Schnäppchenjagd oder Abzocke? BGH zum Schadensersatz bei geplatzten Auktionen

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Es kann eine gewinnbringende Masche sein: eBay-Nutzer bieten auf hochwertige Artikel mit niedrigem Startpreis und spekulieren auf einen vorzeitigen Auktionsabbruch. Will der Verkäufer die Ware dann nicht zum gebotenen Preis herausrücken, klagen sie als Höchstbietende den tatsächlichen Warenwert ein. Nun hatte der Bundesgerichtshof zu entscheiden: Missbrauchen solche „Abbruchjäger“ ihre Rechte?

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Artikel verschwunden – Angebot beendet

Ein Pirelli-Radsatz im Wert von rund 1500,- Euro zum Startpreis von nur 1,- Euro – das könnte ein echtes Schnäppchen werden, dachte sich ein erfahrener eBay-Fan. Bis zu einer Summe von 201,- Euro ging er mit. Dann allerdings beendete der Verkäufer die Auktion. Angeblich, weil die Ware zwischenzeitlich verschwunden war. Tatsächlich allerdings bot er einen identischen Radsatz in einer anderen Auktion an. Der enttäuschte Bieter forderte über mehrere Monate vergeblich die Herausgabe der Räder. Schließlich klagte er auf Schadensersatz.

Ging es gar nicht um die Ware?

Nach den Geschäftsbedingungen von eBay war trotz des Auktionsabbruchs ein wirksamer Kaufvertrag entstanden. Denn der Besitzer des Radsatzes konnte vor Gericht nicht glaubhaft darlegen, dass die Ware tatsächlich gestohlen worden war. Nun allerdings argumentierte er, der Bieter betreibe Rechtsmissbrauch. Er habe sich von Anfang an nicht für die Räder interessiert, sondern nur auf den Schadensersatz bei einem Auktionsabbruch abgezielt. Tatsächlich stellte sich heraus, dass der Mann bereits in über 100 ähnlichen Fällen nach einer vorzeitig beendeten Auktion Schadensersatz gefordert hatte. Handelte es sich also um einen typischen „Abbruchjäger“

Rechtsmissbrauch nur im Einzelfall erkennbar

Der BGH (Az. VIII ZR 182/17) stellte klar: Die Suche nach Schnäppchen macht ja gerade den Reiz der Auktionsplattform aus. Es sei daher vollkommen legitim, überwiegend auf hochwertige Produkte mit niedrigen Startpreisen zu bieten. Auch das Einklagen von Schadensersatz bei ungerechtfertigtem Abbruch einer Auktion stehe Nutzern selbstverständlich zu. Hinweise auf einen Rechtsmissbrauch lägen höchstens dann vor, wenn Bieter immer wieder ersteigerte Artikel nicht abholten. Auch dann aber müsse ein Gericht sämtliche Begleitumstände prüfen, um möglicherweise einen sogenannten „Abbruchjäger“ zu erkennen. Der Interessent der Pirelli-Reifen jedenfalls sei mit seiner Schadensersatzforderung im Recht.

Fazit

Nach Ansicht des Bundesgerichtshofs gibt es keine allgemeinen Kriterien, nach denen ein Schnäppchen- von einem Abbruchjäger unterschieden werden kann. Im vorliegenden Fall hatte der Bieter zwar schon vorher nach mehr als 100 Auktionsabbrüchen Schadensersatz gefordert. Dennoch war laut BGH davon auszugehen, dass er bei Abgabe seines Gebots lediglich einen attraktiven Artikel zum günstigen Preis ersteigern wollte.

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