Datenschutz: Millionen Patienten-Informationen unzureichend gesichert

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Diagnosen, Verordnungen, Krankheitsverläufe: Seit gut einem Jahr müssen sie digital gespeichert und über eine gemeinsame Online-Struktur abrufbar sein. So soll die Zusammenarbeit von Ärzten und Krankenkassen, Apotheken und Psychotherapeuten ermöglicht werden. Aber auch Hackern wird damit der Zugriff auf höchst sensible Informationen leicht gemacht.

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Passwort „Praxis1“

Sie sind Mediziner und keine IT-Experten. Also verlassen sich die Akteure des Gesundheitswesens bei der Sicherung ihrer digitalen Systeme auf Dienstleister. Die allerdings beherrschen ihr Handwerk offenbar nicht immer in ausreichendem Maß. Das zeigen aktuelle Recherchen des Computermagazins c’t. Redakteuren des Norddeutschen Rundfunks demonstrierten die IT-Experten, dass sich eine große Zahl angreifbarer Praxissysteme leicht im Internet auffinden lässt. Das Knacken des Passworts ist dann oft nur noch eine Formsache. Um ihren Mitarbeitern das Arbeiten mit der Software zu erleichtern, arbeiteten viele Akteure mit äußerst simplen Kombinationen: „praxis 123“ beispielsweise, oder „kennwort1“.

Handel mit Patientendaten blüht

Rund 8,5 Millionen Datensätze könnten von Hackern ohne Schwierigkeiten aus dem Netz gefischt werden, schätzt der NDR. Ein lukratives Geschäft. Schon für Informationen eines einzigen Patienten zahlten Kriminelle auf dem Schwarzmarkt bis zu 2000 Euro. Sie erpressten die Opfer später mit dem Öffentlichmachen ihrer Krankheiten. Vielfach ließen sich die Angaben auch nutzen, um weitere Zugangsdaten herauszufinden. Teilweise würden die Patienten erst Jahre später mit den Konsequenzen des Datendiebstahls konfrontiert.

Kommt bald der IT-TÜV?

Das medizinische Fachpersonal kann oft nur ahnen, wie groß die Gefahr für das Abgreifen sensibler Daten wirklich ist. In der Regel beauftragen die Praxen externe Anbieter mit der Wartung und Sicherung ihrer IT. Ob die angesichts der großen Nachfrage ihre Aufgabe verantwortungsvoll ausführen, können Ärzte und Therapeuten kaum beurteilen. Genau hier müsste der Gesetzgeber Abhilfe schaffen, fordert die Vereinigung niedersächsischer Kassenärzte. Mithilfe eines Gütesiegels oder eines Zertifikats sollten vertrauenswürdige EDV-Unternehmen kenntlich gemacht werden, die für die Sicherung sensibler Patientendaten geeignet sind. Schließlich dürften Fahrzeuge auch nur mit anerkanntem TÜV-Siegel auf die Straße.

Fazit

Erst vor wenigen Tagen war ein Datenleck beim DRK Brandenburg bekannt geworden. Informationen über mehr als 100.000 Krankentransporte konnten Hacker hier einsehen. Angesichts der Brisanz der gesundheitsbezogenen Daten können Patienten nur auf eine schnelle gesetzliche Regelung hoffen.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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