Facebook: Müssen User ihren Account vor Missbrauch schützen?

(2 Bewertungen, 5.00 von 5)

Ab und an kommt es vor, dass Konten bei ebay oder Facebook für Schindluder missbraucht werden. Aber wann ist der eigentliche Account-Inhaber für den Missbrauch seines Kontos verantwortlich? Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main hat sich mit dieser Frage beschäftigt.

Posts auf Facebook-Pinnwand beleidigen Eventveranstalter

Ein Eventveranstalter musste feststellen, dass sich auf der Facebook-Pinnwand des späteren Beklagten beleidigende Inhalte befanden. Sowohl der Veranstalter als auch seine Mutter bekamen ihr Fett weg. Der Betroffene fühlte sich in seinem Persönlichkeitsrecht verletzt und verlangte Schadensersatz in Höhe von mehreren tausend Euro.

Es kam dann, wie es kommen musste: Der Fall landete vor Gericht. Im Prozess verteidigte sich der Account-Inhaber damit, dass er für den Beitrag überhaupt nichts könne. Einer seiner Facebook-Freunde habe den Beitrag auf die Pinnwand des Users gepostet. Das Oberlandesgericht Frankfurt am Main musste nun entscheiden, ob sich der Inhaber des Facebook-Kontos mit dieser Ausrede aus der Affäre ziehen konnte.

Account-Inhaber hätte Zugangsdaten besser sichern müssen

Das Oberlandesgericht (Urteil vom 21. Juli 2016, Az. 16 U 233/15) war nicht überzeugt. Der User musste an den Eventveranstalter Schadensersatz wegen einer Persönlichkeitsrechtsverletzung zahlen. Es spielte keine Rolle, dass der User darauf verwies, dass ein Dritter den Beitrag gepostet hatte. Das Gericht zog die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes für den Missbrauch eines ebay-Kontos heran.

Danach gilt auch für Kontoinhaber bei Facebook Folgendes: Jeder User muss seine Zugangsdaten ausreichend vor fremden Zugriff und damit Missbrauch schützen. Tut er das nicht, muss er sich so behandeln lassen, als habe er selbst den rechtsverletzenden Inhalt veröffentlicht, wenn sich ein Dritter mit den Zugangsdaten Zugriff auf den Account verschafft und den Post veröffentlicht.

Für Außenstehende ist nämlich nicht klar, welche Person unter dem Facebook-Konto postet. Die Kontrolldaten und das Passwort, welche beide einem Mitgliedskonto zugeordnet sind, identifizieren immer einen bestimmten User. Es spricht deswegen eine sogenannte „unwiderlegliche Vermutung“ dafür, dass der User selbst den rechtsverletzenden Inhalt veröffentlich hat.

Der beklagte Account-Inhaber haftet deswegen. Er hatte im Prozess dummerweise vorgetragen, dass er mit seinen Zugangsdaten relativ lax umging. Wegen des unzureichenden Schutzes der Zugangsdaten, war der User deswegen für die beleidigenden Posts verantwortlich.

Praxis-Tipp:

Um kostspielige Abmahnungen und Gerichtsprozesse zu vermeiden, müssen Facebook-User ihre Zugangsdaten hinreichend vor Missbrauch schützen. So wurde es dem Beklagten in dem eben beschriebenen Fall beispielsweise zum Verhängnis, dass er sich mit seinen Zugangsdaten auf den PCs von Freunden eingeloggt hatte, ohne sich anschließend wieder auszuloggen bzw. die automatische Speicherung seines Passworts zu verhindern.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Captcha Aktualisieren
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Facebook und Auftragskiller: Abmahnung und Anwaltskosten wegen Beleidigung des Ex-Ehemanns? Im sozialen Netzwerk Facebook hatte eine Frau nach ihrer Scheidung gepostet, dass ein Anwalt teurer als ein Auftragskiller sei, es aber unbezahlbar sei, den E...
Weiterlesen...
Facebook Rights Manager: Abmahnungen auf Knopfdruck? Im Konkurrenzkampf mit dem Videoportal YouTube setzt das soziale Netzwerk jetzt auf ein Werkzeug, das neue Inhalte systematisch nach illegalen Kopien durchsucht...
Weiterlesen...
Facebooks Geschäftsmodell: Was kommt nach dem Newsfeed? Klagen, Hacks und Datenschutzprobleme: Trotz dieser krisenartigen Zeiten hält sich Facebook weiter unbeeindruckt am Markt. Ein Problem sieht jedoch selbst Mark ...
Weiterlesen...
Facebooks Libra: Diese Währungen stehen hinter dem Coin Facebook will seine Digitalwährung Libra bereits im nächsten Jahr auf dem Markt einführen. Jetzt gab das Unternehmen bekannt, welche Währungen hinter dem Coin s...
Weiterlesen...
Bundesweite Razzia: Polizei durchsucht 60 Wohnungen wegen Internet-Hetze auf Facebook Hasspostings im Internet sind strafbar. Dass sie auch verfolgt werden, ist jetzt bei einer Razzia in 14 Bundesländern deutlich geworden. Die Polizei hat dabei d...
Anzeige DSGVO

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Hinweis: Sie können den Newsletter von eRecht24  jederzeit und kostenfrei abbestellen. Ihre Daten werden nur zum Versand des Newsletters genutzt. Wir geben Ihre Daten nicht weiter. Mehr Informationen zum Umgang mit Nutzer-Daten finden Sie in unserer Datenschutz-Erklärung.

