DSGVO-Strafe: Schuhversender Spartoo muss 250.000 Euro zahlen

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Bankdaten wurden unverschlüsselt gespeichert, aufgezeichnete Kundentelefonate nie gelöscht. Wegen mehrerer schwerer Verstöße gegen die DSGVO hat die französische Datenschutzbehörde CNIL in ein Bußgeld in Höhe von einer viertel Million Euro gegen den Onlinehändler Spartoo verhängt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Grenoble bietet seine Produkte auch über eine deutsche Webseite an.

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Online-Shopper in ganz Europa betroffen

Bereits im Mai 2018 hatte die Commission Nationale de l’Informatique et des Libertés (CNIL) festgestellt, dass Daten von Kunden, Newsletter-Abonnenten und Mitarbeitern nicht DSGVO-konform verarbeitet wurden. Es folgte ein Sanktionsverfahren, bei dem mit verschiedenen anderen Datenschutzbehörden zusammengearbeitet wurde. Insgesamt bietet Spartoo in dreizehn europäischen Ländern eigene Bestellseiten an.

Bankdaten unzureichend geschützt

Dabei ging der Schuh-Versand äußerst nachlässig mit der Sicherheit von Kundendaten um. So wurden die für eine Zahlung verwendeten Bankdaten bis zu sechs Monate lang unverschlüsselt gespeichert. Die CNIL bemängelte außerdem, dass für das Anlegen von Kunden-Accounts keine sicheren Passwörter verwendet werden mussten. Auch mit der Aufbewahrungsfrist von sensiblen Daten nahm es Spartoo offenbar nicht so genau. Beispielsweise war nicht festgelegt, wie lange Informationen höchstens aufbewahrt werden dürfen. Gespeicherte Daten wurden weder regelmäßig gelöscht noch archiviert. So fanden die Behörden beispielsweise Angaben von mehr als drei Millionen Kunden, die ihre Konten schon seit über fünf Jahren nicht mehr genutzt hatten.

Massenhaft Anrufe gespeichert

Mit Einwilligung der Kunden zeichnete Spartoo auch Telefongespräche auf, eigentlich zum Zwecke der Mitarbeiterschulung. Die CNIL bemängelte aber, dass in diesem Zusammenhang Zahlungsinformationen mitgeschnitten und dauerhaft gespeichert wurden. Darüber hinaus seien weit mehr Anrufe aufgezeichnet worden, als nötig. Tatsächlich habe sich gezeigt, dass die verantwortliche Person wöchentlich lediglich ein Gespräch pro Mitarbeiter angehört habe. Es handele sich also um einen klaren Verstoß gegen das Prinzip der Datenminimierung.

Mängel auch in den AGB

Insgesamt seien vier Verstöße gegen die Datenschutz-Grundverordnung festgestellt worden, so die CNIL. Spartoo habe mehr personenbezogene Daten erhoben, als notwendig. Informationen seien außerdem ohne zeitliche Begrenzung gespeichert worden. Kunden, Mitarbeiter und Newsletter-Abonnenten habe das Unternehmen nicht genügend über Zweck, Zeitraum und Rechtsgrundlage der Datenverarbeitung informiert. Außerdem sei man den Verpflichtungen zur Gewährleistung der Datensicherheit nicht ausreichend nachgekommen.

Fazit

Angesichts der Vielzahl von Verstößen, von denen über drei Millionen Kunden und mehr als 25 Millionen Interessenten betroffen waren, legte die CNIL ein Bußgeld in Höhe von 250.000 Euro fest. Sie betonte, dass mehrere der Delikte auch vor Inkrafttreten der DSGVO strafbar gewesen seien. Spartoo muss seine Datenverarbeitungsprozesse nun innerhalb von drei Monaten den Vorschriften anpassen. Andernfalls werden weitere Strafen fällig.

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