Onlinehandel: 20 Millionen retournierte Artikel landen jährlich im Müll

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Soll Versandhändlern verboten werden, zurückgeschickte Waren zu vernichten? Grüne Politiker fordern das zumindest für neuwertige Retouren. Forscher der Universität Bamberg haben den Rückgabeprozess nun genauer unter die Lupe genommen. Sie kommen zu dem Schluss: Ein gesetzliches Vernichtungsverbot macht wenig Sinn.

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Warum werden so viele Rücksendungen entsorgt?

Die Zahl klingt zunächst erschreckend. 2018 haben deutsche Onlinehändler rund 20 Millionen retournierte Produkte vernichtet. Betroffen sind so ziemlich alle Sortimente: von Elektrogeräten über Möbel und Haushaltsprodukte bis hin zu Kleidung, Freizeitartikeln und Waren des täglichen Bedarfs. Eine Befragung von 140 Shopbetreibern durch die Uni Bamberg zeigt: Entsorgt werden vor allem niedrigpreisige Artikel mit einem Wert von unter 15,- Euro. Bemerkenswert ist: Bei rund 60 Prozent der vernichteten Artikel kommt eine Weiterverwendung gar nicht in Frage.

Vernichten billiger als Spenden

So sind etwa 10 Millionen der retournierten Produkte defekt oder können aus anderen technischen Gründen nicht wiederaufbereitet werden. Bei weiteren 5 Prozent handelt es sich um geschützte Marken oder Patente, deren Inhaber eine Verwertung im Rückgabefall verbieten. Immerhin wurden im vergangenen Jahr auch rund 7,5 Millionen Artikel vernichtet, die zumindest noch als Spende hätten weiter gegeben werden könnten. Eine Alternative, die eine Mehrheit der betroffenen Händler als unwirtschaftlich und aufwendig bezeichnet. Viele wissen nicht, wo sie welche Waren auch in kleinen Stückzahlen abgeben können. Andere scheuen den Verwaltungsaufwand oder geben an, dass die Umsatzsteuer bei gespendeter Ware die Entsorgungskosten übersteige.     

Zu mehr Verwertung motivieren

Trotz der Millionen vernichteter Waren kommen die Bamberger Forscher zu dem Schluss, dass deutsche Onlinehändler in Sachen Verwertung insgesamt vorbildlich handeln. Denn der Anteil der entsorgten Artikel an der gesamten Retourenmenge beträgt lediglich 3,9 Prozent. Das Entsorgen von Waren sei also nach wie vor die Ausnahme und nicht die Regel. Dennoch könne die Zahl weiter reduziert werden. Als mögliche Maßnahme wird in der Studie vorgeschlagen, ein Nachhaltigkeits-Siegel für das Retourenmanagement zu einzuführen. Außerdem könne die Politik spendenfreundlichere Rahmenbedingungen schaffen und die Entsorgung verteuern.

Fazit

Ein Verbot der Retourenvernichtung, wie es in Frankreich geplant ist, halten die Forscher für wirkungslos. Schließlich zeigten ihre Zahlen, dass es in vielen Fällen keine Alternative zur Entsorgung gebe. Darüber hinaus könne eine derartige Regelung in der Praxis wahrscheinlich leicht umgangen werden. Schließlich sei eine effektive Kontrolle enorm aufwendig oder sogar völlig unrealistisch.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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