Sexualstraftaten: Heimliche Chat-Überwachung bei Facebook?

(1 Bewertung, 5.00 von 5)

Vor Kurzem wurde bekannt, dass das weltgrößte soziale Netzwerk mithilfe eines geheimen Algorithmus gezielt Daten – speziell die Chat-Nachrichten – seiner User scannt, um Straftaten zu verhindern, was User auch bereits ahnten. Mit dieser Maßnahme soll präventiv gegen Kriminelle vorgegangen werden, um insbesondere Minderjährige vor sexuellen Übergriffen zu schützen.

Unter Datenschützern ruft diese „Totalüberwachung“ erhebliche Bedenken hervor, wohingegen Strafverfolgungsbehörden die Vorgehensweise begrüßen.

Überwachungssoftware gegen Kriminalität?

In dem Beitrag „Gericht beschlagnahmt Facebook Nutzerprofil“ berichteten wir vor einiger Zeit, dass sich Kriminelle nicht selten über soziale Netzwerke vor einer Straftat austauschen, was sich aus den Logdaten entnehmen lässt. Facebook Sicherheitschef Joe Sulllivan erklärte gegenüber einer Nachrichtenagentur, dass sich die private Kommunikation der Mitglieder automatisch überwachen und auswerten lässt. Hiernach wird die private Nachrichtenkommunikation nach Schlüsselbegriffen gescannt, anschließend wird die Analyse mithilfe bekannter Chat-Protokolle durchgeführt.

Hinzu kommen Informationen zu den Usern wie z.B. das Alter oder die Beziehungen der User untereinander. Soweit die Facebook-Algorithmen Alarm schlagen, erhalten Mitarbeiter von Facebook eine Meldung. Diese entscheiden bei Verdacht auf eine Straftat anschließend darüber, ob die Chat-Auswertung an die Strafverfolgungsbehörden übermittelt wird.

Jedoch werden nicht alle Konversationen im gleichem Maße gescannt. Entscheidend sei hier insbesondere das Alter der User. Sofern das US-Unternehmen davon ausgeht, dass sich die User, die miteinander kommunizieren, nicht persönlich kennen, werden diese besonders überwacht. Dies gilt insbesondere, wenn die Facebook-User noch nicht lange im sozialen Netzwerk „befreundet“ sind und keine gemeinsamen Freunde haben. Aber auch andere Unternehmen „überwachen“ ihre User. Wer etwa Besitzer einer E-Mail Adresse von Google ist, der muss zustimmen, dass der Inhalt gelesen und die passende Werbung eingeblendet wird.

Anzeige

Fahndungsaktivitäten über Facebook auch in Deutschland

Die Möglichkeit der Überwachung der Kommunikation über Facebook ist ebenso für deutsche Strafverfolgungsbehörden von großem Interesse. Auch wenn deutsche Behörden im Fall eines Beschuldigten keine Einsicht in ein deutsches Facebook-Nutzerkonto erhalten haben, könnte sich dies künftig ändern. Zwischen den Verantwortlichen wurden bereits Gespräche geführt, dass Fahndungsaktivitäten der deutschen Justiz auf Facebook ausgedehnt werden sollen und bis Herbst 2012 eine Lösung gefunden wird. Damit sind auch deutsche Facebook-User von dieser Technik betroffen, denn im Falle einer Straftat kooperiert das Unternehmen mit deutschen Behörden.

Kommunikations-Überwachung stößt auf Kritik unter Datenschützern

 „So unterstützenswert das Ziel ist, sexuelle Belästigungen oder Schlimmeres zu verhindern, so muss dies doch rechtskonform erfolgen“, erklärte der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit in Rheinland-Pfalz, Edgar Wagner. Ferner dürfe sich ein Unternehmen, deren Aufgabe es ist die Kommunikation zu ermöglichen, derartige Überwachungen nicht erlauben. So könne auch nicht die Telekom alle Telefonate unter ähnlichen Aspekten kontrollieren, da ein solches Vorgehen mit unserer Rechtsordnung nicht vereinbar ist.

