Amazon: Studie belegt hohe Zahl von Arbeitsunfällen

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Lagerarbeiter im Onlinehandel tragen grundsätzlich ein höheres Verletzungsrisiko als ihre Kollegen an den Schreibtischen. Für Amazon scheint das allerdings in besonderem Maß zu gelten. Ein wissenschaftlicher Vergleich der Verletzungszahlen verschiedener Anbieter ergab nun: Angestellte in Amazon-Lagern fallen häufiger und dauerhafter wegen Arbeitsunfällen aus als die der Konkurrenz.

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Mehr Verletzte, langwierige Heilungsprozesse

Die Daten lassen wenig Interpretationsspielraum. Untersucht wurden standardisierte Aufzeichnungen zu Arbeitsunfällen in Amazon-Einrichtungen auf dem Gebiet der USA. Die Bilanz: Im Jahr 2020 wurden 5,9 Prozent der Lagerarbeiter so schwer verletzt, dass sie entweder arbeitsunfähig waren oder nur noch für leichte Tätigkeiten eingesetzt werden könnten. Damit lag die Rate fast doppelt so hoch wie der Durchschnittswert für Beschäftigte in US-amerikanischen Warenlagern. Der Heilungsprozess zog sich bei den Amazon-Arbeitern außerdem deutlich länger hin: Sie konnten durchschnittlich 46,3 Tage ihren Dienst nicht mehr ausüben, also über eineinhalb Monate. Zum Vergleich: Bei Konkurrenzunternehmen waren die Lagerarbeiter nach Arbeitsunfällen rund eine Woche früher wieder fit.

 

Wachstum auf Kosten der Arbeiter

Bedingt durch die Pandemie hat Amazon seinen Vorsprung vor anderen Onlinehändlern noch ausbauen können. In den Vereinigten Staaten stiegen die Verkaufszahlen im Jahr 2020 um 39 Prozent, so die Studie. Zwischen 2010 und 2020 konnte der Online-Gigant sein Jahresnettoeinkommen in den USA von gut einer Milliarde auf über 21 Milliarden US-Dollar steigern. Den Preis für das Wachstum dürften die Angestellten zahlen, vermuten die Autoren der Untersuchung des Strategic Organizing Center. Das lasse sich auch im direkten Vergleich mit dem schärfsten Konkurrenten erkennen. Beim zweitgrößten Online-Einzelhändler Walmart lag die Verletzungsrate für Lagerarbeiter nur bei 3 Prozent, also nicht einmal halb so hoch. Schwere Verletzungen trugen im vergangenen Jahr 1 Prozent der Walmart-Lagerarbeiter davon; bei Amazon lag die Rate bei 2,5 Prozent.

 

Fazit

Angesichts der auffällig hohen Zahl von Arbeitsunfällen bei Amazon sorgt eine gerade bekannt gewordene Mitarbeiterbroschüre für besonderes Aufsehen. Darin verspricht der Konzern, Lagerarbeiter würden sich zu regelrechten „Industrie-Athleten“ entwickeln. Wie Sportler müssten sie allerdings ihren Körper entsprechend vorbereiten. Dazu gehörten neben gesunder Ernährung und ausreichend Schlaf auch Stretching-Einheiten, Massagen und das Tragen geeigneten Schuhwerks.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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