BGH-Urteil bestätigt: Werbung von „Runes of Magic“ ist Kaufaufforderung an Kinder

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Bei Werbung für Kinder ist vieles nicht erlaubt. Der Bundesgerichtshof hält Duzen und Anglizismen in Werbung die an Kinder gerichtet ist für problematisch. Das Urteil gegen die Werbung des Spiels „Runes of Magic“ ist jedoch auch Branchenübergreifend von Bedeutung.

Versäumnisurteil bestätigt

Bereits im vergangenen Jahr hatte der Bundesgerichtshof die Werbung von „Runes of Magic“ für rechtswidrig erklärt. Direkte Kaufaufforderungen an Kinder sind unzulässig (Nr. 28 des Anhangs zu § 3 Abs. 3 UWG). Da es sich bei diesem Fall um ein Versäumnisurteil handelt, konnte Einspruch eingelegt werden. Der betroffene Betreiber des Spiels unterlag jedoch auch in der Revision, der Einspruch wurde am 18. September 2014 zurück gewiesen und das Urteil damit bestätigt.

Duzen, lockere Sprache und Anglizismen problematisch

Grund für die Klage war eine Werbung des Spiels „Runes of Magic“ die mit folgenden Worten formuliert wurde: „Pimp deinen Charakter-Woche“ und „Diese Woche hast Du erneut die Chance, Deinen Charakter aufzumotzen! Schnapp' Dir die günstige Gelegenheit und verpasse Deiner Rüstung & Waffen das gewisse 'Etwas'!“. Zwar findet sich in diesem Satz auf den ersten Blick keine direkte Kaufaufforderung explizit an Kinder, jedoch liegt die Begründung im Detail. Die Werbung ist sprachlich in der direkten Ansprache der zweiten Person Singular verfasst worden. Zudem wurden Kinder-typische und Anglizismen verwendet. Als Anglizismen wurden die Wörter „Pimpen“ und „Dungeon“ in einem weiteren Textabschnitt angesehen, was jedoch auf Kritik stößt. Aus solchen Begriffen lasse sich nicht ableiten, dass die Werbung explizit auf Kinder abzielte. Unstrittig ist jedoch die Feststellung der Kaufaufforderung. Diese liegt immer bei der Verwendung des Imperativs, aber nicht ausschließlich bei der Verwendung des Imperativs vor. Das Produkt muss auch nicht direkt beworben werden, sofern man über den entsprechenden Link direkt zu den jeweiligen Produkten gelangt, die zum Kauf angeboten werden. Auch dann gilt eine Online-Werbung als unmittelbare Kaufaufforderung.

Branchenübergreifende Relevanz

Besonders in der Computerspielbranche wurde dem Urteil ein hohes Maß an Beachtung geschenkt, da hier sehr häufig gedutzt und mit einer lockeren Art die Spieler angesprochen werden. Die Unterscheidung, an welche Altersgruppe sich die Werbung richtig, verschwimmt sehr und lassen sich nur selten deutlich einordnen. Interessant ist dieses Urteil jedoch nicht nur für die Spieleindustrie. Dieses Urteil findet seine Gültigkeit in der gesamten eCommerce Branche, da es auf jede Art von Online-Werbung anwendbar ist, da die potentiellen Kunden in der Regel mit einem Klick auf den Werbebanner direkt zum Angebot gelangt. Bei Medienwerbung im Bereich TV, Radio oder Zeitungen gibt es derzeit keine Möglichkeit, direkt zum beworbenen Produkt zu gelangen. Im Internet ist das Dutzen sehr gängig und Anglizismen werden ebenfalls sehr häufig eingesetzt.

Fazit:

Künftig wird die Frage wesentlich relevanter, wie Online-Werbung rechtssicher gestaltet werden kann. Die Kritik, Anglizismen haben im Bereich des Internets eine sehr hohe Popularität, ist berechtigt. Hier werden Menschen jeden Alters angesprochen, die häufiger mit dem Internet zu tun haben, und die kennen die Bedeutung der englischen Begriffe in der Regel. Vor allem das Dutzen ist eine vollkommen übliche Gangart im Web, wodurch das Urteil nicht ganz unproblematisch ist.

Für die Spielebranche ist die Entscheidung des BGH aber problematisch, da hier in den seltensten Fällen gesiezt. Hier werden am häufigsten Anglizismen verwendet, da die englischen Begriffe am gebräuchlichsten sind oder es noch nicht einmal korrekte deutsche Übersetzungen möglich sind. Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser Prozess nicht der letzte gewesen sein wird, da viele Unternehmen mit Ihrer Werbung in Schwierigkeiten geraten können.

 

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