Völlig intransparent sei ebenso, ob und wie lange solche lediglich Verdachtsfälle gespeichert werden und an wen die Daten anschließend weitergegeben werden. Hiernach dürfe sich Facebook nicht die Befugnisse anmaßen, die grundsätzlich Strafverfolgungsbehörden zustehen. Darüber hinaus müsse vor allem verhindert werden, dass User ungerechtfertigt verdächtigt werden, erläuterte Wagner. Kriminologen halten die Chatüberwachung Facebooks für einen problematischen Eingriff in die Privatsphäre und fordern, dass Datenschützer dagegen vorgehen.

Darüber hinaus haben ebenso einige Facebook-Mitglieder Bedenken, dass das Unternehmen die private Kommunikation tatsächlich nur für den Zweck der Strafverfolgung überwacht. User, die das soziale Netzwerk für diverse Zwecke verwenden, sollten ihr Online-Verhalten überdenken, denn wenn die automatische Software eine Alarmmeldung an die Mitarbeiter Facebooks sendet, findet die Kommunikation nicht mehr lediglich unter vier Augen statt.

Anzeige
Kommentare  
Frank Blumenfeld
0 # Frank Blumenfeld 24.08.2016, 22:53 Uhr
Zum Thema Facebook habe ich am 18.8.2016 einen Bericht auf meiner Homepage http://flowerfie1.square7.ch/ mit dem Titel, Die etwas "andere Seite" von Facebook veröffentlicht, die mich über alle Maßen Schikanieren seit ich dort eine Gruppe zum Thema Obdachlosigkeit gegründet habe. Diese Gruppe heißt seit Anfang Juli Engagiert gegen Obdachlosigkeit. Wie Facebook auch Betrüger duldet ist in meinem neuen Bericht genau erklärt .
Antworten | Antworten mit Zitat | Zitieren | Dem Administrator melden
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Facebook-Marketing: So nutzen Sie Facebook-Pages rechtssicher für Ihr Unternehmen Immer mehr Unternehmen drängen in das Web 2.0. Der eigene Facebook-Auftritt ist dabei derzeit das beliebteste Werkzeug im Bereich „Social Media“. Allerdings kön...
Weiterlesen...
Achtung Seitenbetreiber: Facebooks Like-Button auf Webseiten kann abgemahnt werden Datenschützern war der Facebook Like Button schon lange ein Dorn im Auge. Facebook sammelt über dieses Tool millionenfach Daten ohne Wissen der Nutzer. Der Face...
Weiterlesen...
Facebook: Wann haften Nutzer für das „Teilen“ eines Beitrags? Um die Nutzung bestimmter Facebook-Funktionen herrscht immer wieder Streit. Das Oberlandesgericht Frankfurt hat nun entschieden, ob Mitglieder des sozialen Netz...
Weiterlesen...
Facebook Impressum: Impressumspflicht gilt auch für Facebook-Seiten   Die Frage nach einem rechtssicheren Impressum beschäftigt die Gerichte seit Jahren. Jetzt hat das LG Aschaffenburg entschieden, wann Facebook Profile un...
Weiterlesen...
Achtung Arbeitgeber: Abmahnung, weil Angestellter bei Facebook auf Gewinnspiel des Arbeitgebers hinweist Das soziale Netzwerk Facebook wird von vielen genutzt, um andere an ihrem Privatleben teilhaben zu lassen. Doch welche Folgen kann es haben, wenn ein Mitarbeite...
Anzeige DSGVO
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.

SSL-Zertifikate, Code-Signing, S/MIMEOrdnungsgemäße Rechnungen einfach online erstellen!Suchmaschienoptimierung & OnlinemarketingRechtsschutzversicherungRechtliche OnlineShop-PrüfungFairness im Handel
Anzeige
eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details
Support