Datenschleuder Smart TV: US-Hersteller spioniert Zuschauer aus und verkauft Daten für Werbung

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In immer mehr deutschen Haushalten stehen sie: Fernseher, die einen Zugang zum Internet ermöglichen. Dabei ist längst bekannt, dass über die Geräte auch viele Informationen zu den Sehgewohnheiten der Nutzer weitergegeben werden können. Dass das ein lukratives Geschäft für die Hersteller der Smart TVs ist zeigt sich nun in den USA: Systematisch hat dort der Elektronikkonzern Vizio seine Kunden ausspioniert und die Daten der Werbeindustrie angeboten.

Sehgewohnheiten mit IP-Adressen weiterverkauft

Rund 11 Millionen Fernsehgeräte sollen betroffen sein, die der kalifornische Konzern in den vergangenen sieben Jahren abgesetzt hat. Sie wurden ab Werk oder durch nachträgliche Updates mit einer hoch effizienten Software ausgestattet, von deren Funktionsweise die Käufer der Geräte allerdings nichts ahnten:

Durch sekündliche Analyse der Pixel auf dem Fernsehbildschirm war das Programm in der Lage, die gesehenen Inhalte zu erkennen. Dabei wurde nicht nur das aktuelle Fernsehprogramm gescannt. Auch Inhalte aus dem Internet oder extern angeschlossenen Geräten erfasste das System. Sämtliche Informationen – rund 100 Milliarden Datenpunkte pro Tag - speicherte Vizio zunächst auf seinen Servern, um sie dann an interessierte Werbetreibende weiter zu verkaufen.

Zwar gab Vizio keine Namen weiter, dafür allerdings die IP-Adressen zu den Datensätzen. Damit ließen sich dann in weiteren Schritten auch die Adressen der Nutzer, ihr Alter, Haushaltseinkommen, Bildungsstand und weitere persönliche Informationen zuordnen.

Irreführung der Käufer

Die Besitzer saßen derweil ahnungslos vor den Geräten. Vizio hatte ihnen lediglich erklärt, dass ihre Fernseher dank der sogenannten „Smart Interactivity“ in der Lage seien, ihnen speziell auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Programmempfehlungen zu senden.

Die Handelsbehörde Federal Trace Commission verklagte den Konzern nun unter anderem wegen unlauterer Geschäftspraktiken und Irreführung der Verbraucher. Man einigte sich auf eine Strafzahlung von 2,2 Millionen US-Dollar. Außerdem muss Vizio offenlegen, welche Daten im Einzelnen gespeichert und weitergegeben wurden. All diese Informationen sind zu löschen. Auch eine Unterlassungserklärung ist in der Einigung enthalten. Sollte das Unternehmen auch in Zukunft Angaben über das Sehverhalten der Verbraucher speichern wollen, müssen diese vorher um Erlaubnis gefragt werden.

Fazit:

Die Aufregung um das Geschäft mit Daten wird dem Hersteller von FIachfernsehern sicher nicht nützen. Mit Entschuldigungen will sich Vizio aber offenbar nicht lange aufhalten. In einer Stellungnahme zeigt sich der Konzern vor allem erfreut über die Einigung mit der Handelsbehörde. Man habe damit einen "neuen Datenschutzstandard" für smarte TV-Geräte erreicht.

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