Lauschangriff: Tausend Smartphone-Apps werten Hintergrundgeräusche aus

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Sie ist versteckt in unscheinbaren Spiele-Anwendungen für Kinder und Erwachsene: eine Software, die das Handy-Mikrofon nutzt, um unser Konsumentenverhalten zu analysieren. Das Vorgehen, das die New York Times vor wenigen Tagen aufdeckte, ist nach Meinung des Herstellers völlig legal. Denn jeder User muss bei der Installation den Nutzungsbedingungen zustimmen, in denen auf die Lauschfunktion hingewiesen wird.

Auch Kinder werden abgehört

Betroffen ist eine App zur Überwachung der Blutzuckerwerte ebenso wie unterhaltsame Spiele mit Zahlen, Buchstaben und animierten Tierfiguren. Die meisten der Anwendungen brauchen das Mikrofon des Telefons gar nicht. Trotzdem wird es bei der Installation mit der Zustimmung zu den AGB freigeschaltet. In der App enthalten ist auch die Software von Alphonso, einem kalifornischen Start-up, das Werbeforschung für große Unternehmen betreibt. Befindet sich Alphonso erst einmal auf dem Smartphone, arbeitet das Programm selbstständig. Auch dann, wenn die Anwendung, mit der es heruntergeladen wurde, nicht aktiv ist.

Perfektes Marketing durch gläserne Nutzer

Egal, ob das Handy in der Hosentasche steckt, oder direkt neben dem Fernseher liegt: Alphonso nimmt auch leise Hintergrundgeräusche über das Mikrofon auf. Menschliche Stimmen allerdings interessieren die Software nicht. Vielmehr soll das im Raum laufende Fernsehprogramm erkannt und auf Inhalte und ausgestrahlte Werbespots analysiert werden. Daraus erstellt das Unternehmen Strategien für Kunden, die ihre Produkte effektiv bei geeigneten Zielgruppen bewerben wollen. Dazu nutzt es unter anderem auch die Informationen zum Standort des Nutzers, die über die IP-Adresse des Anschlusses vermittelt werden. Noch mehr Informationen geben Verwender des Musikerkennungsdienstes Shazam preis. Dank eines Deals der beiden Unternehmen kann Alphonso hier sogar sämtliche Daten des zugehörigen Nutzerprofils zuordnen.

Weiterer Ausbau der Lauschaktivitäten geplant

Welche Apps im Einzelnen die Software an Bord haben, verraten die Anbieter nicht. Die New York Times spricht von rund 250, Alphonso selbst sogar von 1000 Anwendungen. Und das Unternehmen will die Erkennung sogar noch ausweiten: Technisch sei es möglich, auch Filme und Werbespots zu erfassen, die Handybesitzer im Kino ansehen. Allerdings nur, wenn das Smartphone auch während der Vorstellung eingeschaltet bleibt.

Praxis-Tipps:

1. Einige wenige der betroffenen Apps hat die New York Times gefunden, indem sie „Alphonso automated“ oder „Alphonso Software“ als Suchkriterium im Google Play Store eingegeben hat. (URL: https://play.google.com/store/search?q=%22Alphonso%20automated%22&c=apps&hl=en und https://play.google.com/store/search?q=%22Alphonso%20software%22&c=apps&hl=en)

2. Die Zugriffsrechte jeder App auf die Funktionen des Handys lassen sich überprüfen und gegebenenfalls ändern. Bei Google Android geht das über -> Einstellungen -> Apps -> Name der App ->Berechtigungen; bei Apple iOS über -> Einstellungen -> Datenschutz -> Mikrofon.

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Autor Sören SiebertSören Siebert ist Rechtsanwalt mit Kanzleien in Berlin und Potsdam.

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