Phishing-Angriff: Haftung der Bank bei unsicherem Online Banking System

(0 Bewertungen, 0 von 5)

Um an die Bankdaten von Online-Banking Kunden zu gelangen, ahmen Täter im Rahmen von Phishing Attacken ganze Bank Webseiten nach. So gelangen sie an die Passwörter und TAN-Listen des Kunden und räumen deren Konten daraufhin leer. Grundsätzlich haftet die Bank bei einer Schädigung des Kunden dabei vollständig. Etwas anderes kann sich jedoch nach einer aktuellen Entscheidung des Kammergerichts Berlin ergeben.

Was war geschehen?

Eine Bankkundin wollte eine Online-Überweisung bei ihrer Bank tätigen. Während der Überweisung öffnete sich ein weiteres Fenster, in welchem sie auf einer der Bankwebseite täuschend ähnlich aussehenden Webseite aufgefordert wurde, vier weitere ungenutzte TAN-Nummern einzugeben, da die erste Überweisung nicht erfolgreich abgeschlossen werden konnte. Als die Kundin am folgenden Tag ihr Konto begutachtete, war dieses um 14.500 Euro erleichtert worden und sie Opfer einer Phishing Attacke geworden.

Sie wandte sich daraufhin an Ihre Bank und verlangte Zahlung der Schadenssumme in Höhe von 14.500 Euro. Diese weigerte sich zur Zahlung, da die Kundin ohne weitere Prüfung den Betrügern fahrlässig Zugriff auf das Konto ermöglichte und verlangte ihrerseits Schadensersatz von der Kundin.

Entscheidung des Gerichts

Das Kammergericht Berlin hatte sich Ende November (Urteil vom 29.11.2010 – Az.: 26 U 159/09) mit der Sache zu beschäftigen und gab der Klage zum größten Teil statt. Zwischen der beklagten Bank und der klagenden Kundin bestehe ein wirksamer Girovertrag. Durch die ungerechtfertigten Abbuchungen stehe der Kundin damit im Grundsatz ein Schadensersatzanspruch gegenüber der Bank zu, so das Gericht.

Grundsätzlich stehe der Bank jedoch selbst auch ein Schadensersatzanspruch gegenüber der Kundin zu, wenn diese unachtsam das Online Banking System verwendet, welcher im Ergebnis bis zum vollständigen Ausschluss der Haftung führen könne. Allerdings sei dieser Anspruch im vorliegenden Fall um 70% zu kürzen. Begründet wurde dies von den Berliner Richtern damit, dass die Bank ihrerseits Sorgfaltspflichten verletzt habe, indem sie zur Entstehung des Schadens bei der Kundin beigetragen haben. Die beklagte Bank verwende gerade kein aktuelles und sicheres iTan-Verfahren im Rahmen ihres Online Banking Angebots, womit ein solcher Angriff verhindert worden wäre, sondern ein veraltetes, unsicheres System.

Fazit

Verwendet eine Bank ein unsicheres Online Banking System, so haftet sie dem Kunden gegenüber auch dann auf Schadensersatz, wenn diesem selbst ein Verschulden hinsichtlich der Phishing Attacke zukommt. Der Kunde muss sich seinen Schadensersatzanspruch nur geringfügig um seinen eigenen Mitverschuldensanteil kürzen lassen, da er beim Online Banking auf verdächtige Vorkommnisse – insbesondere mehrfache TAN-Eingabe - achten müsse.

Anzeige
Sagen Sie uns Ihre Meinung zum Thema.
Diese Beiträge könnten Sie ebenfalls interessieren:
Weiterlesen...
Online-Shops: Müssen die Versandkosten ins Ausland angegeben werden? Online-Händler sind beim Verkauf über ihre Online-Plattformen dazu verpflichtet, dem Kunden bestimmte Informationen rund um das Produkt zu geben. Ob zu den Pf...
Weiterlesen...
Verkaufsverbot: Keine Adidas - Artikel mehr bei Amazon und eBay? Der Hersteller von Sportartikeln Adidas hat angekündigt, den Verkauf seiner Produkte über Online-Verkaufsplattformen wie Amazon, eBay & Co. verbieten zu wol...
Weiterlesen...
Impressum für Webseiten: Ist eine kostenpflichtige Telefonnummer im Impressum erlaubt? Das Telemediengesetz (TMG) verpflichtet Onlinehändler dazu, im Impressum der Internetseite eine schnelle und unmittelbare Kontaktmöglichkeit für den Kunden be...
Weiterlesen...
Online-Shops: Abmahnung wegen Werbung mit "24 Monaten Gewährleistung"? In Zeiten von immer mehr Einkaufsmöglichkeiten über das Internet wird es für Online-Händler immer schwieriger, sich von ihren Konkurrenten abzuheben. Viele On...
Weiterlesen...
E-Commerce: Wie lange dürfen Händler alte aber ungebrauchte Ware als „neu“ anpreisen? Immer wieder kommt es vor, dass Händler Produkte als neuwertig bewerben, obwohl es diese gar nicht sind. Das Saarländische Oberlandesgericht musste sich in di...
Anzeige Datenschutz-Kit
Anzeige
Anzeige

