Digitale Überwachung: Saudische Männer kontrollieren weibliche Familienmitglieder

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Eine Smartphone-Anwendung für iOS und Android ist auf massive Kritik von Menschenrechtsorganisationen gestoßen. Das Programm wurde vom Innenministerium Saudi-Arabiens in Auftrag gegeben und erlaubt die Überwachung von bis zu sechs Familienmitgliedern. Der Vorwurf: Mit der App sollen Ehefrauen und Töchter daran gehindert werden, männlicher Repression zu entkommen.

Google und Apple bieten Unterdrückungs-App an

Inzwischen dürfen sie laut Gesetz Autofahren und arbeiten. Aber noch immer unterstehen Frauen in Saudi-Arabien lebenslang der Vormundschaft eines männlichen Familienangehörigen. Wollen sie ohne Zustimmung von Mann, Vater, Bruder oder Sohn das Land verlassen, drohen drakonische Strafen. Mit einer App namens Absher können weibliche Familienmitglieder inzwischen auch über das Smartphone bespitzelt werden. So erhält der Vormund beispielsweise eine SMS-Nachricht, wenn eine Frau an der Landesgrenze ihren Pass vorlegt.

Scharfe Kritik von Menschenrechtlern

Neben Human Rights Watch fordern nun auch westliche Politiker, die Anwendung aus den Stores der Internet-Giganten zu entfernen. Nach den ethischen Richtlinien der großen IT-Firmen sind Programme mit unangemessenen Inhalten ohnehin verboten. Dazu zählen laut Apple und Google beispielsweise Hassrede, Gewaltdarstellungen, Mobbing und Pornografie. Apple-Chef Tim Cook allerdings gab zunächst an, Zweck und Arbeitsweise von Absher prüfen zu lassen. Die App des saudischen Innenministeriums bietet neben der Tracking-Möglichkeit auch verschiedene andere Dienstleistungen im Behördenkontakt an. Menschenrechtsorganisationen aber warnen, dass saudische Männer Absher vor allem als Kontrollmittel missbrauchen könnten.

Digital affine Frauen wehren sich

Bei Human Rights Watch ist man der Meinung, dass Internet-Anwendungen aus repressiven Staaten vor der Zulassung im Store besonders geprüft werden müssten. Allerdings berichtet die Organisation auch von Einzelfällen, in denen saudische Frauen Absher für sich genutzt haben. Heimlich änderten sie die App-Einstellungen auf den Smartphones ihres männlichen Vormunds so, dass ihnen die Ausreise aus Saudi-Arabien gestattet war. Diese technische Möglichkeit, so ein Sprecher, entbinde die großen Konzerne allerdings nicht von ihrer Verantwortung.

Fazit

Wieder einmal zeigt sich, dass Google und Apple die Programme in ihren Stores nicht ausreichend testen. Eine arabische Behörden-App bietet verschiedene Funktionen für männliche Staatsangehörige. Dazu gehört auch, dass sie die Aufenthaltsorte ihrer Frauen und Töchter permanent kontrollieren. Westliche Politiker und Menschenrechtler fordern nun von den IT-Konzernen, die Verbreitung von Absher zu stoppen.

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