Ausschreibung: Bundesrechtsanwaltskammer sucht neuen Betreiber für beA

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Nach zahlreichen Sicherheits- und Serviceproblemen soll das sogenannte „besondere elektronische Anwaltspostfach“ im kommenden Jahr von einem anderen Dienstleister übernommen werden. Die Software für Anwälte und Gerichte war 2018 wegen Sicherheitsproblemen monatelang abgeschaltet gewesen. Auch danach klagten Nutzer immer wieder über Fehlfunktionen und mangelnden Support.

Sicherheitsmängel schon vor dem Start

Ursprünglich war das beA entwickelt worden, um Schriftsätze und Dokumente besonders geschützt zwischen Justiz, Anwälten und zuständigen Behörden übermitteln zu können. Dazu sollten neueste Authentifizierungs- und Verschlüsselungstechniken beitragen. Dass man diesen Ansprüchen nicht gerecht wurde, demonstrierte der Hacker Computer Club bereits kurz vor der offiziellen Inbetriebnahme im Dezember 2017. Die Software verwendete damals ein Sicherheitszertifikat, das nur unzureichenden Schutz bot. Um den gesteckten Zeitplan nicht zu gefährden, verschickte die Bundesrechtsanwaltskammer daraufhin umgehend Handlungsanweisungen: Alle User sollten ein neues Zertifikat installieren. Eine übereilte Reaktion, wie sich später herausstellte.

Windows warnte vor Installation

Denn wer das neue Zertifikat installieren wollte, erhielt vom Betriebssystem eine deutliche Warnung vor drohenden Sicherheitsproblemen. Während die Bundesrechtsanwaltskammer BRAK riet, die Meldung zu ignorieren, schlugen IT-Spezialisten Alarm: Das neue Zertifikat berge noch größere Gefahren, als das alte. Denn nach dem Setup könnten Hacker nicht nur die Inhalte des Anwaltspostfachs lesen, sondern auch Passwörter und Banking-Daten. Nun ruderte die BRAK zurück, riet zum sofortigen Deinstallieren des Zertifikats und nahm das gesamte beA erst einmal vom Netz.

Verträge laufen Ende des Jahres aus

Ein Dreivierteljahr später als geplant stand das überarbeitete beA dann zur Verfügung. Auch der laufende Betrieb allerdings brachte immer wieder Schwierigkeiten. Das System stand zeitweise nicht oder nur teilweise zur Verfügung, der Support war kaum erreichbar. Die Bundesrechtsanwaltskammer empfahl daraufhin, bei eiligen Schriftstücken lieber andere Versandmöglichkeiten zu nutzen. Auch der Sicherheitsstandard des Programms bleibt umstritten. Was genau sich die BRAK vom neuen Betreiber wünscht, geht aus der Ausschreibung nicht hervor. Hier ist nur von „Übernahme, Weiterentwicklung und Betrieb“ die Rede.

Fazit

Noch bis Anfang Mai können sich interessierte Unternehmen bei der Bundesrechtsanwaltskammer bewerben. Viel Zeit bleibt dann nicht, denn der Vertrag mit dem bisherigen Betreiber Atos endet zum 31. Dezember. Ob der Übergang diesmal reibungsloser verlaufen wird, als der Start des beA, wird sich zeigen.

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