Der eRecht24 Newsletter

Immer bestens informiert

Bleiben Sie mit unseren kostenlosen Updates zum Internetrecht auf dem neuesten Stand. Infos, Urteile, Checklisten, Sonderangebote.

Prüfen Sie, ob Ihre Widerrufsbelehrung aktuell ist.

Geben Sie die URL Ihrer Widerrufsbelehrung ein.
Beispiel Shop: http://www.shopxyz.de/widerruf.html
Beispiel eBay: http://www.ebay.de/usr/EBAYUSER

loading...
Jetzt Premium-Mitglied werden

Ab Heute gestalten Sie Ihre Website ohne Angst vor Abmahnwellen und ohne teuren Anwalt abmahnsicher.

Alle Videos, Live-Webinare, E-Books, Tools und zahlreiche Rabatte.

Jetzt Mitglied werden

Mehr Informationen zu eRecht24 Premium

Impressum-Generator

Keine Chance für Abmahner

Erstellen Sie kostenlos ein rechtssicheres Impressum für Ihre Website.

Jetzt Kostenlos Impressum generieren

Rechtsberatung vom Anwalt

Haben Sie ein konkretes rechtliches Problem? Dann wenden Sie sich bitte einen Anwalt. Auf unseren Seiten finden Sie zahlreiche allgemeine Informationen zum Internetrecht. Fundierte Rechtsberatung im Einzelfall kann allerdings nur ein spezialisierter Rechtsanwalt leisten.

Inhalte kostenlos übernehmen

Der eRecht24 Newsticker

kostenfreie aktuelle Inhalte zum Internetrecht

Individuell für Ihre Website angepasst!

 

SSL-Zertifikate

Steigern Sie das Vertrauen Ihrer Kunden. Für Betreiber von Onlineshops und kommerziellen Webseiten unabdingbar:

SSL-Verschlüsselung, SSL-Zertifikate und Trust-Logos

Rechnungen online erstellen

Erstellen Sie Ihre Rechnungen gemäß den Anforderungen des Finanzamts doch einfach online!

Mit easybill bequem ordnungsgemäße Rechnungen schreiben inkl. digitaler Signatur und Datenexport zum Steuerberater. Anforderungen an korrekte Rechnungen mit Mustern und Beispielen.

IT-Recht endlich verständlich

Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

Er berät Unternehmer, Shops und Seitenbetreiber in allen Fragen des Rechts der neuen Medien.
www.kanzlei-siebert.de

Als Betreiber von eRecht24 ist er seit mehr als 15 Jahren auch als Internet-Unternehmer tätig. Deshalb finden Sie auf eRecht24 Tipps und Tricks eines spezialisierten Rechtsanwalts, aber verständlich und praxisnah erklärt.        

eRecht24 - Unsere praktischen Tools und hilfreichen Tutorials

mitgliederbereich teaser

Exklusiv für unsere Mitglieder

Alles was Webseitenbetreiber, Agenturen und Selbständige wirklich brauchen: Videos und E-Books, Musterverträge und Erstberatung, Tools und Live-Webinare.

Mehr Informationen

dsgvo teaser

DSGVO Schnellstarter-Paket

Das Datenschutzrecht ändert sich ab Mai 2018 vollständig. Sind Sie bereit für die DSGVO? Mit unserem Schnellstarter-Paket sichern Sie Ihre Webseite ab.

Jetzt absichern

webinar teaser

Online Schulung mit Rechtsanwalt Siebert

Die 7 häufigsten Abmahnfallen auf Webseiten und wie Sie diese schnell, einfach und ohne teuren Anwalt vermeiden. So haben Abmahner bei Ihnen keine Chance!

Mehr Details