Online-Shops und Bewertungen: Müssen Bewertungsportale auch negative Kundenmeinungen veröffentlichen?

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Kundenportale sind für Onlineshops ein wichtiges Marketinginstrument. Das LG Duisburg musste klären, ob ein Bewertungsportal, das "garantiert echte Kundenmeinungen" versprach, alle - also auch die negativen - Kundenmeinungen veröffentlichen muss.

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Was war geschehen?

Ein Unternehmen veröffentliche auf seiner Webseite ein Werbebanner, das mit (hauptsächlich positiven) Kundenmeinungen warb. Durch einen Klick auf diesen Werbebanner gelangte der Internetnutzer auf die (externe) Webseite des Anbieters von Kundenbewertungen. Auf dieser Webseite war eine Vielzahl von Kundenbewertungen veröffentlicht.

Allerdings wurden in der Regel nur die positiven Kundenbewertungen veröffentlicht. Die negativen Bewertungen wurden teilweise gar nicht veröffentlicht, da der Betreiber des Kundenbewertungsportals neutrale oder negative Bewertungen einfach zurück hielt. Das war dem Unternehmen auch bekannt. Einen Hinweis darauf, dass ausschließlich positive Kundenmeinungen veröffentlicht wurden, suchte man jedoch vergeblich.

Das Urteil des Gerichts

Das LG Duisburg (Urteil vom 21.03.2012, Az.: 25 O 54/11) hat entschieden, dass diese Art der Werbung irreführend ist. Der Händler, der den Dienst des Kundenbewertungsportals in Anspruch genommen hat, hat explizit damit geworben, dass "garantiert echte Kundenmeinungen" veröffentlicht werden. Tatsächlich jedoch wurden neutrale oder negative Bewertungen von Kunden nicht veröffentlicht. Somit liegt eine Irreführung der Kunden vor, da man als Kunde davon ausgehen können muss, dass in die Bewertungen sowohl positive als auch negative oder neutrale Bewertungen einfließen.

Gängige Praxis dieses Bewertungsportals war es aber vielmehr, zunächst nur positive Bewertungen zu veröffentlichen, während bei neutralen oder gar negativen Kundenbewertungen vor der Veröffentlichung bei den Kunden nochmals nachgehakt wurde, ob dieser die Bewertung tatsächlich so abgeben möchte. Sofern sich der Kunde nicht mehr gemeldet hat, wurde die negative Bewertung wieder entfernt bzw. erst gar nicht veröffentlicht.

Auf diese Praxis wurde der Internetnutzer allerdings nicht hingewiesen – vielmehr war nach den Ankündigungen in den Werbeaussagen davon auszugehen, dass die angezeigten Kundenbewertungen ungefiltert veröffentlicht wurden. Der Kunde wurde somit getäuscht.

Fazit:

Bei der Veröffentlichung von Kundenmeinungen ist stets zu beachten, dass man alle Kundenmeinungen unzensiert veröffentlichen muss – sofern man nicht zugeben will, dass hauptsächlich nur positive Bewertungen veröffentlicht werden.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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