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingDatenschutzRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details

datenschutz5

Impressumspflicht: 7 wichtige Fragen zum Impressum für Webseiten

Jede Webseite braucht ein Impressum. Gut, nicht jede Seite. Aber geschätzt 90% aller Webseiten und Blogs unterliegen der Impressumspflicht nach TMG, auch Anbieterkennzeichnung genannt. Impressumsverstöße sind seit Jahren einer der Abmahnklassiker im Netz. Dabei ist es gar nicht so schwer, ein vollständiges Impressum zu erstellen und korrekt auf der eigenen Seite einzubinden. Wir zeigen Ihnen die häufigsten Fehler und Abmahnfallen und sorgen dafür, dass Sie diese Sorge los werden. Weiterlesen »

datenschutz5

DSGVO: Das müssen Webseitenbetreiber und Unternehmer wissen!

Datenschutz ist für alle Webseitenbetreiber, Unternehmer sowie Shopbetreiber und Dienstleister bereits seit Jahren ein wichtiges Thema. Nutzertracking, Kundenbestellungen, E-Mail Kampagnen: überall spielt der Datenschutz eine wesentliche Rolle. 2018 kamen auf alle Unternehmen weitreichende Änderungen zu: Seit dem 25. Mai 2018 gilt die neue EU Datenschutzgrundverordnung (EU-DSGVO) auch in Deutschland verbindlich. Diese stellt viele Grundsätze des Datenschutzrechts nach dem alten BDSG auf den Kopf. Weiterlesen »

datenschutz5

Cookie-Hinweis und Einwilligung auf Webseiten: Quatsch oder Pflicht?

Viele Seitenbetreiber konfrontieren ihre Besucher mit einem Cookie-Hinweis auf der Webseite. So einfach ist das Thema "Cookies auf Webseiten" aber leider nicht umzusetzen. Brauchen Seitenbetreiber überhaupt einen Cookie Hinweis oder sogar eine Einwilligung? Wenn ja, für alle Cookies? Welche Rolle spielt das aktuelle EuGH-Urteil dabei? Was ist ein Consent Tool? Welche Hinweise müssen dann in der Datenschutzerklärung stehen? Und wie genau sollte der Text für die Cookie Warnung aussehen? Weiterlesen »

datenschutz5

Der Arbeitsrecht-Ratgeber für Arbeitnehmer und Arbeitgeber

Arbeitgeber und Arbeitnehmer stehen durch die Nutzung des Internet vor vielen neuen Fragen: Surfen am Arbeitsplatz, die Haftung des Arbeitgebers für illegale Aktivitäten der Mitarbeiter, Kündigungen wegen privater Internetnutzung, IT-Sicherheit, etc. Darüber hinaus benötigen Themen wie Abmahnung, Arbeitnehmerrechte und Arbeitgeberpflichten immer wieder aufs Neue Klärung um beiden Seiten gerecht zu werden.  Weiterlesen »

datenschutz5

Garantie, Gewährleistung und Produkthaftung: Wo ist der Unterschied

Die Begriffe "Garantie", "Gewährleistung" und "Produkthaftung" spielen für Käufer und Verkäufer eine große Rolle. Allerdings werden die Begriffe immer wieder verwechselt, falsch verstanden oder nicht richtig angewendet. Gerade bei Käufen und Verkäufen im Internet ist es wichtig, den Unterschied zwischen Garantie und Gewährleitung zu kennen. Hier besteht im Gegensatz zum stationären Handeln oft nicht die Möglichkeit, schnell mal beim Vertragspartner vorbeizugehen und auftretende Probleme zu lösen. Weiterlesen »

datenschutz5

Filesharing Abmahnung: So reagieren Sie richtig!

Wenn Sie eine Abmahnung wegen Filesharing erhalten haben, heißt es Ruhe bewahren! Wichtig: Wenn Sie jetzt richtig und schnell reagieren, können Sie sich hohe Kosten und viel Ärger ersparen. Wir zeigen Ihnen Schritt für Schritt, was hinter einer Filesharing Abmahnung steckt, was Sie jetzt tun müssen und welche Fehler Sie unbedingt vermeiden sollten. Weiterlesen »

Support