Zeitung berichtet. Beim Stöbern in der hauseigenen IT hätten die Beschäftigten offen zugängliche Dateien gefunden, in denen Gesundheitszustand und familiäre Situation von Kollegen beschrieben war. Die gesamte Leitungsebene von H&M habe das Material nutzen können. Der Verdacht auf massive Datenschutzverstöße habe sich inzwischen erhärtet, so Caspar. Nach dem Auswerten von 60 Gigabyte Daten zeige sich eine umfassende Ausforschung, die in den vergangenen Jahren in Deutschland beispiellos sei.

HamBfDI: „Umfassende Ausforschung“

Aufgrund des laufenden Verfahrens will man sich bei H&M nicht genauer zu den Vorfällen äußern. In einem Schreiben an die FAZ ist von „aufrichtigem Bedauern“ die Rede. Und weiter: Der Schutz persönlicher Daten habe im Unternehmen oberste Priorität. Man nehme den Vorfall sehr ernst und kooperiere mit der Datenschutzbehörde. Die Mitarbeiter im Kundenzentrum allerdings fühlen sich allein gelassen. Niemand habe ihnen bisher gesagt, in welchem Ausmaß ihre eigenen sensiblen Daten gespeichert worden seien. Es herrsche ein Klima der Angst und Einschüchterung. Ausdrücklich hat der Datenschutzbeauftragte deshalb seine Behörde als Ansprechpartner angeboten: Unter mailbox@datenschutz.hamburg.de können Betroffene Kontakt aufnehmen – streng vertraulich selbstverständlich.

Fazit

Über die Höhe des Bußgelds für das Ermitteln und Speichern höchst persönlicher Daten bei H&M ist noch nichts bekannt. Zunächst wurde eine zweiwöchige Anhörungsphase angesetzt. Laut DSGVO hängt die Strafe auch davon ab, ob der gesamte Konzern oder nur ein lokal begrenzter Bereich von dem Datenverstoß betroffen war. Die Höchststrafe liegt bei vier Prozent des weltweiten Unternehmensumsatzes im Vorjahr.

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