Missbrauch der Marktmacht: Amazon droht eine Millionenstrafe in Frankreich

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Strikte Verträge und viel kritisierte Klauseln: Händler müssen auf Amazon strengen Regeln folgen, die sich oftmals in rechtlichen Grauzonen befinden. In Frankreich soll der Konzern dabei jetzt zu weit gegangen sein. Amazon soll seine Marktmacht missbraucht und kleine Händler unterdrückt haben. Daher stehen jetzt drei Unternehmen des E-Commerce-Riesen vor dem französischen Handelsgericht. Was wirft Frankreich Amazon vor?

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Das führt Amazon vor das französische Handelsgericht

Wettbewerbshüter in Frankreich hatten Amazon über einen Zeitraum von über zwei Jahren beobachtet. Dabei hatte unter anderem die französische Behörde DGCCRF, die Wettbewerb und Verbraucherschutz im Auge behält, belastendes Material gesammelt, das Amazons Missbrauch seiner marktbeherrschenden Stellung beweisen soll.

So soll Amazon seine Marktmacht ausgenutzt haben

Amazons Ausnahmestellung im E-Commerce zwingt vor allem kleine Händler dazu, ihre Ware über die Plattform anzubieten, um eine große Zahl an Kunden zu erreichen. Dazu müssen diese jedoch unfaire Bedingungen akzeptieren, die ihnen erhebliche Nachteile bescheren.

Dabei soll sich Amazon das Recht vorbehalten, Verträge mit den Händlern jederzeit nach Belieben einseitig zu ändern. Auf diese Weise kann der Konzern in Frankreich von heute auf morgen beispielsweise kürzere Lieferzeiten erzwingen – unabhängig davon, ob das für den betroffenen Händler möglich ist. Darüber hinaus zieht Amazon stets die Händler zur Rechenschaft, wenn bei einem Produktkauf etwas schiefgelaufen ist. Kommen beispielsweise Pakete beschädigt oder verspätet beim Kunden an, müssen Händler den Kopf hinhalten. Dazu müssen sie oftmals zusätzliche Kosten übernehmen oder werden gleich ganz vom Marktplatz ausgeschlossen. Damit nutzt Amazon seine Ausnahmestellung am Markt aus, so der Vorwurf der Wettbewerbshüter.

Amazon nutzt in Deutschland ähnliche Praktiken

Dieses rigide Vorgehen gegen Händler nutzt Amazon auch hierzulande. Daher stand der Konzern in der Vergangenheit bereits mehrfach in der Kritik. Besonders in Erinnerung geblieben ist dabei die Preisparitätsklausel, die Händler verpflichtete, ihre Produkte auf keiner Plattform günstiger anzubieten als auf Amazon. Das Bundeskartellamt hatte diese Vorgehensweise jedoch stark kritisiert, so dass Amazon von dieser Klausel wieder Abstand nahm.

Fazit

Kommt das französischen Handelsgericht zu dem Schluss, dass Amazon seine Marktmacht ausnutzt, um kleine Händler zu wettbewerbswidrigen Bedingungen zu zwingen, droht dem Konzern eine Strafe von bis zu zehn Millionen Euro. Was finanziell eher ein Tropfen auf den heißen Stein sein dürfte, könnte in der Praxis jedoch einschneidende Veränderungen mitbringen – und so Händlern wieder etwas fairere Bedingungen ermöglichen.

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Kommentare  
Leithana
+3 # Leithana 09.03.2018, 21:04 Uhr
Hoffe Deutschland folgt dem Beispiel
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Guest
+1 # Guest 12.03.2018, 12:36 Uhr
10 Millionen Euro, da lacht Amazon doch nur. Da würde sich wahrscheinlich erst ab einen Betrag von 500 Millionen was ändern
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Guest
0 # Guest 30.06.2018, 15:46 Uhr
Höchste Eisenbahn, dass von Dutschland das gleiche Signal an amazon ausgeht. Nur von der deutschen Bundesregierung ist hier leider nichts zu erwarten - selbst die Opposition beschäftigt sich nur mit dem einen Thema (Migranten).

Hoffentlich findet sich wenigstens eine Anwaltskanzlei für eine Sammelklage - ich (kleiner Onlinehändler) wäre sofort dabei!
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