Gewinnspielteilnahme: OLG-Urteil zu irreführender Werbung mit Bewertungen

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Positive Rezensionen sind für Onlinehändler nach wie vor ein wichtiges Verkaufsargument. Werben dürfen sie mit den Kundenmeinungen aber nur, wenn kein Geld oder andere Gegenleistungen dafür gezahlt wurden. Das dazu auch die Teilnahme an einem Gewinnspiel zählt, urteilte jetzt das Oberlandesgericht Frankfurt am Main.

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Jeder Klick ein Los

Um Facebook-Besucher zu Likes, Kommentaren und Bewertungen zu motivieren, lockte ein Vertreiber von Whirlpools mit einem Gewinnspiel. Für jede der Aktionen erhielten Nutzer je ein Los. Mehr Engagement steigerte also die Chance, selbst Besitzer eines kostenlosen Whirlpools zu werden. Wie viele Rezensenten nur aus diesem Grund eine Bewertung abgaben, ist nicht bekannt; immerhin zwei Personen allerdings bezogen sich in ihren Kritiken ausdrücklich auf das Gewinnspiel.

Konkurrent spricht von „gekauften“ Bewertungen

Die Zahl der abgegebenen Urteile und die Gesamtnote nutzte der Händler als Werbung: auf Facebook, Google-my-Business und 11880.com. Ein Mitbewerber, der ebenfalls Whirlpools über das Internet anbietet, sah darin eine Irreführung der Kunden. Das Landgericht Frankfurt am Main (Az. 3-6 O 47/18) gab ihm recht. Es untersagte die weitere Werbung mit allen Rezensionen, die im Zeitraum der Verlosung abgegeben worden waren. Der Whirlpool-Händler ging in Berufung. Sein Argument: Es sei nicht klar, welche Texte tatsächlich in der Hoffnung auf einen Hauptgewinn verfasst worden seien.

Möglichkeit des Gewinns beeinflusst Rezensionen

Laut Oberlandesgericht Frankfurt (Az. 6 U 14/19) reicht für eine Irreführung allerdings bereits die Möglichkeit aus, dass die Verfasser durch das Gewinnspiel beeinflusst worden sein könnten. Es sei davon auszugehen, dass ein nicht unerheblicher Teil der Bewertungen nur geschrieben worden sei, um die Chance auf den Hauptgewinn zu vergrößern. Das bedeute aber auch, dass es sich nicht um freie und unabhängige Meinungen handele. Genau dadurch entstehe die Irreführung für andere Seitenbesucher. Die nämlich schließen laut OLG durch die Zahl der Bewertungen auf den Bekanntheitsgrad des Unternehmers. Positive Äußerungen werden außerdem objektiv höher bewertet, als die Aussagen des Werbetreibenden selbst.

Fazit

Ein Onlinehändler verspricht allen Verfassern einer Bewertung die Teilnahme an einem Gewinnspiel. Doch der Schuss geht nach hinten los: Sämtliche Rezensionen, die im Zeitraum der Aktion auf seiner Seite eingehen, sind nun für Werbemaßnahmen gesperrt. Denn das Wettbewerbsgesetz fordert, dass Meinungsäußerungen in Online-Kritiken frei und unabhängig abgegeben werden.

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