Urheberrecht: Ist Amazon für Produktfotos von Drittanbietern verantwortlich?

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Der Online-Riese Amazon muss nach einem Urteil des Münchner Landgerichts dafür sorgen, dass keine urheberrechtlich geschützten Bilder auf seinen Seiten zu sehen sind. Die Entscheidung betrifft auch Fotos, die von Händlern des Marketplace hochgeladen werden. Amazon hat Berufung gegen die Entscheidung eingelegt.

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Exklusive Nutzungsrechte für Promo-Material

Der Rucksack-Hersteller Ortlieb lässt für viel Geld Werbefotos von seinen Produkten anfertigen. Verwendet werden sollen die Aufnahmen lediglich von autorisierten Fachhändlern. Denn nur mit denen arbeitet das qualitätsbewusste Unternehmen zusammen. Trotzdem finden sich die Bilder später bei Amazon, wo die Fahrradtaschen gegen den Willen des Produzenten von Drittanbietern verkauft werden. Lässt sich schon der Handel über die Plattform nicht gänzlich verhindern, will Ortlieb wenigstens gegen die Verletzung der Urheberrechte vorgehen. Doch Amazon sieht sich nicht in der Verantwortung.

Automatische Verarbeitung zur Kosteneinsparung

Vor dem Landgericht München I (Az. 37 O 5140/18) lässt der Marktführer erklären, wie die geschützten Fotos auf das eigene Portal gelangen: Jeder Marketplace-Händler kann über die Eingabemaske Fotos für die Produktdetailseite hochladen. Ob und gegebenenfalls in welcher Form die Bilder Verwendung finden, entscheidet das Programm aufgrund technischer Merkmale wie Auflösung und Dateiformat. Eine redaktionelle Bewertung oder eine Überprüfung der Rechte findet nicht statt. Damit allerdings verletze Amazon seine Prüfpflichten, entschied das Gericht.

Amazon haftbar für Veröffentlichung auf Marketplace

Der Konzern sei dafür verantwortlich, dass das urheberrechtlich geschützte Material über die eigenen Seiten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werde. Weil Amazon die Bilder mit Gewinnerzielungsabsicht nutze, müsse man auch für die Rechtsverletzungen einstehen. Das Argument, dass Ortlieb prinzipiell mit der Veröffentlichung von Werbeaufnahmen einverstanden sein müsse, ließ das Gericht nicht gelten. Schließlich sei aufgrund mehrerer Schreiben bekannt gewesen, dass der Produzent hochwertiger Bike-Rucksäcke ein selektives Vertriebsmodell verfolge.

Fazit

Obwohl die umstrittenen Fotos zurzeit gar nicht mehr auf Amazon zu sehen sind, will sich der Online-Riese mit dem Urteil des Münchner Landgerichts nicht zufriedengeben. In absehbarer Zeit muss also die nächste Instanz entscheiden, wie mit urheberrechtlich geschützten Werbefotos auf den Amazon-Produktseiten umzugehen ist.

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