Kundenbewertungen: Amazon darf sich gegen bezahlte Kritiken wehren

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Im Rechtsstreit mit einem Anbieter von Produktrezensionen hat der Onlinehändler einen Sieg errungen. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main teilt die Meinung, dass Beurteilungen mit kommerziellem Hintergrund eindeutig gekennzeichnet sein müssen. Verbraucher sollen davon ausgehen können, in Kundenportalen authentische Einschätzungen vorzufinden.

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Waren testen und anschließend behalten

Der Beschluss (Az. 6 W 9/19) des OLG Frankfurt/Main betrifft ein Unternehmen, das für Drittanbieter auf der Amazon-Plattform Produktbesprechungen organisiert. In der Regel dürfen die für diese Zwecke gesuchten Tester den geprüften Artikel behalten; in einigen Fällen zahlen sie einen kleinen Eigenanteil. Um die Veröffentlichung brauchen sich die Schreiber nicht zu kümmern – das erledigt das Vermittlungsunternehmen. Amazon befürchtet, dass auf diese Weise vergebene Sterne die Glaubwürdigkeit des gesamten Bewertungsportals infrage stellen. Der Konzern wollte deshalb gerichtlich anordnen lassen, dass Kritiken für Gegenleistungen als „gekauft“ bezeichnet werden müssen.

Kommerzieller Hintergrund nicht eindeutig erkennbar

In erster Instanz hatte das Landgericht den Antrag zurückgewiesen. Vor dem OLG konnte sich Amazon jetzt mit seiner Beschwerde durchsetzen. Nach Ansicht des Gerichts erwartet ein durchschnittlich informierter Verbraucher, dass Produktbewertungen grundsätzlich ohne Gegenleistung erstellt werden. Zwar müssten Kundenurteile nicht immer mit der Objektivität eines Zeitungsartikels formuliert sein. Der Leser gehe aber davon aus, dass die Waren aus eigenem Entschluss heraus gekauft und authentisch geprüft worden seien. Die von dem Unternehmen vermittelten Rezensionen entsprächen nicht diesen Anforderungen.

Unbeeinflusst von Dritten

„Gekaufte“ Bewertungen muss das Unternehmen also künftig als solche kennzeichnen. Noch ist die Entscheidung des Oberlandesgerichts allerdings nicht rechtskräftig. Der Antragsgegner kann Widerspruch einlegen, über den in diesem Fall wieder das Landgericht Frankfurt am Main zu entscheiden hätte.

Fazit

Mit seinem Beschluss kommt das OLG den Wünschen der Verbraucher entgegen. Die erhoffen sich ehrliche Schilderungen von unvoreingenommenen Kunden. Dass als „gekauft“ markierte Rezensionen dann überhaupt noch gelesen werden, darf allerdings bezweifelt werden.

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