Facebook: Soziales Netzwerk trackt "gefährliche Nutzer"

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Um seine Büros und Angestellten zu schützen, greift Facebook offenbar auf zweifelhafte Methoden zurück. Hunderte möglicherweise gefährliche Nutzer werden mithilfe ihrer App-Daten durch ein Sicherheitsteam überwacht. Um als Bedrohung eingestuft zu werden, braucht es nicht viel: Wer einen Post des CEO mit „Fuck you, Mark Zuckerberg“ kommentiert, kann bereits auf der Liste der Verdächtigen landen.

Big Brother sieht Deine Daten

„Eines Tages werdet Ihr dafür bezahlen“, so oder so ähnlich lautete der Post an eine der europäischen Facebook-Niederlassungen. Anlass genug für die Sicherheitscrew, den derzeitigen Standort des Absenders zu überprüfen. Da sich der Nutzer im selben Land aufhielt, wie das angesprochene Unternehmensbüro, galt er nun als potenzielle Gefahr.

Der Konzern informierte die örtlichen Behörden und ließ das Profil des Users genauer beobachten. Solche und ähnliche Vorgänge haben zwölf ehemalige Mitarbeiter des Facebook-Sicherheitspersonals jetzt dem Fernsehsender CNBC geschildert. Sie vergleichen die Situation mit der ständigen Beobachtung durch einen „Big Brother“.

Kein Lunch für Zuckerberg-Kritiker

Tim Bradley, Sicherheitsberater bei Facebook, weist Kritik am Vorgehen zurück. Jedes Unternehmen müsse seine Angestellten beschützen. Wie man die dafür notwendigen Informationen beschaffe, sei zweitrangig. Allerdings verfügt das soziale Medium über deutlich mehr Möglichkeiten, als andere Arbeitgeber. Die eigene Plattform und verknüpfte Apps helfen dabei, das Verhalten und die Bewegungsprofile von Zielpersonen auszuspähen. Das führt bisweilen zu grotesken Situationen. Ein ehemaliger Angestellter beschreibt, wie er sich mit einem Freund zum Mittagessen auf dem Firmengelände in Menlo Park verabredet hatte. Er fand seinen Bekannten schließlich im Eingangsbereich, umringt von mehreren Sicherheitskräften, die ihm den Zutritt verweigerten. Der Grund: mehrere Posts, die er an Mark Zuckerberg geschrieben hatte.

Wer fliegt, kommt häufig nicht mehr rein

„Be on Lookout“, oder kurz: BOLO, so heißt das Verzeichnis der zu beobachtenden Personen im Firmenjargon. Neben bedrohlichen Nutzern werden hier auch zahlreiche ehemalige Angestellte geführt. Nach den Aussagen der Zeugen muss man nicht unbedingt Firmeneigentum entwendet haben, um als unerwünscht zu gelten. Wer vom Konzern entlassen werde und auf die Kündigung „emotional reagiere“, lande mit hoher Wahrscheinlichkeit auf der BOLO-Liste. Besonders unangenehm werde das, wenn die Personalabteilung eines Tages wieder auf frühere Mitarbeiter zurückgreifen wolle. Schon mehrfach sei der Weg zum Vorstellungsgespräch vom Sicherheitspersonal verwehrt worden.

Fazit

Wie jeder Weltkonzern wird auch Facebook immer wieder Opfer von Angriffen und Drohungen. Zum Schutz des Unternehmens allerdings scheint man vor allem auf die eigenen Informationskanäle und Tracking-Systeme zu setzen. Der Bericht ehemaliger Mitarbeiter lässt vermuten, dass dabei auch rechtlich fragwürdige Maßnahmen an der Tagesordnung sind. Ein Sprecher der Sicherheitsabteilung hat die Anschuldigungen zurückgewiesen.

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